Das Geschichtsbild der Ura-Linda-Chronik

Bodhi Svaha! Sadhu!

Zwischen friesischer Überlieferung, Matriarchat und einer umstrittenen Chronik

Die Ura-Linda-Chronik gilt als Friesenbibel umstritten, denn die geltende Geschichtsschreibung spricht den Friesen eine so hohe Kulturstufe kategorisch ab. Heute noch leben gut 60.000 Friesen in der BRD und stehen unter internationalem Minderheitenschutz mit einer eigenen Sprache.

Ihre Volksgeschichte in der Chronik ist auf ungeordneten Blättern in Altfriesisch geschrieben und immer wieder (wie einst die Bibel) von Hand und generationenübergreifend abgeschrieben worden. Dabei mischten sich natürlich auch neufriesische Wörter hinzu.

Wie in der BRD genießen die Friesen auch jetzt in den Niederlanden besondere Schutzrechte. Auf Druck der verängstigten Kirche drohte man den hoch angesehenen Gutachtern Over de Linden, Verwijs und Ottema mit Gefängnis „wegen Betrugs zum Schaden der Landesregierung“!

Ohne Rücksicht auf ihre bürgerliche Stellung hielten die Gutachter lebenslang die Chronik für echt und auch deren Nachkommen. Einige Nachkommen der Fälschungs-Behaupter allerdings hegten mittlerweile Zweifel wegen Mangels an Beweisen.

Indessen wurde in allen niederländischen Schulen die Chronik als Werk eines christlichen Geistlichen dargestellt, der diese Chronik als Parodie auf das christliche Patriarchat gedichtet hätte. Auch diese Behauptung in Filmvorführungen in allen niederländischen Schulen ist ohne stichhaltige Beweise. Die Film-Hersteller aus kirchlichen Kreisen wurden allerdings finanziell gut honoriert.

Die Nazis lehnten die Chronik aus anderen Gründen ab: zu demokratisch und matriarchalisch! Die Monarchisten wehrten sich aus Angst, die Erbfolge zu verlieren!

Heute kann man die Chronik in niederländischer Sprache in Friesland mit Glück und Bekundung guter Absichten öfters noch unter dem Ladentisch erhalten.

Die Geschichte der Ura-Linda-Chronik beginnt eigentlich mit einem Kometeneinschlag vor 3000 Jahren v. u. Z. als Untergang von Altland oder Atland als Beginn der friesischen Zeitrechnung.

In kirchenfreien Gemeinden rechnet man nicht mehr mit dem Jahr Null als Christi Geburt, sondern als u. Z. (unserer Zeitrechnung). Geschichtlich nämlich lebte der biblische König Herodes I. von 73–4 vor Christi Geburt. Er soll laut Bibel alle Kinder in Jesu Alter von 2 Jahren in Bethlehem ermordet haben.

Demnach starb Herodes sogar 6 Jahre vor Jesu Geburt, wie sollte der Kindesmord dann Jesus gegolten haben? Diese Bibelgeschichte wurde aus der Lebensgeschichte des indischen Gottes Krischna kopiert, die 3000 Jahre vor Christus geschah!

Daher verwenden wir in diesem Bericht die Bezeichnung vor oder nach „u. Z.“.

Dass es Waffenjungfrauen tatsächlich gab, wie es die Ura-Linda-Chronik beschreibt, ist glaubhaft, wenn wir an die Schildmeiden der Germanen denken und an die Amazonen vom anatolischen Wan-See (Wanen). Ebenso die Lampenhüterinnen, wenn wir an die römischen Vestalinnen denken.

Glaubhaft ist die Darstellung der Volksmütter als Namensgeberinnen ihres Volksstammes: Kälta = Kelten, „Fryas Land“ zu Friesland usw.

Die Ura-Linda-Chronik beginnt mit dem Untergang von Atland, aber die meisten Geschichten berichten aus Buddhas Zeiten ab dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeit. Wir schrieben bereits in unserer Serie von Fryas Gesetzgebung.

Der Legende nach heißt es dann, dass sie „zu dem Stern, der am Morgen- und Abendhimmel zu sehen ist“, entrückte. Das war die Venus als ihr „Wachstern“.

Ihre letzten Worte waren: „Das Heil harret der Freien! Zuletzt werden sie mich wiedersehen!“

Das war Hoffnung für die Entmutigten. Dann ertönte Donner, ein gewaltiger Sturm kam auf, die Erde bebte, das Meer tobte und die Wellen verschlangen das Land (das Altland).

Am Himmel stand durch Blitze geschrieben: „Wachet!“ (Die Blitzrune?)

Nachdem das Altland versunken war, retteten sich Fryas Kinder auf die neu entstandenen Inseln und bauten dort Burgen aus Holz. Die erste nennt sich Fryasburg.

Festa oder Fosta (Fosita?), die erste Burgmutter, ließ Fryas Ratschläge und Weisheit auf die Wände ritzen, und mehrere Burgen entstanden. Auf jeder wurden Burgmütter gewählt, die weise und mütterlich über die Fryaskinder (Friesen) wachten.

Sie wurden von jungen Maiden begleitet, die Heilkunde, Näherei, Kunst, Gesänge, Weisheit, Freiheitskunde und Wehrkunde lehrten.

Zur siebenfachen Lehre gehörte auch eine lange Reise, etwa den großen Fluss (Rhein) aufwärts bis zu den Bergen. Alle Maiden mussten mannlos bleiben, und ihre heiligste Aufgabe war, über die ewige Flamme zu wachen (ursprünglich wohl das Küsten-Leuchtfeuer), die auf jeder Burg brannte.

Fanden neue Regeln 100 Jahre Wohlgefallen, wurden sie zu Gesetzen. Freiheit, Ruf und Ehre mussten verteidigt werden. Auf den Burgwänden stand das Burgengesetz geschrieben (siehe unsere vorherigen Beiträge).

Die alten Legenden berichten: „Das Volk lebte in Frieden an Land und auf See. (Ägypter-König Ramses II. berichtete schon von den Seegermanen als ‚Nordmeer-Völker‘.) Die Nachkommen Fryas walteten über ein Gebiet von Schonland bis zu den Alpen. Die Fryassöhne befuhren die Meere und Flüsse und handelten mit Bernstein, Edelfellen, Metall und siedelten weit im Süden und Osten, in den wärmsten Gefilden und höchsten Bergen. Sie brachten den Nachkommen Lydas und Findas (Afrika und Asien) das Wissen der Burgmutter.“

Im … (im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung) wurde Fryasland von dem Priesterkönig aus Finnland angegriffen und verlor damit das Gebiet östlich des Flusses, den man heute Weser nennt.

30 Jahre später, nach erneuten Angriffen, drohte Verlust durch weitere Angriffe. Da wurde die neue Ehrenmutter gewählt und Adila schlug vor, Fryas Rat und Gesetze abzuschreiben, bevor der Feind die Burg niederbrennt.

Diese Texte sollten an die nächste Generation weitergegeben werden und von den Nachfahren mit Berichten aus der neuen Zeit ergänzt werden. Den Kindern sollte am Herdfeuer immer wieder die Geschichten, Heldentaten und Weisheiten erzählt werden und von der alten Größe des Landes Frya.

Sie tat mit Freuden und mit Tränen, um aus den Töchtern echte freie Frauen zu machen. Und so geschah es.

Doch Adelar wurde von dem Feind entführt. Als sie sich nicht beugte, wurde sie ermordet. Ebenso ihr Sohn. Der Adellar-Bund wurde gegründet, um Rache zu nehmen.

(Im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung), da kamen die, die in der Ferne gesiedelt hatten, zurück!

Unter den Söhnen wurden Land- und Seekönige gewählt. Alle 3 Jahre wurde ein neuer gewählt. Auch sie waren der Seherei mächtig. Der Seekönig wurde von der Burgmutter inthroniert.

Je verheerender die kriegerischen Auseinandersetzungen wurden, umso mehr Macht forderten die Wehrleute. Da spaltete Uneinigkeit Fryas Volk.

Die sogenannten Vätersöhne (trugen den Namen ihrer Väter) wollten keine Burgmütter mehr wählen (Anfang vom Patriarchat). Die Muttersöhne (trugen den Namen ihrer Mütter) wollten ihre alte Tradition fortsetzen (Matriarchat) …

Dieses sind die Namen der Obergrafen, unter deren Verwaltung dieses Buch entstanden ist:

  • Apol, Adelas Mann: 3× ist er Seekönig gewesen, und nun ist er Obergraf über Ost-Flyland und über die Linda-Orte. Die Burgen Ljudgarda, Lindaheim und Stavoeren stehen unter seiner Obhut.

  • Drer Sachse Storo, Sytias Mann: Obergraf über den Hohen Venn (Hochmoor) und Wälder. 9× ist er zum Herzog (der vor dem Heere zog), das ist zum Heeresmann, gewählt; die Burgen Buda und Mannagarforda (Münster) stehen unter seiner Hut.

  • Abelo, Jaltas Mann: Obergraf über die Süd-Flyländer; 4× ist er Heermann gewesen; die Burgen Aken, Ljudburg und Katsburg sind unter seiner Hut.

  • Ennoh, Dywekes Mann: Obergraf über West-Flyland und Texland, 9× wurde er zum Seekönig gewählt; die Waraburg, Medeasblik, Forana und Alt-Fryasburg sind unter seiner Hut.

  • Foppo, Mann von Dunros: Obergraf über die sieben Eilande, 5× ist er Seekönig gewesen; die Burg Walhgalölagara ist unter seiner Hut.


Soweit der Übersichtsbericht, wozu es archäologische Indizien eines ältesten Matriarchats gibt. Siehe die Höhlenmalerei, steinzeitliche Plastiken von Muttergöttinnen und römische und germanische Matronensteine vom Niederrhein bis Friesland!

Diese kleine Herrscherliste wurde der Chronik entnommen:

Adela = 558 v. u. Z.
Adelbrost = 530 v. u. Z.
Apollonia = 530 v. u. Z.
Fredrik = 300 v. u. Z.

Wiljow = 300 v. u. Z.
Koeneraad = 300 v. u. Z.
Anonymos I. = ?
Anonymos II. = 50 v. u. Z.

Liko = 803
Hiddo = 1256

Weitere geschichtliche Daten:

2193 v. u. Z. = Untergang von Altland (Atland)
Fryas Volk im Krieg = 2091 v. u. Z.
Ulysus (Odysseus) in Fryasland = 1187 v. u. Z.


Dazu ein weiteres Indiz:

In Dorchester (Süd-England) wurde eine friesische „Maiden-Burg“ untersucht. Diese Maidenburg wird „Maiden Castle“ genannt und besteht aus mehreren oval angelegten Erdaufschichtungen.

Älteste Stufen-Untersuchungen führten ins Neolithikum, dann von der Steinzeit in die Bronzezeit, wo vor 4000 Jahren ein von 2 Deichen umschlossenes Oval zur Errichtung der Hügelburg führte.

Die Bezeichnung „Maiden“ lebt noch heute im englischen Wort von Meermaiden (Meerjungfrauen) fort.

Die Ura-Linda-Schilderungen bekommen immer deutlichere Konturen und übertreffen Platos utopischen Idealstaat.

(Wiedergabe ohne Gewähr)

Buddhistischer Schlussgedanke

☸ Zwischen Überlieferung und Erkenntnis

Alte Chroniken, Mythen und Überlieferungen können Menschen über Jahrhunderte begleiten. Doch im Buddhismus gilt auch für überlieferte Aussagen: Sie sollen nicht allein deshalb angenommen werden, weil sie alt, ehrwürdig oder oft wiederholt worden sind.

Entscheidend ist die eigene achtsame Prüfung.

Geschichte kann Erinnerung bewahren, Legenden können Sinnbilder tragen und archäologische Funde können unser Bild der Vergangenheit verändern. Doch Weisheit entsteht dort, wo wir zwischen Glauben, Überlieferung und unmittelbarer Erkenntnis unterscheiden lernen.

Wer nach Wahrheit sucht, sollte mit offenem Geist hören – und zugleich mit klarem Geist prüfen.


Weiterführende Literaturtipps

  • Oera Linda Boek / Ura-Linda-Chronik – verschiedene historische Ausgaben und Übersetzungen des umstrittenen friesischen Textes.

  • Goffe Jensma: „De gemaskerde God“ – eine wissenschaftliche Untersuchung zur Entstehung, Rezeption und Wirkungsgeschichte des Oera-Linda-Buches.

  • Literatur zur friesischen Geschichte, Sprachgeschichte und Archäologie – besonders Arbeiten über Nordfriesland, die friesischen Küstengebiete, frühgeschichtliche Siedlungen und mittelalterliche Überlieferung.

Redaktioneller Hinweis:

Die Ura-Linda-Chronik bewegt sich bis heute im Spannungsfeld zwischen friesischer Überlieferung, Geschichtsdeutung, Mythos und wissenschaftlicher Kritik. Ihre Echtheit und zeitliche Einordnung sind umstritten. Während die akademische Forschung das Werk überwiegend als eine im 19. Jahrhundert entstandene Schrift betrachtet, sehen andere Autoren und Leser darin Überlieferungsreste älterer friesischer Geschichte, Mythologie und gesellschaftlicher Vorstellungen.

Der Bolg Beitrag nähert sich der Chronik daher bewusst auch aus der Perspektive ihrer eigenen Überlieferungswelt. Aussagen über Frya, Atland, Burgmütter, Maiden, frühe Herrschaftsformen oder historische Ereignisse sind dort, wo sie nicht unabhängig belegt werden können, als Inhalte der Chronik beziehungsweise als daraus entwickelte Deutungen zu verstehen.

Archäologische Funde, sprachliche Parallelen oder Ähnlichkeiten mit anderen Kulturen können interessante Vergleichspunkte liefern, stellen jedoch für sich allein keinen Beweis für die historische Echtheit einzelner Erzählungen der Ura-Linda-Chronik dar.

Unser Anliegen ist es nicht, eine endgültige historische Wahrheit vorzugeben. Vielmehr möchten wir alte Überlieferungen sichtbar machen, Zusammenhänge untersuchen und auch ungewöhnliche Fragestellungen zur Diskussion stellen.

Dabei gilt: Zwischen gesichertem historischem Wissen, archäologischen Indizien, späterer Interpretation und überlieferter Erzählung sollte klar unterschieden werden.

Der Leser ist eingeladen, mit offenem Geist zu lesen, verschiedene Quellen miteinander zu vergleichen und sich auf Grundlage eigener Prüfung ein Urteil zu bilden.


📖 Bisher in dieser Serie erschienen:

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