Erinnerungen an Krieg, Propaganda und das vergessene Friedensversprechen
Der folgende Artikel ist eine persönliche Reflexion über Kriegserinnerungen, politische Parolen und den Wandel gesellschaftlicher Stimmungen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Er verbindet biografische Eindrücke mit der Erinnerung an ein Soldatenlied aus dem Ersten Weltkrieg.
„Wir müssen Deutschland wieder KRIEGSTAUGLICH machen!“ propagandiert die BRD-Regierung – nach zwei schrecklichen verlorenen Weltkriegen, in denen mein Großvater und mein Vater hinein mussten und schwer versehrt wieder herauskamen.
„Nie wieder Krieg!“ war die BRD-Parole, mit der ich aufwuchs.
Ob die Schwarzen oder Roten – alle riefen:
„Nie wieder darf ein deutscher Soldat ausländischen Boden je betreten!“
Und das deutsche Volk nickte dazu wohlwollend mit dem Kopf.
Alljährlich zeigte das Fernsehen begeistert die Ostermärsche der Friedensmarschierer, angeführt von Kirchen und Gewerkschaften.
Wo sind sie alle jetzt, kurz vor einem neuen Weltkrieg geblieben?
Ich wunderte mich schon als Kind, der im alliierten Bombenhagel geboren wurde, wie schnell vergesslich die alten Veteranen waren, als sie noch einarmig, einbeinig oder einäugig mit der Frau Wirtin um den Stammtisch tanzten und das Lied vom Argonnerwald gröhlten:
Argonnerwald um Mitternacht
Argonnerwald um Mitternacht,
ein Pionier steht auf der Wacht.
Ein Sternlein hoch am Himmel stand,
bringt Grüße ihm aus fernem Heimatland.
Und mit dem Spaten in der Hand
steht er vorne an der Spitze dann.
Mit Sehnsucht denkt er an sein Lieb’,
ob er es wohl noch einmal wiedersieht?
Und donnernd grüßt die Artillerie,
wir ziehen vor der Infanterie.
Granaten schlagen bei uns ein –
der Feind kann bald in unsrer Stellung sein.
Und droht der Feind uns noch so sehr,
wir Deutsche fürchten ihn nicht mehr.
Und ob er auch noch stärker sei –
in unsre Stellung kommt er doch nicht rein.
Argonnerwald, Argonnerwald –
ein stiller Friedhof wirst du bald.
In deiner kühlen Erde ruht
so manches tapfere Soldatenblut.
(Soldatenlied von 1918)
Leserfrage
Welche Rolle sollten historische Kriegserinnerungen heute spielen – als Mahnung, als Teil der Geschichte oder als Grundlage für eine neue Friedenskultur?
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) forderte im Oktober 2023 eine „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa („Zeitenwende“). Dies löste eine bundesweite Debatte über den pazifistischen Grundkonsens der Nachkriegszeit aus.
Nach 1945 war „Nie wieder Krieg“ das moralische Fundament der BRD. Die Ostermärsche, die in den 1980ern mit Hunderttausenden ihren Höhepunkt erreichten, thematisierten die Angst vor atomarer Vernichtung. Heute wird in den Medien oft über eine „Krise der Friedensbewegung“ diskutiert.
- Entstehung: Um 1914/15 im Ersten Weltkrieg (Schlacht in den Argonnen, Frankreich).
- Bedeutung: Ursprünglich ein Pionierlied, das die Grausamkeit und Todesnähe des Grabenkriegs beschreibt. In der Nachkriegszeit wurde es oft von Veteranenverbänden gesungen.
- Bundesministerium der Verteidigung (BMVg): Grundsatzrede Pistorius, 10/2023.
- Haus der Geschichte (hdg.de): Die Friedensbewegung in der BRD.
- Deutsches Volksliedarchiv: Historisch-kritisches Liederlexikon zum „Argonnerwaldlied“.
Überlegung
Im Buddhismus gilt Hass nicht als Mittel, um Hass zu beenden.
Der Buddha lehrte:
„Nicht durch Hass wird Hass überwunden, sondern allein durch Nicht-Hass.“
Kriege entstehen aus Angst, Gier und Verblendung.
Frieden beginnt daher nicht zuerst zwischen Staaten – sondern im Geist jedes einzelnen Menschen.
Literaturtipps
Im Westen nichts Neues
Der Erste Weltkrieg
Die Schlafwandler