Jenseitsversprechen

Bewusstsein, Wille und die Liebe über den Tod hinaus

Der Buddhismus kennt viele Wege, doch alle führen über Achtsamkeit, Willenskraft und die Einsicht in die Natur des Bewusstseins.
Dieser Text verbindet persönliche Erfahrung, gelebten Buddhismus im Alltag und moderne Vorstellungen aus der Quantenphysik zu einer stillen Meditation über Liebe, Vergänglichkeit und das Fortwirken des Geistes über den Tod hinaus.
Ein Versprechen, das nicht an ein Leben gebunden ist – sondern an Bewusstsein.

Der allgemeine Buddhist als Hausmann achtet den achtgliedrigen Pfad einschließlich der fünf Silas (Gebote).
Er hofft, durch einen solchen guten Lebenswandel als Einmalwiederkehrer im Schutze des Sangha (Mönchsorden) sein Heilsziel Nirvana zu erreichen, um nie mehr irdischen Fehlern und deren Leiden ausgesetzt zu werden.

Wir abendländische Buddhisten haben es schon etwas schwerer mit dem Verzicht auf Alkohol und dem Nachmittagsfasten zu den Pushas (Buddha-Tagen).
Diesen Unterschied wurde mir erst in Thailand bewusst, wo man während der Schulzeiten auch kein Bier kaufen durfte.

Am Rande des Regenwaldes, in der Nähe der größeren Stadt Nakhon Sawan, hatte die Familie meiner Schwiegertochter ein größeres Kiosk.
Dort saßen wir Geraman (Deutsche) am großen Fluss Menam unter einer heißen Sonne, die nie Schatten warf, weil sie immer über unseren Köpfen im Zenit hing.

Dort schütteten wir Tage und Wochen Unmengen Singha in uns hinein, welches schon in unsere Adern verdunstete.
Wir trugen immer Hemden zum Schutz vor Sonnenbrand, und wenn wir aus dem Fluss kamen, trockneten diese noch bevor wir erneut zum Bier greifen konnten.

Die Einheimischen wunderten sich über die trinkfesten Farang (Ausländer), und nur aus Höflichkeit konnten wir sie zu einer Flasche animieren, an der sie dann mit gequälten Gesichtern den ganzen Abend nippelten.

In der Stadt kühlten sich die Einheimischen in den Klimaanlagen der Kaufhäuser ab.
Dort wimmelte es von jungen, schlanken, hellhäutigen Chinesinnen, die gut Englisch sprachen und unsere Einkaufswünsche sofort den Thai-Verkäuferinnen übersetzten.
Noch bevor man sich bei ihnen bedanken konnte, waren sie wieder verschwunden.

Wie ernst die Thais ihre Religion nehmen, musste ich erfahren, als ich von meinen Begleitern wissen wollte, ob ein gewisses junges, hellhäutiges Mädel Thai oder Chinesin sei.
Da fuchtelte er mit den Fingern vor meinen Augen und zeigte entsetzt auf meinen Ehering.
Ich begriff – und lief fortan mit gesenktem Blick durch das Kaufhaus.

Auf allen Bergen laden kirchturmhohe Buddha-Statuen zum Besuch ein.
Dort schaute mich einmal meine Ehefrau mit goldenem Gesicht an, als ihr der Wind das Blattgold ins Gesicht wehte, mit dem sie einen Buddha schmücken wollte.

Lachend sagte ich ihr, dass ich ihr so schön auch im nächsten Leben noch einen Heiratsantrag machen würde.

Jahre später erinnerte ich mich an diesen Tag, als ich am Sterbebett meiner lieben Frau Wache hielt.
Wir hatten viel über das Quantenfeld gesprochen, welches wir als Brahma (Gott) erkannten.

Laut Quantenphysik entsteht Bewusstsein in dieser Quantenwelt, wo die Potentiale in die Welt der Aktualität auftauchen.
Die winzigen Quantenteilchen beobachten ihre Beobachter und entschließen sich durch den Willen des Beobachters zu einem ihrer vielen möglichen Zustände.

Wie der Buddha schon lehrte, schaffen wir Menschen unsere Welt selbst mittels des reinen Bewusstseins.

Ich beschloss, meine Ehe mit dem Tod nicht zu beenden, und hatte die Gelegenheit, meiner Ehefrau den Wunsch noch mitzuteilen, im nächsten Leben diese, unsere große Liebe fortzusetzen.

Fortan nehme ich zu jeder nächtlichen Stunde meine tibetische Mala-Kette und spreche meinen Wunsch aus, mit jeder Perle, die meine Finger berühren, ihr einen Gruß, einen Kuss und einen Energieschuss zu senden.

Die Macht des Willens formt eines jeden Menschen Zukunft, und so füllt sich der Luftbereich mit positiver, liebevoller Energie.

Buddhistische Überlegung

„Nicht der Tod trennt die Wesen, sondern das Vergessen.“

Im Buddhismus ist der Wille (Cetanā) eine schöpferische Kraft.
Was mit klarem Geist und liebevoller Absicht gedacht wird, setzt sich fort – jenseits eines einzelnen Lebens.
Liebe ist kein Besitz, sondern ein geistiger Strom, der von Dasein zu Dasein weiterfließt, solange er genährt wird.
So wird das Jenseits nicht versprochen, sondern geformt.

Weiterführende Literatur
  1. Majjhima-Nikāya – Potthapada-Sutta
    Über Bewusstsein, Identität und die Frage, was den Menschen über den Tod hinaus trägt.

  2. Walpola Rahula – Was der Buddha lehrte
    Klare Einführung in Karma, Wiedergeburt und Bewusstsein ohne metaphysische Spekulation.

  3. Thich Nhat Hanh – Kein Tod, keine Furcht
    Über die Fortsetzung des Seins jenseits von Geburt und Tod.

  4. David Bohm – Wholeness and the Implicate Order
    Quantenphysik und Bewusstsein als zusammenhängendes Ganzes.

  5. Fritjof Capra – Das Tao der Physik
    Brücke zwischen östlicher Mystik und moderner Naturwissenschaft.

Allgemeine Anmerkung zu unseren Literaturtipps

Unsere Literaturhinweise sollen den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten und unterschiedliche Blickwinkel auf die behandelten Themen ermöglichen. Dazu zählen sowohl klassische wissenschaftliche Werke als auch kulturhistorische, spirituelle oder interpretative Texte.

Nicht jede empfohlene Quelle entspricht dem aktuellen Stand der Forschung. Einige Titel bieten vielmehr alternative Sichtweisen, mythologische Deutungen oder persönliche Interpretationen der jeweiligen Autoren. Wir laden unsere Leser bewusst dazu ein, sich eigenständig ein Bild zu machen, kritisch zu vergleichen und bei Interesse auch auf wissenschaftlich gesicherte Fachliteratur zurückzugreifen.

Die Auswahl der Literatur soll daher als Anregung verstanden werden, nicht als abschließender Maßstab. Wir empfehlen, verschiedene Quellen heranzuziehen, Fragen zu stellen und das eigene Verständnis kontinuierlich zu erweitern.

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