Teil 3. Gift, Geld und Geheimdienste

Die CIA-Connection – P-2 als Werkzeug Washingtons?

Hinter den Mauern des Vatikans und den Villen der italienischen Elite operierte eine Macht, die weit über Rom hinausreichte. Die Loge Propaganda Due (P-2) war kein isoliertes kriminelles Phänomen, sondern – wie heute viele Dokumente nahelegen – ein zentrales Instrument der CIA, um Italien fest im westlichen Lager zu halten.
 
Operation Gladio: Die Schattenarmee
 
Die wichtigste Verbindung zwischen der P-2 und dem US-Geheimdienst war die Operation Gladio. Dabei handelte es sich um ein von der CIA und der NATO koordiniertes „Stay-Behind“-Netzwerk. Wikipedia – Operation Gladio
  • Der Zweck: Geheimarmeen in ganz Europa aufzubauen, die im Falle einer sowjetischen Invasion Widerstand leisten sollten. Britannica
  • Die P-2 Rolle: In Italien verschwammen die Grenzen zwischen Gladio und der P-2. Licio Gelli nutzte seine Loge, um die Köpfe der italienischen Geheimdienste (SISMI) zu rekrutieren, die wiederum Gladio befehligten.
 
Die „Strategie der Spannung“
Um den Aufstieg der Kommunistischen Partei (PCI) in Italien zu verhindern, unterstützte die CIA laut Berichten ehemaliger Agenten die P-2 finanziell und logistisch. Cross-border Talks Ziel war die sogenannte „Strategie der Spannung“:
  • Durch Terroranschläge unter falscher Flagge (oft Rechtsextremen zugeordnet, aber Linken angelastet) sollte die Bevölkerung verunsichert werden.
  • Dies sollte den Ruf nach einem autoritären Staat und mehr Überwachung stärken – genau der Plan, den Gelli in seinem „Plan zur demokratischen Erneuerung“ festgehalten hatte. 
 
Licio Gelli und die US-Elite
Wie tief das Vertrauen war, zeigte sich 1981: Licio Gelli war einer der wenigen geladenen Gäste bei der Amtseinführung von US-Präsident Ronald Reagan.
Kritiker werfen der CIA vor, Gelli gezielt als „Puffer“ gegen den Kommunismus aufgebaut zu haben, selbst wenn dies bedeutete, kriminelle Machenschaften und Morde zu decken. 
 

 
🔍 Info-Check: CIA & P-2 Verbindungen
 
AspektHintergrund-Check
FinanzierungEhemalige Agenten wie Richard Brenneke behaupteten, die CIA habe Millionen in die P-2 gepumpt. Offiziell wird dies von der CIA bis heute bestritten. Cross-border Talks
DoppelagentenViele P-2 Mitglieder in der Armeeführung waren gleichzeitig Kontaktpersonen für US-Geheimdienste in Europa. SpringerProfessional
Dokumenten-Fund2021 deklassifizierte die italienische Regierung Dokumente, die zeigen, dass die CIA bereits in den 1940ern begann, antikommunistische Netzwerke in Italien mit Millionenbeträgen zu stützen. Glimpse from the Globe
Aldo MoroEs gibt starke Indizien, dass die P-2 (mit Billigung der CIA) die Befreiung des entführten Politikers Aldo Moro verhinderte, da dieser eine Koalition mit Kommunisten anstrebte. Blog der Republik
 

Die CIA schuf mit der P-2 ein Monster, das sie später kaum noch kontrollieren konnte. Das Netz aus Geldwäsche, Mord und politischer Sabotage war perfekt – bis die Liste von Arezzo alles ans Licht brachte.
Teil 4: Das Gift-Arsenal – Die dunkle Rolle der Vatikan-Apotheke
In den Ermittlungen rund um das „große Sterben“ von 1978 taucht immer wieder ein Ort auf, der eigentlich der Heilung dienen sollte: die Farmacia Vaticana (Vatikan-Apotheke). Sie gilt als eine der meistbesuchten Apotheken der Welt, doch hinter den Kulissen diente sie laut Kritikern und Whistleblowern als lautlose Waffenkammer. 
 
Das Arsenal der „sanften“ Morde
Die Öffentlichkeit erfuhr durch Insiderberichte, dass die Apotheke freien Zugriff auf Substanzen hatte, die in der richtigen Dosierung zur perfekten Tatwaffe werden. Diese Mittel hinterlassen bei einer oberflächlichen Untersuchung oft keine Spuren, die von einem natürlichen Tod zu unterscheiden wären:
  • Digitalis (Fingerhut): Ein Herzmittel, das bei Überdosierung zu schweren Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herzstillstand führt – die offizielle Todesursache bei vielen der 1978 verstorbenen Kardinäle.
  • Insulin: In hoher Konzentration gespritzt oder verabreicht, führt es zu einem tödlichen hypoglykämischen Schock, der oft als „Herzversagen“ fehldiagnostiziert wird.
  • Kaliumchlorid: Ein Mittel, das bei Injektion das Herz sofort stoppen lässt und im Körper nach dem Tod extrem schwer nachzuweisen ist, da Kalium ein natürlicher Bestandteil des Blutes ist. 
 
Die verweigerte Wahrheit: Keine Autopsien
Das größte Rätsel bleibt, warum der Vatikan in fast allen Fällen des Jahres 1978 eine Autopsie verweigerte. Besonders im Fall von Papst Johannes Paul I. (Albino Luciani) sorgte dies für weltweites Aufsehen:
  1. Er wurde tot in seinem Bett gefunden, angeblich mit Papieren in der Hand, die Korruptionsfälle der IOR-Bank betrafen. 
  2. Die päpstliche Kurie behauptete, das Kirchenrecht verbiete Autopsien an Päpsten – eine Behauptung, die sich später als rechtlich haltlos herausstellte. 
  3. Die schnelle Einbalsamierung des Leichnams verhinderte jede nachträgliche toxikologische Untersuchung auf Gifte aus der Vatikan-Apotheke.
 
Die Apotheke als rechtsfreier Raum
Da der Vatikan ein souveräner Staat ist, unterliegt die Apotheke keiner externen Kontrolle durch italienische Behörden. Dies machte sie zum idealen Ort, um Substanzen zu lagern oder zu beschaffen, ohne dass Protokolle der italienischen Gesundheitsbehörden erstellt werden mussten. 

 
🔍 Fakten-Check: Medizin & Mysterien
 
Substanz / VorfallMedizinische WirkungStatus im Vatikan-Skandal
Digitalis-SpurenErzeugt Symptome eines klassischen Infarkts.Von David Yallop als mögliche Tatwaffe bei Johannes Paul I. angeführt. The Guardian – Yallop
Präzisions-DosierungMittel können leicht in Wein oder Wasser gemischt werden.Zeugen berichteten von „Medikamentenfläschchen“, die vom Nachttisch des Papstes verschwanden.
Autopsie-VerbotVerhindert den Nachweis von chemischen Substanzen.Wurde bei Kardinal Ursi und Johannes Paul I. strikt durchgesetzt.
Luigi CaprioNervenzusammenbruch nach IOR-Ermittlung.Seine spätere Aussage bestätigt massiven psychischen und medikamentösen Druck.
 

Die Kombination aus einer eigenen Apotheke, dem Verbot von Obduktionen und der absoluten Geheimhaltung schuf ein Umfeld, in dem „unbequeme“ Personen lautlos von der Bildfläche verschwinden konnten – während die Welt an ein „Sterbewunder“ glaubte.
Teil 5: Das Schweigen der Zeugen – Wenn Wahrheit tödlich endet
Wer im Dickicht aus Vatikanbank, P-2 und Mafia zu tief grub, stieß auf eine Mauer des Schweigens – oder auf eine Kugel. Die Liste der Ermittler, Journalisten und Anwälte, die zwischen 1979 und 1982 gewaltsam ums Leben kamen, liest sich wie ein Katalog der gezielten Ausschaltung von Wissensträgern.
 
Die Toten der Aufklärung
  • Mino Pecorelli († 1979): Der investigative Journalist und P-2-Mitglied wusste zu viel. In seinem Magazin Osservatore Politico veröffentlichte er Listen von Freimaurern im Vatikan. Er wurde in seinem Auto mit vier Schüssen hingerichtet. Die Kugeln waren vom Typ „Brandstecher“, eine Munition, die typischerweise von Geheimdiensten verwendet wurde. 
  • Giorgio Ambrosoli († 1979): Als Liquidator des zusammengebrochenen Bankimperiums von Michele Sindona entdeckte der Anwalt die illegalen Transferwege zwischen der Vatikanbank IOR und der Mafia. Trotz massiver Drohungen verweigerte er das Schweigen. Er wurde vor seiner Haustür von einem von Sindona gedungenen Killer erschossen.
  • Boris Giuliano († 1979): Der Polizeikommissar untersuchte die Schecks, die im Koffer von Sindona gefunden wurden und direkt zur Mafia-Finanzierung führten. Er wurde in einer Bar in Palermo von hinten erschossen.
  • Emilio Alessandrini († 1979): Der Staatsanwalt ermittelte gegen die Banco Ambrosiano und stieß auf die geheimen Konten der Loge P-2. Er wurde auf dem Weg zur Arbeit von einem Kommando der Terrorgruppe „Prima Linea“ ermordet – eine Tat, hinter der viele Experten heute die ordnende Hand der P-2 vermuten.
 
Das Ende des „Bankiers Gottes“
Der spektakulärste Fall bleibt Roberto Calvi († 1982). Als Chef der Banco Ambrosiano war er der engste Vertraute von IOR-Präsident Paul Marcinkus. Kurz bevor er gegen die Loge auspacken konnte, fand man ihn erhängt unter der Blackfriars Bridge in London.
  • Das Symbol: In seinen Taschen steckten Ziegelsteine – ein ritueller Hinweis auf den „Maurer-Eid“.
  • Die Wende: Erst Jahrzehnte später bestätigte ein britisches Gericht, dass es kein Selbstmord, sondern Mord war.
 

 
🔍 Abschluss-Check: Die Bilanz des Schweigens
 
NameFunktionSchicksal
Mino PecorelliJournalistErschossen (1979) – kurz vor Enthüllungen über P-2 & Vatikan.
Roberto CalviBankierErmordet (1982) – verstrickt in IOR-Geldwäsche. Britannica
Michele SindonaP-2 BankierMit Zyankali im Gefängnis vergiftet (1986). New York Times
Giovanni BenelliKardinal / KritikerÜberraschender Tod (1978); sein Koffer tauchte 2006 wieder auf.
 

 
Fazit
Die Schatten über dem Vatikanstaat sind nicht nur Gespenster der Vergangenheit. Sie sind Teil einer Ära, in der Glaube, Geld und Geopolitik eine Allianz des Schreckens bildeten. Diejenigen, die mit dem Finger auf „Neuheiden und Buddhisten“ zeigten, standen oft selbst im Zentrum eines Netzwerkes, das vor Gift und Blei nicht zurückschreckte.
Die Wahrheit kam ans Licht – doch für viele kam sie zu spät.
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