Die Lehre der Wahrnehmung und der rechte Wandel
So habe ich gehört: Einstmals weilte der Erhabene in Savatthi, im Jeta-Hain, im Kloster Anathapindikas. Zu jener Zeit hielt sich der Wandermönch Potthapada in dem Mönchheim der Mallika auf, welches den Disputationen diente und von wunderschönen Tinduka-Bäumen umgeben war. In der Halle versammelten sich etwa dreihundert Wandermönche.
Zur Morgenzeit kleidete sich der Erhabene an, warf sein Obergewand über, nahm seine Almosenschale und wanderte barfuß nach Savatthi, um Almosen zu sammeln. Unterwegs dachte er: „Zu früh ist es noch für die Hausleute, ihre Pflichten zu erfüllen. Daher will ich den klugen Potthapada aufsuchen, der sich in der Mallika-Halle aufhält.“
Dort saßen die fremden Wandermönche um Potthapada herum und führten laute Gespräche über Kosmogonien, Voraussagen, Abenteuer, Fuhrwerke, Tätigkeiten, Verstorbene und allerlei weltliche Dinge – etwa: „Wird es so oder anders kommen?“
Als Potthapada den Erhabenen von weitem kommen sah, ermahnte er die Versammlung: „Seid still, Verehrte! Macht keinen Lärm! Der Büßer Gotama nähert sich. Er liebt die Stille und preist die Einsamkeit. Vielleicht wird ihn eine schweigende Versammlung veranlassen, zu uns zu treten.“
Die Wandermönche verstummten, und der Erhabene trat zu Potthapada. Dieser sprach ehrfürchtig: „Möge der Erhabene kommen! Willkommen ist uns der Erhabene. Endlich ergibt sich die Gelegenheit, mit einem so verehrten Büßer zusammenzutreffen. Dieser Sitz ist für ihn bereit.“
Er wies dem Erhabenen den Ehrenplatz zu und nahm selbst einen niedrigeren Sitz ein. Nachdem der Erhabene Platz genommen hatte, erkundigte er sich nach dem unterbrochenen Gespräch. Potthapada antwortet verlegen: „Lasst unser unbedeutendes Gespräch beiseite. Vor einigen Tagen, als Büßer und Brahmanen verschiedener Sekten in der Redehalle versammelt waren, ging es um die höchste Vernichtung der Wahrnehmungsfähigkeit, um das Leiden zu beenden. Jeder Redner vertrat eine andere Meinung. Da dachte ich an den Erhabenen – gewiss ist er in diesen Dingen wohlerfahren. Wie also, o Herr, geschieht die höchste Vernichtung der Wahrnehmung, Empfindung und des Bewusstseins, um keine leidvolle Wiedergeburt mehr zu erleiden?“
Die Antwort des Erhabenen
Der Erhabene sprach zu Potthapada und den versammelten Wandermönchen:
„Jene, die behaupten, Wahrnehmungen entstünden und vergingen ohne Grund, irren sich offenkundig. Wahrnehmungen entstehen und vergehen aufgrund von Ursachen. Je nach Verhalten entwickeln sich bestimmte Wahrnehmungen. Wer nach irdischen Genüssen dürstet, wird zur Wiedergeburt auf Erden gezogen – mit seinem Schicksal im Gepäck.
Der Vollendete erscheint in der Welt, der Erwachte, der in Wissen und Wandel Vollkommene. Er verkündet die Lehre, die er selbst erkannt und verwirklicht hat – das vollkommene Reinheitsleben. Wenn ein aufrichtiger Mensch diese Lehre hört, erwacht in ihm der Wunsch nach Reinheit. Er denkt: „Das Hausleben ist eng, die Welt voller Unrat; die Pilgerschaft ist Freiheit. Sollte ich nicht mein Haar scheren, das gelbe Gewand anlegen und in die Hauslosigkeit ziehen?“
Er gibt Besitz, Freunde und Familie auf und folgt den Ordensregeln. Er übt sich in tadellosem Wandel, in Achtsamkeit und Besonnenheit. Zufrieden mit dem Inhalt seiner Almosenschale, lebt er in Zucht:
Enthaltung vom Töten – Er legt Stock und Waffe nieder, lebt mitfühlend für alle Wesen.
Enthaltung vom Nehmen – Er nimmt nur, was gegeben wird, ohne Gier.
Enthaltung von Unkeuschheit – Er lebt in Reinheit, fern von sinnlicher Verlockung.
Enthaltung von Lügen – Er spricht die Wahrheit, ist vertrauenswürdig.
Enthaltung von Verleumdung – Er stiftet Eintracht, nicht Zwietracht.
Enthaltung von grober Rede – Seine Worte sind freundlich und herzerfreuend.
Enthaltung von leerem Geschwätz – Er spricht zur rechten Zeit, sinnvoll und klar.
Enthaltung von weltlichen Beschäftigungen – Er lebt einfach, ohne Prunk.
Enthaltung von üppigem Leben – Er isst nur einmal täglich, meidet Tanz, Musik und Luxus.
So geschützt an den Sinnestoren, empfindet er inneres Glück. Wie ein König, der seine Feinde besiegt hat, fürchtet er keine Gefahr mehr.
Die höheren Stufen der Wahrnehmung
Der Mönch zieht sich an einen einsamen Ort zurück, setzt sich mit gekreuzten Beinen nieder und richtet seine Achtsamkeit aus. Frei von Begierden, Hass und Verblendung, erreicht er die erste Vertiefung (jhāna):
Freude und Glück entstehen aus der Abgeschiedenheit.
Die sinnliche Wahrnehmung schwindet, eine geistig klare Wahrnehmung setzt ein.
Durch Übung steigt er höher:
Zweite Vertiefung – Ohne Nachdenken, in innerer Ruhe.
Dritte Vertiefung – Gleichmut, vollkommen bewusst.
Vierte Vertiefung – Jenseits von Freude und Schmerz.
So entstehen und vergehen Wahrnehmungen gemäß der Übung. Dies, Potthapada, ist der Weg zur Befreiung.“
(Ende des Potthapada-Sutta, Teil I.)
Achtsamkeitsübung: Die Stille wahrnehmen
Setze dich an einen ruhigen Ort, schließe die Augen und atme tief. Spüre, wie Gedanken kommen und gehen, ohne sie festzuhalten. Verweile in dieser Stille und beobachte, wie sich dein Geist klärt.
Weiterführende Literatur
„Die Reden des Buddha“ von Karl Eugen Neumann – Grundlagentexte des Pali-Kanons.
„Der Pfad der Reinheit“ von Buddhaghosa – Vertiefende Erklärungen zur Meditation.
„Achtsamkeit im Alltag“ von Thich Nhat Hanh – Praktische Anwendung buddhistischer Lehren.
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