Chroniken, Naturphänomene und Symbolik
Eine der ältesten Kirchenbauten Englands ist die Kathedrale von Canterbury (Grafschaft Kent), mit dem später angebauten Benediktiner-Kloster. Einer dortigen Urkunde zufolge sollen 1178 nach Christi glaubwürdige Zeugen von einer unheimlichen Mondfinsternis berichtet haben, die bei ihnen eine Weltuntergangsstimmung auslöste. Der damalige Abt verlegte vermutlich dieses Ereignis auf den 18. Juli, um einen Kreuzzug zu untermauern.
Die Chronik berichtet, dass sich die Mondhörner erweiterten und Feuer sowie Rauch aus der Mitte des Mondes emporloderte. Weit große Funken und heiße Kohlen wurden ausgestoßen. Dazu krümmte sich der Mond und pochte wie eine verletzte Schlange. Dieses wiederholte sich mehrmals, bis der Mond seine alte Gestalt wieder annahm, jedoch mit einem schwärzlichen Aussehen.
Der Chronik wurde eine Zeichnung beigefügt, welche die Vereinigung von Sonne und Mond während einer Mondfinsternis darstellt. Um das Bild herum waren kreisförmig allerhand astrologische Symbole und alte germanische Runen angebracht, was angesichts der kirchlichen Verfolgung von Runen als angebliche Hexenzeichen erstaunt. In unserer Nachzeichnung haben wir einige nicht erkannte Symbole durch einfache Striche ersetzt.
Auch Mohammed gewann seine ängstlichen Anhänger, indem er ihnen eine bevorstehende Mondfinsternis voraussagte. Die naturkundige Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) wusste, dass der Mond auch die Gesundheit des Menschen beeinflusst. So soll ein Mann, der am 5. Tag nach Neumond gezeugt wurde, ehrenhaft, vertrauenswürdig, entschlossen, mutig und gesund ein langes Leben führen. Eine Frau mit dieser Konstellation hingegen würde zwar die Wahrheit lieben, aber auch gehässig und streitsüchtig sein.
Bei abnehmendem Mond sinkt der Wasserspiegel im Ackerland und steigt bei Vollmond wieder an – etwas, das für Landwirte von großem Nutzen ist. Moderne Astronomen glauben heute, dass die Mondspaltungs-Chronik den Einschlag eines Asteroiden von 3 km Durchmesser beschreibt, der 1178 nach Christi die Mondfinsternis verursachte. Dieser hätte heiße Materie und Rauch weit in den Raum geschleudert und den jungen Mondkrater Giordano Bruno geschaffen, der 22 km im Durchmesser misst. Der aufgewirbelte Mondstaub könnte die erwähnte Mondverfärbung verursacht haben.
Die derzeit beunruhigenden vielen Mondlichter halten moderne Astronomen für Gasausbrüche in den Mondkratern. Wenn man das Gesicht eines Menschen auf einem Foto in zwei Teile zerlegt und diese Teile spiegelverkehrt zusammenfügt, erhält man zwei völlig verschiedene Gesichter. Wie die rechte Hälfte des Mondes wirkt auch das Gesicht mit der rechten Fotohälfte fröhlich, während die linke Hälfte traurig erscheint, entsprechend der Lage unseres Gehirns (rechts emotional, links realistisch).
Die heidnischen Wikinger auf Island berichteten, dass die Erde einmal plötzlich einen zweiten Mond hatte, der entgegen der Mondbahn durch den Sternenhimmel wanderte. Sie fürchteten das Erscheinen seiner Sichel, unter der viele Menschen einer großen Seuche erlagen. Man nannte ihn daher den „Urd-Mond“ (Urda war ihre Göttin des Schicksals). Monate beteten die Isländer zu ihren Göttern, bis ihre Gebete erhört wurden und der Urdmond nicht mehr erschien. Es wird vermutet, dass der Urd-Mond ein Asteroid war, der die Erde in einer parabolischen Bahn umkreiste.
Auch von Kometen berichteten die isländischen Sagen und nannten sie „Schaftsterne“, weil ein Kometenschweif wie ein Speerschaft aussieht. In Sonnennähe verlieren viele Kometen ihre Schweife, die wir als Sternschnuppen-Schwärme nach den Sternbildern bezeichnen, in deren Raum sie sich befinden. Esoteriker glauben häufig, dass mit den Sternschnuppen auch außerirdische Viren herunterfallen, die für periodische Seuchen (z. B. Grippe) verantwortlich sind. Vielleicht war auch der Urdmond so beschaffen?
Zu den Runenzeichen und Astrosymbolen in der Chronik sei auf das ältere 24er Runen-Futhark hingewiesen, welches mit seinen Symbolen als so heilig galt, dass man es zur Schadensabwehr über jeden Türpfosten ritzte und beim Betreten oder Verlassen des Hauses segnend mit der rechten Hand berührte.

Die erste Rune „Fehu“ (Vieh) bezieht sich auf das Schmalvieh der ärmeren Leute (Schaf). Setzt man die ersten 12 Runen auf die Tierkreiszeichen, beginnt man mit „Feoh“ (Fehu) beim Tierkreiszeichen Widder (Schaf). Dem folgt die Ur-Rune (Auerochse) zum Tierkreiszeichen Stier. Die dritte Rune „Thorn“ (Dorn) heißt auch „Thurs“ (Riese). Diese Thursen haben in der Edda wie die indischen Götter oft mehrere Körperteile.
Die Götter der Edda opferten im Erdkampf häufig ein Körperteil: Auge (Odin), Augen (Blindengott Hödur), Hand (Kriegsgott Tyr), Zähne (Himmelswächter Heimdall/Rig), Fuß (der heidnische Nikolaus Widar), Haare (Kornmuhme Sif). Der zweigeschlechtliche Thurse (Twisto/Ymir) passt gut zum Tierkreiszeichen Zwillinge. Die Rune „Asa“ (Himmelsstütze) eignet sich gut zum häuslichen Tierkreiszeichen Krebs. Die Rat-Rune passt perfekt zum königlichen Tierkreiszeichen Löwe (Rater, Ratsherr).
Die Rune Keon (Fackel) passt zum Tierkreiszeichen Jungfrau, die Gabe-Rune zur Waage, die Wonne-Rune zum erotischen Tierkreiszeichen Skorpion. Die Heilsrune „Hagal“ (Hege das All) passt zum Tierkreiszeichen Schütze, die Not-Rune zum Steinbock und die Is-Rune (Eis) zum Wassermann. Die Jahresrune „Jera“ endet am 30. März mit dem Tierkreiszeichen Fische und der Halbjahreszeit der Runenreihe.
Achtsamkeitsübung: Mondmeditation zur inneren Balance
Nimm dir in einer ruhigen Nacht einen Moment, um den Mond zu beobachten. Spüre, wie seine Energie auf dich wirkt – egal, ob er voll erstrahlt oder nur eine schmale Sichel zu sehen ist. Setze dich bequem hin, schließe die Augen und atme tief ein und aus. Stell dir vor, dass das Licht des Mondes deinen Körper und Geist mit Ruhe und Klarheit erfüllt. Bei jedem Atemzug lässt du alle Sorgen und Anspannungen los. Nutze die Mondphasen, um bewusst innezuhalten und deine innere Balance zu finden – bei Vollmond, um Klarheit zu gewinnen, bei Neumond, um Neues zu beginnen.

Fazit
Die Geschichten von Mondspaltungen, astrologischen Symbolen und Naturphänomenen zeugen von der tiefen Verbindung, die unsere Vorfahren zwischen dem Himmel und ihrem eigenen Leben sahen. Heute liefern uns die Wissenschaft und Astronomie Erklärungen für viele dieser Phänomene, doch die symbolische und spirituelle Bedeutung des Mondes bleibt in vielen Kulturen lebendig. Ob als astrologisches Zeichen, Inspirationsquelle für Legenden oder wissenschaftliches Mysterium – der Mond fasziniert uns auch in der modernen Welt.
Weiterführende Quellen:
Evans, David S.: The History and Practice of Ancient Astronomy, Oxford University Press, 1998.
- Dieses Buch bietet einen umfassenden Überblick über die antiken astronomischen Beobachtungen und Phänomene, einschließlich Mondfinsternissen und deren Deutungen in verschiedenen Kulturen.
Bailey, Mark: The Medieval View of the Cosmos, Cambridge University Press, 2007.
- Eine fundierte Darstellung der mittelalterlichen Kosmologie und der Rolle, die Himmelsphänomene wie Mondfinsternisse in der religiösen und gesellschaftlichen Wahrnehmung spielten.
Müller, Monika: Hildegard von Bingen: Die Heilkraft der Natur, Verlag Herder, 2012.
- Diese Quelle bietet einen tiefen Einblick in Hildegard von Bingens naturheilkundliches Wissen und ihre Ansichten über den Einfluss von Mondphasen auf Gesundheit und Wohlstand.
North, John: God’s Clockmaker: Richard of Wallingford and the Invention of Time, Continuum, 2005.
- Dieses Werk beleuchtet mittelalterliche Wissenschaftler und ihre Beobachtungen von Himmelsphänomenen, einschließlich der von dir beschriebenen Mondspaltung und astrologischer Symbole.
Greenwood, Susan: The Nature of Magic: An Anthropology of Consciousness, Berg Publishers, 2005.
- Dieses Buch untersucht esoterische und astrologische Traditionen, einschließlich des Glaubens an kosmische Einflüsse und die Symbolik von Mondphasen und Himmelskörpern.
Hesemann, Michael: Geheimnisvolle Phänomene der Vergangenheit, Kopp Verlag, 2002.
- In diesem Buch geht es um unerklärliche Phänomene, die über Jahrhunderte hinweg Menschen fasziniert und Mythen geschaffen haben, einschließlich historischer Berichte über ungewöhnliche Mond- und Himmelsphänomene.
Hale, Alan: Great Comets, Cambridge University Press, 1998.
- Diese Quelle beleuchtet die Rolle von Kometen in der Geschichte der Astronomie und in den Mythen verschiedener Kulturen, was gut zu den in deinem Artikel erwähnten „Schaftsternen“ passt.
Sigurdsson, Gudmundur: Myths and Legends of Iceland, University of Iceland Press, 2003.
- Ein umfassendes Werk über isländische Sagen und die mythologische Bedeutung von Himmelskörpern, inklusive der Legende des „Urd-Monds“.