Teil 2: Die „Schattenregierung“

Das dunkle Netz der Loge P-2

Während die mysteriösen Todesfälle von 1978 den Vatikan erschütterten, zog im Hintergrund eine Organisation die Fäden, die heute als „Staat im Staate“ bekannt ist: die Loge Propaganda Due (P-2). Was als reguläre Freimaurerloge begann, entwickelte sich unter ihrem „Ehrwürdigen Meister“ Licio Gelli zu einem kriminellen Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Geheimdiensten.
 
Licio Gelli: Der Puppenspieler
 
Licio Gelli, ein bekennender Faschist und ehemaliger Freiwilliger der SS-Division, übernahm die Loge in den 1960er Jahren. Sein Ziel war radikal: Die Destabilisierung der italienischen Demokratie, um einen autoritären Rechtsstaat zu errichten (der sogenannte „Plan zur demokratischen Erneuerung“). Gelli prahlte Zeit seines Lebens:
 „Ich bin ein Faschist und werde als Faschist sterben“.
 
Die Liste der 962 Namen
 
Im März 1981 stießen Ermittler bei einer Hausdurchsuchung in Gellis Villa in Arezzo auf eine Liste, die Italien in den Grundfesten erschütterte. Unter den 962 Mitgliedern befanden sich:
  • 3 amtierende Minister und 43 Parlamentsabgeordnete.
  • Die Chefs aller drei italienischen Geheimdienste.
  • Über 50 Generäle und Admirale sowie Polizeichefs der größten Städte.
  • Top-Journalisten und der Verleger der einflussreichen Zeitung Corriere della Sera.
  • Ein junger Bauunternehmer namens Silvio Berlusconi, der spätere Ministerpräsident.
 
Das „Schmutzige Dreieck“: P-2, Vatikan und die Mafia
 
Die P-2 war das Bindeglied zwischen illegalem Geld und politischer Macht.
  1. Geldwäsche: Über die Banco Ambrosiano von Roberto Calvi (P-2 Mitglied) wurden Milliarden gewaschen. Ein Großteil floss über die Vatikanbank IOR, um Spuren zu verwischen.
  2. Mafia-Kontakte: Die Loge arbeitete eng mit der sizilianischen Mafia zusammen, um Gelder aus dem Rauschgift- und Waffenhandel zu reinvestieren.
  3. Strategie der Spannung: P-2 Mitglieder wurden beschuldigt, in den Terroranschlag auf den Bahnhof von Bologna (1980) verwickelt gewesen zu sein, bei dem 85 Menschen starben. Ziel war es, durch Chaos den Ruf nach einem „starken Mann“ zu provozieren.
 
Warum der Name „Blackfriars“?
 
Als Roberto Calvi 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London gefunden wurde, war dies kein Zufall. Mitglieder der P-2 nannten sich intern oft „frati neri“ (schwarze Brüder). Der Ort seines Todes war eine letzte, makabre Botschaft der Loge an alle, die auspacken wollten.
 
Gelli nahm viele Geheimnisse 2015 mit ins Grab. Doch die Aktenfunde und Zeugenaussagen (wie die von Luigi Caprio) zeigen: Die „Schatten über dem Vatikan“ waren nur ein Teil eines viel größeren, dunkleren Plans.
🔍 Info-Check: Die P-2 Geheimnisse
 
FaktHintergrund
Gründung1877 als reguläre Loge; 1976 wurde ihr das offizielle Freimaurer-Patent entzogen, woraufhin sie illegal im Untergrund weiterarbeitete.
MitgliederzahlOffiziell 962 auf der Liste gefunden, Schätzungen gehen von bis zu 2.400 „Brüdern“ aus.
FinanzskandalVerursachte durch den Kollaps der Banco Ambrosiano ein Loch von ca. 1,4 Milliarden Dollar.
GladioVerbindungen zur paramilitärischen Geheimorganisation „Gladio“, die im Falle einer sowjetischen Invasion den Widerstand führen sollte, wurden vielfach belegt.
Rechtliche Folgen1982 wurde die Loge durch das Anselmi-Gesetz offiziell verboten. Licio Gelli entzog sich der Justiz jahrelang durch Flucht nach Südamerika und die Schweiz.
 

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