Zwischen Fernsehen, TikTok, Gehirnwellen und Biolaboren – wie stark beeinflussen Bilder, Nachrichten und moderne Technik unser Denken?
Wir leben heute in einer Welt, in der unser Gehirn täglich mit einer Menge an Bildern, Nachrichten und Reizen konfrontiert wird, die frühere Generationen kaum kannten. Fernsehen, Smartphones, soziale Netzwerke und Kurzvideos begleiten viele Menschen vom Aufstehen bis zum Einschlafen.
Doch was geschieht dabei eigentlich mit unserem Gehirn? Und wie können wir unterscheiden zwischen gesicherter Information, Vermutung, Propaganda und bewusster Manipulation?
TV-Wellen und Gehirn-Frequenzen
Laut einem als „Rabbit Research“-Bericht bezeichneten Text soll der Strahlenforscher Herbert Kruppner darauf hingewiesen haben, dass unser Fernsehgerät ähnlich wie unser menschliches Gehirn mit elektrischen beziehungsweise elektromagnetischen Frequenzen arbeitet.
Bei den früher in Europa üblichen Fernsehsystemen wurde das Bildmaterial mit 25 Bildern pro Sekunde übertragen. Gleichzeitig arbeitete das klassische PAL-System mit einer Bildwechselfrequenz von 50 Hertz.
Mit so vielen künstlich erzeugten optischen Eindrücken würde ein Mensch in freier Natur normalerweise kaum konfrontiert werden.
Hinzu kommen die zahlreichen schnellen Bildwechsel.
Innerhalb einer halben Minute können in einem modernen Fernsehbeitrag, Werbespot oder Musikvideo zahlreiche vollkommen unterschiedliche Einstellungen aufeinanderfolgen. Das Auge muss sich ständig auf neue Bilder, Farben, Entfernungen und Bewegungen einstellen.
Bei heutigen Plattformen wie TikTok, Instagram Reels oder YouTube Shorts geschieht dies teilweise noch wesentlich schneller.
Hier muss allerdings eine wichtige wissenschaftliche Unterscheidung vorgenommen werden:
Die 50 Hertz eines Fernsehbildes sind nicht dasselbe wie eine Gehirnwelle von 50 Hertz.
Die elektrische Aktivität des Gehirns wird mittels EEG gemessen und in verschiedene Frequenzbereiche eingeteilt. Der sogenannte Alpha-Bereich liegt bei ungefähr 8 bis 12 Hertz, während Beta-Aktivität typischerweise oberhalb von etwa 13 Hertz gemessen wird.
Die zwei Gehirnhälften
Nachgewiesen ist, dass bestimmte Funktionen des Gehirns unterschiedlich stark auf die beiden Gehirnhälften verteilt sein können.
So ist beispielsweise bei den meisten Menschen die Sprachverarbeitung stärker auf der linken Seite organisiert. Bestimmte Aspekte räumlicher Wahrnehmung oder emotionaler Verarbeitung können dagegen stärker von der rechten Gehirnhälfte beeinflusst werden.
Die früher häufig verwendete einfache Zuordnung
links = Logik und analytisches Denken
und
rechts = Gefühle, Kreativität und Entscheidungen
ist nach heutiger Forschung jedoch zu stark vereinfacht.
Unser Gehirn arbeitet nicht wie zwei voneinander getrennte Computer. Bei nahezu allen komplexen Vorgängen arbeiten unterschiedliche Bereiche beider Gehirnhälften gemeinsam. Der Neurowissenschaftler Michael Corballis bezeichnet die populäre strikte Trennung zwischen einem „logischen linken Gehirn“ und einem „kreativen rechten Gehirn“ deshalb weitgehend als Mythos.
Fernsehen und der Alpha-Zustand
In der ursprünglichen Darstellung wird weiterhin behauptet, dass Fernsehfrequenzen das Gehirn innerhalb kurzer Zeit aus dem Beta-Zustand – also einem Zustand bewusster Aufmerksamkeit – in einen Alpha-Zustand versetzen könnten.
Der Alpha-Zustand wird häufig mit Entspannung, geschlossenen Augen und einer verminderten Verarbeitung äußerer Reize verbunden.
Die pauschale Behauptung, Fernsehen würde jeden Zuschauer innerhalb einer Minute automatisch in einen hypnotischen Alpha-Zustand versetzen, lässt sich wissenschaftlich allerdings nicht belegen.
Interessant bleibt dennoch der dahinterstehende Gedanke.
Denn Medien versuchen sehr wohl, unsere Aufmerksamkeit zu lenken.
Schnelle Bilder, Musik, emotionale Geschichten, dramatische Sprecher, Farben und wiederholte Botschaften sind wichtige Instrumente moderner Medienproduktion.
Das gilt ganz besonders für die Werbung.
Werbung möchte nicht nur informieren.
Sie möchte, dass wir uns erinnern, fühlen und entscheiden.
Und genau deshalb werden Produkte häufig mit Glück, Liebe, Erfolg, Schönheit, Jugend oder gesellschaftlicher Anerkennung verbunden.
TikTok und Kollegen
Aber nicht nur unser Fernseher beeinflusst unser Verhalten.
TikTok, Instagram, YouTube, Facebook und andere Plattformen haben eine völlig neue Form des Medienkonsums geschaffen.
Wir müssen heute nicht mehr eine halbe Stunde auf die nächste Sendung warten.
Mit einer einzigen Bewegung des Fingers erscheint bereits das nächste Video.
Dann das nächste.
Und noch eines.
Innerhalb weniger Minuten können wir einen lustigen Hund, einen Kriegsschauplatz, eine Kochanleitung, politische Propaganda, Werbung, einen Unfall und anschließend ein Tanzvideo sehen.
Unser Gehirn bekommt dabei kaum Gelegenheit, einen Eindruck vollständig zu verarbeiten, bevor bereits der nächste folgt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht nicht:
„Kann Fernsehen unser Gehirn hypnotisieren?“
Sondern:
„Was geschieht mit unserer Aufmerksamkeit, wenn wir uns jeden Tag stundenlang einem endlosen Strom immer neuer Reize aussetzen?“
Ursprünglicher Quellenhinweis der Vorlage: „Fuchsweib 3.0“.
US-Militär-Labore in der Ukraine?
Auch dieses Thema zeigt sehr deutlich, wie schnell aus einem tatsächlich vorhandenen Sachverhalt eine wesentlich weitergehende Behauptung entstehen kann.
Seit Beginn des Ukraine-Krieges kursiert immer wieder die Aussage, die Vereinigten Staaten würden in der Ukraine geheime Militär- oder sogar Biowaffenlabore betreiben.
Einen tatsächlichen Hintergrund gibt es:
Die USA unterstützten seit 2005 im Rahmen ihres Biological Threat Reduction Program biologische Labore und Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine.
Das US-Verteidigungsministerium nennt insgesamt 46 ukrainische Labore, Gesundheitseinrichtungen und Diagnostikstellen, die innerhalb von rund zwei Jahrzehnten unterstützt wurden.
Dabei ging es nach Angaben der beteiligten Stellen unter anderem um biologische Sicherheit, die Überwachung von Krankheiten sowie eine bessere Erkennung möglicher Epidemien.
Das amerikanische Verteidigungsministerium erklärte gleichzeitig ausdrücklich, dass diese Einrichtungen der Ukraine gehören und von der Ukraine betrieben werden.
Das bedeutet:
US-Unterstützung biologischer Labore in der Ukraine ist dokumentiert.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch:
Die USA betreiben dort geheime Biowaffenlabore.
Die Vereinten Nationen erklärten 2022 mehrfach, ihnen seien keine biologischen Waffenprogramme in der Ukraine bekannt.
Gerade bei diesem Thema sollte daher sauber zwischen drei Dingen unterschieden werden:
biologischer Forschung,
militärisch finanzierter oder unterstützter Sicherheitsforschung
und tatsächlicher Entwicklung biologischer Waffen.
Diese Begriffe sind nicht dasselbe.
Und was ist mit Corona?
Auch die Herkunft des Coronavirus SARS-CoV-2 wird bis heute diskutiert.
Immer wieder wird behauptet, das Virus sei gezielt in einem chinesischen Militärlabor gezüchtet worden.
Ein solcher gezielter militärischer Ursprung ist bislang nicht nachgewiesen.
Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte im Juni 2025 eine neue umfangreiche Bewertung zur Entstehung von SARS-CoV-2.
Danach spricht das Gewicht der derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Hinweise eher für einen Übergang des Virus vom Tier auf den Menschen, möglicherweise direkt von Fledermäusen oder über einen Zwischenwirt.
Aber auch die WHO sagt ausdrücklich:
Die Frage ist noch nicht in allen Punkten endgültig geklärt.
Wichtige Daten aus China wurden internationalen Wissenschaftlern bislang nicht vollständig zugänglich gemacht. Deshalb könne auch ein möglicher Laborunfall derzeit nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden.
Gerade hier zeigt sich wieder:
Zwischen „nicht ausgeschlossen“ und „bewiesen“ liegt ein gewaltiger Unterschied.
Information oder Manipulation?
Vielleicht verbindet genau diese Frage beide Themen unseres Artikels.
Beim Fernsehen geht es um Bilder.
Bei TikTok geht es um Bilder.
Bei Werbung geht es um Bilder und Emotionen.
Und auch bei politischen Konflikten, Pandemien und angeblichen Geheimlaboren erfahren die meisten von uns fast alles ausschließlich über Bildschirme.
Wir waren nicht im Labor.
Wir waren nicht auf dem Schlachtfeld.
Wir waren nicht bei einer Regierungssitzung.
Wir bekommen Informationen darüber.
Und genau hier beginnt unsere eigene Verantwortung.
Nicht jede Information aus etablierten Medien ist automatisch richtig.
Aber genauso wenig ist jede Nachricht aus sogenannten alternativen Medien automatisch wahr, nur weil sie den etablierten Medien widerspricht.
Propaganda funktioniert in alle Richtungen.
Eine Behauptung sollte deshalb nicht danach beurteilt werden, ob sie in unser persönliches Weltbild passt.
Entscheidend sollten vielmehr drei einfache Fragen sein:
Wer behauptet es?
Gibt es eine Person oder Organisation, die eindeutig als Ursprung der Aussage erkennbar ist?
Wo ist die Originalquelle?
Gibt es ein Dokument, eine wissenschaftliche Veröffentlichung, eine Rede oder eine offizielle Stellungnahme?
Gibt es unabhängige Bestätigungen?
Wiederholen mehrere Seiten lediglich dieselbe ursprüngliche Meldung – oder wurde der Sachverhalt tatsächlich unabhängig überprüft?
Diese Fragen sind heute vielleicht wichtiger denn je.
Die Frage an unsere Leser
Was wäre, wenn morgen tatsächlich wieder eine neue Pandemie ausbrechen würde?
Wie würdest du reagieren?
Würdest du staatlichen Empfehlungen sofort folgen?
Würdest du zunächst abwarten?
Würdest du alternative Medien heranziehen?
Oder würdest du versuchen, unterschiedliche wissenschaftliche, staatliche und unabhängige Quellen miteinander zu vergleichen?
Vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion aus den vergangenen Jahren:
Nicht blind glauben – aber auch nicht reflexartig ablehnen.
Prüfen.
Vergleichen.
Nachdenken.
Und erst dann entscheiden.
Denn gerade in einer Welt voller Fernsehen, Smartphones, TikTok, Werbung, politischer Kommunikation und künstlicher Intelligenz wird unsere Aufmerksamkeit zu einem immer wertvolleren Gut.
Wer unsere Aufmerksamkeit kontrolliert, kann unsere Wahrnehmung beeinflussen.
Aber was wir am Ende glauben, sollte noch immer unsere eigene Entscheidung bleiben.
Gastautor: Euer clever Fox
Quellen und weiterführende Hinweise
U.S. Department of Defense: Fact Sheet on WMD Threat Reduction Efforts with Ukraine, Russia and Other Former Soviet Union Countries, 9. Juni 2022.
United Nations Security Council: Erklärungen zu behaupteten biologischen Waffenprogrammen in der Ukraine, März und Mai 2022.
World Health Organization / SAGO: Independent assessment of the origins of SARS-CoV-2, 27. Juni 2025.
NCBI Bookshelf: The Normal EEG sowie Normal EEG Waveforms – Einordnung der Alpha-, Beta-, Theta- und Delta-Frequenzbereiche.
Michael C. Corballis: Left Brain, Right Brain: Facts and Fantasies, PLOS Biology, 2014.
Ursprüngliche Vorlage/Quellenangabe: „Fuchsweib 3.0“.






