Hochzeitsreise nach Thailand Teil 2

Kapitel 4 & 5 – Auf den Pirateninseln und im Auge des Elefanten

Kapitel 4: Auf den Pirateninseln

Hinter den Kosmetikliegen erhebt sich der Affenhügel, und von dort rinnt ein Bächlein zum Ozean, wo eine kleine Hütte stand – unser aller einziges Plumpsklo. Wir hielten bis zum Heimweg unseren inneren Wasserdrang auf und achteten darauf, dass nichts im Gebüsch raschelte.

Es gab kaum Dämmerung, und wenn der Strand plötzlich leer war, standen wir schon in der Dunkelheit und stolperten den Vorausgegangenen hinterher.

Etwas näher zum Dorf standen an der privaten Strandpromenade die protzigen Villen russischer Oligarchen. Von dort tuckerten die Privatyachten hin und her. Etwas am Rande davon fuhren längliche, schmale Thaiboote mit weit auslaufenden Heckrudern mit Fahrgästen zu den Pirateninseln.

Südthailand ist von Malaysia aus ein gutes Stück seiner Landzunge mit Moslems bewohnt, von denen häufig Angriffe auf herrliche Buddha-Tempel verübt wurden. Heftige Kämpfe gegen die Polizei wurden noch vor Kurzem durch Islamisten verübt, und auch dabei Touristen als Geisel genommen.

Wir Zehne buchten einen Tagesausflug zu diesen (jetzt gesäuberten) Pirateninseln. Dazu mussten wir zum Schutz einen Polizisten als Begleiter mitnehmen.

Wir peitschten in der Hitze durch die See, vorbei an der Privatinsel des Königs, der von allen Thais heiß geliebt wird. Wehe, wenn eine Münze des Königs auf den Boden rollt und ein Ausländer sie stoppt, indem er einen Fuß darauf tritt. Eine solche Majestätsbeleidigung könnte zum Urlaub hinter Gittern führen.

Angelika suchte mit ihrer Hand wieder Schutz bei der meinigen.

Wir kamen am „Red Island“ vorbei und fuhren auf die filmbekannte Pirateninsel durch eine versteckte Schlucht. Mächtige Felsen türmten sich auf mit natürlichen Skulpturen, die wie Nymphen, Meergötter und Drachen Gestalt annahmen. Im Halbkreis öffnete sich ein entfernter Himmel über unseren Häuptern, und ein schneeweißer Strand umrahmte einen tiefblauen, stillen See. Eine mystische Geborgenheit umgab alle Sinne.

Einige Mutige sprangen ins Wasser, vor dessen Tiefen und Strudeln gewarnt wurde.

Wir fuhren aus der Eingangsgrotte wieder heraus zur Koralleninsel hinüber. Unser Boot legte an einem langen Holzsteg an, und wir klammerten uns an den Bänken fest, bis das Boot nach dem Verlassen der beiden schwergewichtigen Brüder nicht mehr zu kentern drohte.

Auf der Koralleninsel verblieben wir den Rest des Tages und aßen mitgeführte Schnellgerichte. Kleine Fische umschwärmten uns furchtlos und knabberten an den Füßen. Björn warnte mich vor „Peniswürmern“ und lachte, als ich aus dem Wasser floh.

Der Polizist unterhielt sich mit mir über Deutschland und freute sich, als er erfuhr, dass ich in Thailand nur zu Verkäuferinnen mit Kopftuch ging, weil diese richtiges Rindfleisch auf den Hamburgern hatten. Scheinbar war er ebenfalls Moslem. So erkundigte ich mich behutsam, ob die Wächter der Anlegestelle meine hier gefundenen Korallen beschlagnahmen würden.

Er zuckte mit den Schultern, ging zu den Wachposten, sprach mit ihnen, und sie nickten. Der Polizist lächelte mir zu und ging seines Weges – doch die mitgenommenen Korallen ließ ich später bei Puis Thaifamilie zurück.

Von Krabi, dessen Wappen eine große Krabbe war, flogen wir mit dem „komischen Vogel“ nach Bangkok. Romans Freundin, die wir nur „G“ riefen, saß brav mit im Flieger.

In der Hauptstadt herrschte ein Millionengetümmel. Wir trafen auf einen Einheimischen, der alle deutschen Fußballvereine aufzählte – einschließlich, wer wann welches Tor geschossen hatte. Seine Stimme krächzte dabei wie eine überlastete Suchmaschine.

Zwölferreihen liefen Straße auf, Straße ab hinter einem Reiseführer, der eine Standarte mit unterschiedlichen Mickey-Mouse-Figuren in die Höhe hielt, hinter denen seine Küken tippelten.

Wir waren froh, endlich in einem bunten, schlanken Nachen durch die Kanäle zu gleiten. Große Strömungen ließen den kleinen Wasserdrachen mit Bug und Heck nicken. Wir fuhren durch Seitenkanäle, bekamen ganze, verschimmelte Brote und fütterten damit Fische.

„Krokodil von Backbord!“, rief einer – und auch die von Steuerbord zogen die Beine an.

Weiter fuhren wir durch schwimmende Gärten, aus denen Thaifrauen mit ihren Kähnen kamen und um ihr Seegemüse und Früchte mit uns feilschten. Von kleinen hölzernen Anlegestellen sprangen braune, nackte Knaben jauchzend ins dunkle Wasser.

Kapitel 5: Im Auge des Elefanten

Anderen Tages saßen wir bereits in einem privaten Bus mit guter Klimaanlage Richtung Mittelthailand. „G“ genoss den Ausblick neben Roman am Fenster. Pui und Björn daneben, Angelika an meiner Seite, und auf den Hinterbänken saßen Puis Eltern sowie Onkel und Tante.

Während der Fahrt machte ich mir Notizen über die letzten Tage in Ao Nang, die Überraschung beim Boarding in Düsseldorf, als Pui noch im letzten Moment ihre Namensänderung der Fluggesellschaft mitteilen musste. Die Mühen wurden mit einer Riesentorte belohnt, welche die Stewardessen ihr beim Abflug in den Schoß legten.

Diese Torte schleppte sie noch in Ao Nang in praller Hitze mit, als wir einen Abstecher zum Vergnügungspark „Seventh Heaven“ machten. Glitschige Steinstufen, so klein wie die Füße einer Geisha, führten an bodenlosen Abgründen vorbei. Die Torte wanderte von Kletterer zu Kletterer – und flog schließlich über Bord.

Wir besuchten heiße Quellen im Naturpark, wo sich in jeder kleinen Steinwanne so viele Chinesen zwängten wie Hände in einem Schnapsglas.

Thailand wird – so mein subjektiver Eindruck – in der Öffentlichkeit von arbeitenden Frauen getragen. Begabte Händlerinnen, strategisch denkend, während Männer oft im Hintergrund blieben.

So wurden wir in den Dschungel geschickt, balancierten über Holzbretterpfade durch giftgrüne Sümpfe an ellengroßen Baumechsen vorbei. Am Ende erhielten wir zur Belohnung ein Wassereis, frisch aus einer improvisierten Tiefkühltruhe.

Thailand sieht auf der Landkarte wie ein kleiner Elefant aus. Einst war der Elefant sogar Staatswappen, als das Land noch Siam hieß.

Der Rüssel ist Südthailand, Bangkok der Stoßzahn. Der dunkle Menam – so breit wie unser Vater Rhein – bildet das Halsband.

Jetzt fuhren wir nach Mittelthailand, dem „Auge des Elefanten“.

Björn warnte uns, dass dort wenig Farang hinfahren und die Menschen sehr arm seien. Man solle kleine Geldscheine bereithalten, da Händler oft kein Wechselgeld hätten.

In Nakhon Sawan fuhren die Tuk-Tuks als offene Pick-ups mit zwei Sitzbankreihen durch die Stadt. Man stellte sich an den Straßenrand, winkte, stieg ein, zog an einer Deckenschnur – und ein Glöckchen signalisierte dem Fahrer zu halten.

Puis Verwandte besaßen das Kiosk an der Hauptstraße und den höchstgelegenen Bungalow. Wir wurden herzlich empfangen und saßen im kühlen Salon auf dem Boden.

Als der Fluss einmal über die Ufer getreten war, stand nur Puis Haus nicht unter Wasser. Da schwammen die Krokodile von der nahegelegenen Farm durch die Häuserzeilen.

Als wir zum Palasthotel gingen, prüfte ich den aktuellen Wasserstand des Menam.

Leserfrage

Wann wurde eine Reise für Sie mehr als nur Ortswechsel – vielleicht sogar ein Spiegel Ihrer eigenen kulturellen Prägung?

Buddhistische Überlegung

Die Inseln, das Meer, der Elefant – alles erscheint groß und beständig. Doch politische Spannungen, Naturgewalten und soziale Gegensätze erinnern an die Lehre von Dukkha und Anicca:

Sicherheit ist relativ. Besitz ist vergänglich.
Nur die innere Haltung – Achtsamkeit, Mitgefühl und Besonnenheit – bleibt tragfähig.

Vielleicht liegt die wahre „Pirateninsel“ im eigenen Geist:
Dort, wo Furcht, Abenteuerlust und Vertrauen miteinander ringen.

Weiterführende Literatur
  • Ajahn Chah – Ein stiller Waldteich

  • Bhikkhu Bodhi – In den Worten des Buddha

  • Reisehandbuch Südthailand (Stefan Loose)

  • Kulturführer Thailand (DuMont)

Allgemeine Anmerkung zu unseren Literaturtipps

Unsere Literaturhinweise sollen den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten und unterschiedliche Blickwinkel auf die behandelten Themen ermöglichen. Dazu zählen sowohl klassische wissenschaftliche Werke als auch kulturhistorische, spirituelle oder interpretative Texte.

Nicht jede empfohlene Quelle entspricht dem aktuellen Stand der Forschung. Einige Titel bieten vielmehr alternative Sichtweisen, mythologische Deutungen oder persönliche Interpretationen der jeweiligen Autoren. Wir laden unsere Leser bewusst dazu ein, sich eigenständig ein Bild zu machen, kritisch zu vergleichen und bei Interesse auch auf wissenschaftlich gesicherte Fachliteratur zurückzugreifen.

Die Auswahl der Literatur soll daher als Anregung verstanden werden, nicht als abschließender Maßstab. Wir empfehlen, verschiedene Quellen heranzuziehen, Fragen zu stellen und das eigene Verständnis kontinuierlich zu erweitern.

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