Ursprungsmythen, Göttertrinitäten und verborgene Rituale der germanischen Welt
Der römische Historiker Tacitus (55–116 n. Chr.) berichtet in seinem Reisebericht „Germania“ über die Religion unserer Vorfahren, die allen germanischen Völker zu eigen war, wie ihre Runenschrift:
„In alten Liedern, der einzigen ihrer Art geschichtlichen Überlieferungen (Sage = Erzählung), feierten die Germanen Tuisto (Zwitter), einen irdischen Gott (Ymir der Edda, aus dem die Erde entstand). Ihm schreiben sie einen Sohn Mannus (Mani = Mond, indisch: Gott Manu) als Urvater und Gründer ihres Volkes zu, dem Mannus wiederum drei Söhne gebar…“
Tuisto, der Zwitter, verwandelt in Herta = der Erde, gebar den Mannus. Einige moderne Astronomen vertreten die These, dass ein Komet den Mond von der noch flüssigen Erde in Urzeit abgeschlagen hätte. Tacitus berichtet weiter, dass von Mannus drei weitere Söhne abstammen:
„…nach deren Namen, heißt es, nennen sich die Stämme an der Meeresküste Ingvionen, die in der Mitte Irminonen und die übrigen Istivonen…. von deren Söhnen stammen die einzelnen Völkernamen: Marser, Gambrivier, Sueben, Vandalier, und das seien die echten alten Namen. Die Bezeichnung Germane sei übrigens neu und erst vor einiger Zeit aufgekommen. Denn die ersten, die den Rhein überschritten und die Gallier vernichtet hätten, die jetzigen Tungerer, seien damals Germanen genannt worden. So habe der Name eines Stammes, nicht eines ganzen Volkes, allmählich weite Geltung erlangt: zuerst wurden alle nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.“
(Auszug aus Kapitel 2)
Laut jüngerer Prosa-Edda taute aus dem Ur-Eis die Himmelskuh (Ur-Sonne) mit ihrer Zunge (Sonnenstrahlen) ein Ur-Lebewesen: am ersten Tag die Haare, am zweiten Tag das Haupt, am dritten Tag den ganzen Leib: Bör/Buri (Geburt), in dem wir die drei Phasen des lichten Mondes erkennen (Wodan, Willi, Wey?). Edda-Forscher verweisen auch auf die Ähnlichkeit zum biblischen Bericht von Noahs drei Söhnen Sem, Ham, Japhet, den Stammvätern der menschlichen Rassen: Semiten (Juden, Palästinenser…), Hamiten (Afrikaner) und Japhetiten (Inder, Indogermanen…).
Tacitus war aber römisch-heidnisch und schöpfte aus heidnischen Urquellen. Er berichtete von der Hermann-Schlacht, die ein halbes Jahrhundert vor seiner Geburt stattfand (3 v. Chr.)! Tacitus berichtete, dass noch zu seiner Lebzeit die Germanen den Sieger Hermann (Armin) in ihren Heldenliedern feierten. Edda-Forscher sehen diesen Schlachtensieger (bezwinger von insgesamt 20 römischen Legionen, je 6000 Mann, im Teutoburger Wald drei ganze Legionen – siehe unser Epos von Dezember 2023: Hermann der Cheruskerfürst) als den eddischen Sigurd (Siegwart).
Arminius war nur sein Legionsname. Tacitus berichtete, dass Arminius’ Erben sich noch Jahrzehnte später diesen Ehrennamen zulegten. Die deutschen Siegfried-Sagen zur Zeit des Hunnenkrieges könnten zur Vermischung mit den isländischen Sigurd-Sagen zur Zeit der Hermann-Schlacht geführt haben. Der Drachenschatz war demnach die Legionskasse des römischen Heer-Wurmes. Laut Edda wurden ja auch die Helgi-Lieder mit der Wiedergeburt desselben Helden in andere Zeitabschnitte erklärt.
Zurück zu den drei Manus-Söhnen spricht die Edda von einer göttlichen Trinität (Wodan, Willi, Wey bzw.: Odin, Hönir, Lodur). Der Bischof von Bremen berichtete, dass im schwedischen Tempel zu Uppsala die Trinität (Odin, Thor und Frey) einen Altar bildeten. Hiernach gliederte sich die Edda in Odins-Sagen, Thor-Sagen und Frey-Sagen. In der Edda selber treten häufig Thor (Jupiter), Tyr (Mars) und Loki (Saturn) als Dreiheit auf, ein astrologisches Spannungsfeld.
Historiker weisen darauf hin, dass die Germanen stammesübergreifende Religionsverbände konstituierten, wie die religiösen Flurumzüge der Erdgöttin Hertha (römisch: Isis) und Julklapp, die rauhnächtlichen Umzüge der wilden Jagd. Angeführt von einer Eule (römisch Athena, germ.: Frigga), gefolgt vom wilden Jäger (Wotan, Wodan, Odin), der den armen Leuten als Jolnir (Julmann, Weihnachtsmann) zur Wintersonnenwende eine Pferdelende vor die Haustüre brachte.
Odin hatte laut Edda ein Auge gegen Weisheit getauscht, und zwei sprechende Raben berichten ihm die neueste Menschheitskunde: Hugin (Gedanke) zur rechten Schulter und Munin (Gedächtnis) zur linken Schulter. Der Mensch sollte mit beiden Ohren zuhören, auf Pro- und Kontra-Parteien. Die Rabennamen verraten auch Menschenpläne, die bereits vollbracht wurden, und solche, die sich noch in Entwicklung befinden.
In Bezug auf die Kultverbände der Nordgermanen (Ingvionen: Ing = Jung = Frey), Südgermanen Irminonen (Irmin: Hermann, Odin an der Irminsul) und Istvionen der Ostgermanen (Ostara = Freya, Göttin des Frühlingsfestes Ostern = Ostaron). Unter Ostgermanen fallen die slawischen Völker und die nach Iberien und Rom gezogenen Völker (wie Langobarden der Lombardei). Unter Südgermanen fallen auch wir Westgermanen (deutscher Sprachbereich, Benelux, Afrikaans und England).
Hauptgott aller Kultverbände war zweifellos Odin, deren verfolgte Mitglieder sich unter Kirchenzwang heimlich an dessen Sonnenauge erkenntlich machten (ein Äugchen kneifen). In einem neuheidnischen Germanenorden erfuhr ich vom Rabenopfer des Esoterikers Graf von Sebottendorf: Wir machten zunächst die Baumübung als Man-Runen-Yoga, dann vollführten wir Odins Hängeopfer (Hangatyr), indem wir einen Daumen an unsere Halsschlagader legten und mit den übrigen angelegten Fingern die Halsschlinge wie ein Halsschnitt zuzog.
Alsdann legten wir beide, nach innen gebogenen Hände hohl über unsere Augen, sodass wir nichts mehr sehen konnten (Innenschau). Nun atmeten wir rhythmisch ein und aus, nach folgenden Augenrichtungen: Blick nach vorne auf das Scheitel-Auge, mit den Gedanken an „Odin“, Blick zur rechten Schulter mit den Gedanken an „Munin“, Blick nach vorne wieder auf die Zirbeldrüse mit den Gedanken an „Odin“ dem Atem, Blick nach links mit den Gedanken an „Hugin“ usw.
In dem Augenblick, wo wir vor unserem geistigen Auge plötzlich Rabenschatten sehen oder eine helle Farbe, nehmen wir die Hände vom Gesicht fort und öffnen unsere Augen mit dem Odins-Mantra:
„Omi-Odin Har! Here-Here-Har!“
Ich konnte dabei im gereinigten Zustand eine hellblaue Farbe als Masse empfinden, die Farbe meiner augenblicklichen Aura! Das Grimnismal der Edda endet mit Odins Hinweis, dass er nie eines Namens unter die Völker fuhr und er Ursprung aller genannten Gottesnamen sei. Der Göttervater opferte sich selber am Weltenbaum gemäß Schamanenkult. Die Kinder des Gottes sind seine Avatare, und wenn Jesus auch ein Avatar Gottes ist, so opferte sich der Christengott ja selber am Kreuz, worin wir den eddischen Odin wiederfinden.
Leserfrage
Sind die germanischen Götter Mythen vergangener Zeiten – oder verschlüsselte Bewusstseinsmodelle, die bis heute wirken?




Kochen in der Krise – Natürliche Vorratsküche für Blackout-Zeiten
Literaturtipps
Tacitus – Germania
Die Lieder-Edda – Übers. Karl Simrock
Snorri Sturluson – Prosa-Edda
Jan de Vries – Altgermanische Religionsgeschichte
Mircea Eliade – Schamanismus und archaische Ekstasetechnik
Allgemeine Anmerkung zu unseren Literaturtipps
Unsere Literaturhinweise sollen den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten und unterschiedliche Blickwinkel auf die behandelten Themen ermöglichen. Dazu zählen sowohl klassische wissenschaftliche Werke als auch kulturhistorische, spirituelle oder interpretative Texte.
Nicht jede empfohlene Quelle entspricht dem aktuellen Stand der Forschung. Einige Titel bieten vielmehr alternative Sichtweisen, mythologische Deutungen oder persönliche Interpretationen der jeweiligen Autoren. Wir laden unsere Leser bewusst dazu ein, sich eigenständig ein Bild zu machen, kritisch zu vergleichen und bei Interesse auch auf wissenschaftlich gesicherte Fachliteratur zurückzugreifen.
Die Auswahl der Literatur soll daher als Anregung verstanden werden, nicht als abschließender Maßstab. Wir empfehlen, verschiedene Quellen heranzuziehen, Fragen zu stellen und das eigene Verständnis kontinuierlich zu erweitern.