Seelen-Signale

Wenn das Schweigen lauter wird von W. Franson

Veränderungen schleichen sich oft leise in unser Leben. Zuerst sind es nur kleine Unaufmerksamkeiten oder Momente der Stille, die wir im Alltagstrubel übersehen oder weglächeln. Erst im Rückblick, wenn die Stille den Raum einnimmt, verstehen wir die „Seelen-Signale“, die uns schon lange etwas sagen wollten. Dieses Gedicht von W. Franzson ist eine Hommage an die Lebendigkeit der Jugend und ein tief berührendes Eingeständnis über das, was wir im Älterwerden oft zu spät wahrnehmen.

Seelen-Signale
 
Du warst so jung und voller Drang:
die barfuß über die Tenne sprang, –
singend tanztest du auf dem Tisch,
dein Frohsinn riss da jeden mit sich!
 
Nach vielen, vielen Ehejahren,
war dein Temperament herabgefahren.
Liebevolle Blicke ruhten auf mich,
deine Gedanken verrietst du mir nicht.
 
Dann konntest du nicht mehr so schnell laufen,
ich lief alleine zum Einkaufen!
Dein Essen wurde öfters angebrannt:
Ich hatte die Signale nicht erkannt!
 
Auch als sie in der Küche leise sprach,
mit ihrer Mutter, die seit Jahren schon im Grabe lag,
lachte ich über ihre Manier:
Allein spreche ich jetzt in der Küche zu ihr!
(W. Franzson)
 
 
Gedanken zum Gedicht: 
Das Gedicht von W. Franzson führt uns durch die Phasen eines gemeinsamen Lebens – vom unbeschwerten Tanz der Jugend bis hin zum schmerzhaften Abschied im Alter. Es thematisiert die schleichenden Veränderungen, die oft erst im Rückblick als Warnsignale einer Krankheit wie Demenz erkennbar werden 1.3.2.
 
Interpretation der Strophen
  • Strophe 1: Die lebendige Vergangenheit
    Der Rückblick beginnt mit purer Lebensfreude. Das Bild der Frau, die „barfuß über die Tenne sprang“, symbolisiert eine unbeschwerte Freiheit und Energie, die alle um sie herum mitriss.
  • Strophe 2: Das leise Verblassen
    Nach Jahrzehnten der Ehe wandelt sich das Temperament. Die Stille zieht ein. Während „liebevolle Blicke“ noch Verbindung schaffen, bleiben die Gedanken bereits verborgen – ein erstes Zeichen für den beginnenden Rückzug der Seele 1.3.1.
  • Strophe 3: Die übersehenen Warnungen
    Hier beschreibt der Autor den Alltag, in dem körperliche Schwäche und Vergesslichkeit (angebranntes Essen) auftreten 1.3.4. Das lyrische Ich gesteht sich ein, diese „Seelen-Signale“ damals nicht als das erkannt zu haben, was sie waren: Vorboten eines Abschieds auf Raten.
  • Strophe 4: Die Brücke in eine andere Welt
    Die letzte Strophe ist besonders bewegend. Das Selbstgespräch mit der verstorbenen Mutter zeigt das Verschwimmen der Realitäten, wie es bei fortgeschrittener Demenz oft vorkommt 1.3.10. Die einstige Belustigung des Partners schlägt nach ihrem Tod in bittere Reue und tiefe Sehnsucht um: Jetzt ist er es, der in der leeren Küche das Gespräch mit ihr sucht.
 

 
Fazit
W. Franzson erinnert uns daran, wie kostbar und flüchtig die gemeinsame Zeit ist. Sein Werk ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit gegenüber den leisen Veränderungen unserer Liebsten, bevor die Stille das letzte Wort behält.
Ein kleiner Hinweis zu den weiterführenden Informationen:
Die im Text eingefügten Links führen dich zu sorgfältig ausgewählten Ratgebern und Fachportalen. Sie dienen dazu, die im Gedicht beschriebenen Themen – wie das Erkennen von Altersveränderungen oder den Umgang mit Demenz – besser zu verstehen und bieten Betroffenen hilfreiche Unterstützung.
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