Die rätselhaften Erdställe und das Geheimnis der versiegelten Kammern
Unterirdische Gangsysteme, alte Überlieferungen und die Frage nach den unbekannten Erbauern einer verborgenen Welt
In zurückliegenden Artikeln hatten wir bereits auf ein Tunnelnetzwerk aufmerksam gemacht, das sich durch ganz Österreich und Deutschland bis nach Böhmen und Mähren hinzieht.
Es sind die Stätten der „Unterirdischen“ in der alten Volkskunde, die man wissenschaftlich als Erdställe bezeichnet.
Diese winzigen Gänge ohne Luftschächte und Notausgänge waren für Menschen als Zufluchts- oder Vorratsräume völlig ungeeignet.
Eine Vielzahl von ihnen wurde durch kirchliche Beschlüsse unzugänglich gemacht.
Alle Erdställe wurden entsprechend der geologischen Beschaffenheit des Bodens angelegt – etwa in weichem Sandstein oder festem Lehm –, damit sie über Jahrhunderte in ihrer Architektur bestehen konnten.
Im heutigen Zustand sind sie vollständig von jeglichen Hinterlassenschaften gesäubert worden.
Die Gänge wurden fachgerecht ohne wesentliche Unebenheiten aus dem Fels geschlagen und besitzen niedrige, häufig bogenförmige Decken.
1980 ermittelte eine Studie der experimentellen Archäologie in Österreich, dass ein zehn Meter langer Gang im Sandstein rund 600 Stunden harter und ununterbrochener Arbeit erfordert. Dabei mussten die Arbeiter auf Händen und Knien arbeiten und etwa 3,5 Kubikmeter Aushub entfernen.
Mittelalterliche Bauern mussten nicht nur ihre Felder bestellen, sondern zusätzlich Frondienste für ihre Grundherren leisten.
Ihnen blieb kaum Zeit, ein derart weitläufiges unterirdisches Netzwerk zu erschaffen, das ohne Notausgänge zudem schnell zur Todesfalle werden konnte.
Man fand etwa 2000 Erdställe, die von alten Gehöften ausgehen. Ihre oft nur 60 Zentimeter breiten Gänge schlängeln sich durch die Landschaft und vereinigen sich mit sogenannten „Schlüpfen“ – Engstellen, bei deren Durchquerung selbst schlanke Menschen die Luft anhalten müssen.
Die versiegelte Kammer
In der Dorn-Dark bei Kelheim fand man an der tiefsten Stelle des Erdstallsystems sieben Meter unter einem Tunnel eine zugemauerte Kammer.
Niemand weiß offensichtlich, wer diese Versiegelung angebracht hat, wann sie erfolgte oder welchem Zweck sie diente.
Befindet sich dort noch ein Grabmal?
Ein heiliges Felsrelief?
Oder etwas völlig anderes?
Die Tunneleingänge der Erdställe bestehen meist aus drei bis vier Meter tiefen Schächten, die ursprünglich über Holzleitern erreichbar waren.
Höhlenforscher untersuchten die Luftverhältnisse in den dauerhaft dunklen Anlagen ohne Schornsteine oder Belüftungssysteme.
Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei größeren Menschenansammlungen schon nach kurzer Zeit Erstickungsgefahr besteht.
Versiegelte Gänge finden sich auch an vielen anderen Orten.
So wurde in Perk in Oberösterreich noch im 19. Jahrhundert eine untere Ebene verfüllt.
Auch bei Radgelblücke nahe Weinberg wurde ein unbekannter Schacht blockiert.
Kein Erdstall führte jemals zu einer Erz- oder Kohleader.
Auf der grünen, katholischen Insel Irland – dem Land der Kobolde – finden sich ebenfalls vergleichbare Erdställe ähnlicher Bauart.
Welche Obrigkeit hatte Interesse daran, die Erforschung dieser Anlagen einzuschränken?
Zwerge, Lichtelfen und die Edda
Zwar berichtet die Bibel in der Genesis von Riesen, die zur Erde kamen und Menschentöchter zu ihren Frauen nahmen, doch von Zwergen berichten vor allem die heidnischen Überlieferungen.
Die Jüngere Edda zitiert häufig aus der älteren Lieder-Edda und berichtet von zwei Himmeln über unserem Erdhimmel.
Im höchsten dieser Himmel sollen Lichtelfen in einem Edelsteinturm wohnen und ein unsterbliches Leben führen.
Auf Erden hingegen seien aus Würmern die Zwerge entstanden – eine Vorstellung, die aus Sicht des Verfassers erstaunliche Parallelen zur modernen Evolutionslehre aufweist.
Die ältere Lieder-Edda führt sogar ganze Stammlisten von Zwergen auf.
Im Alvíssmál wird berichtet, dass ein Zwerg durch Sonnenstrahlen versteinert wurde.
Hatten unsere Vorfahren Skelette kleiner Menschen mit großen Schädeln aus solchen Steingängen ans Tageslicht gebracht?
Ähnelten sie den modernen Beschreibungen von Außerirdischen?
Kamen sie als gestrandete Besucher aus einer sonnenferneren Zone und schützten sich vor dem UV-Licht unter der Erde?
Aus dieser Sichtweise könnten manche Versiegelungen der Erdställe erklärbar erscheinen, da solche Funde das traditionelle Weltbild in Frage stellen würden.
Aus der Edda:
Über die Lichtelfen
„Es wird gesagt, dass ein anderer Himmel südlich und oberhalb dieses Himmels sei und Andlang genannt werde. Darüber befinde sich der dritte Himmel, Vidblain genannt. Dort vermuten wir jene Stätte. Und die Lichtelfen allein bewohnen nun diese Orte.“
Über Gimlé
„Einen Saal weiß ich stehen, schöner als die Sonne,
besser als Gold auf Gimlé.
Dort sollen treue Herren wohnen
und alle Tage Glück genießen.“
Über die Entstehung der Zwerge
„Die Zwerge wurden zuerst geschaffen und nahmen Leben im Fleisch Ymirs an. Sie waren damals Maden. Doch durch den Ausspruch der Götter wurden sie mit Verstand begabt, erhielten menschliche Gestalt und wohnten fortan in Erde und Gestein.“
Ymír war nach nordischer Überlieferung der Urriese, aus dessen Körper die Welt erschaffen wurde.
Infobox – Weiterführende Literatur
Empfohlene Literatur zu Erdställen, nordischer Mythologie und unterirdischen Anlagen
- Die Edda
- Mythologie der Germanen
- Literatur über Erdställe in Bayern und Österreich
- Forschungen zur experimentellen Archäologie
- Werke über Höhlenkunde und unterirdische Bauwerke
- Studien zu Volksüberlieferungen über Zwerge und Lichtelfen






