Die Religion der Jainas

Kirchen-Sekten-Religionen Teil 6

Indien ist die Wiege aller Religionen, deren oberste Priester Brahmanen genannt werden. Diese Brahmanen verehren den immanent in der Welt befindlichen unkörperlichen Brahma, der sich zum Schöpfergott Brahma entwickelte, als sich die Welt während seines Schlafes aus seinen Träumen bildete. Wenn Brahma schläft, dehnt sich die Welt aus und zieht sich zum Brahma-Tag wieder zusammen. Die höchsten Wesen dieser Welt bilden der persönliche, materialisierte Gott Brahma, aus welchem zwei Avatars herauskamen: Vishnu als Schöpfungs-Erhalter und Shiva als Schöpfungs-Zerstörer. Die vielen schwächeren Avatars bildeten den indischen Götterhimmel. Alle Religionen kennen einen Weltuntergangs-Mythos. Die Brahmanen lehren einen Gott Kalkin, der zum Weltende auf einem weißen Roß mit blitzendem Schwert reitet, um die Bösen zu vernichten. Im 17. Jahrhundert vor Christi wanderte von Indien der Brahmane Abraham (A-Brahma = Nicht-Brahmane) nach Mesopotamien, wo er nur den unpersönlichen, unsichtbaren Brahma als Gott verehrte und alle übrigen Götter hasste. Die alten Brahmanen lehren, dass vier, sich ständig wiederholende Weltalter (Kalpa, Kapa) in den vier Reihenfolgen erscheinen:

  • Krita-Yuga = 4.800 Götterjahre = 1.728.000 Menschenjahre,

  • Trata-Yuga = 3.600 Götterjahre = 1.296.000 Menschenjahre,

  • Dvapara-Yuga = 2.400 Götterjahre = 862.000 Menschenjahre,

  • Kali-Yuga = 1.200 Götterjahre = 432.000 Menschenjahre.

Diese vier Alter heißen „Maha-Yuga“ (Groß-Jahr), und 1.000 Maha-Yugas ergeben ein Para. Ein Götterjahr (Yuga) währt ganze 360 Menschenjahre. Laut Brahmanen ist Brahma-Loka (Brahma-Himmel) 1.848.000.000 Meilen von der Erde entfernt. Eine Aruba sind 10 Millionen laut brahmanischer Mathematik. Ein Mahakshauhini ist sogar eine 10 mit 23 Nullen. Die Null ist eine indische Erfindung, und die Araber übernahmen deren Ziffern. Abraham lehrte, dass 100 Menschenjahre ein Gottestag währt, und brachte Gott Kalki in die Apokalypse 19,11,15. Im religiösen Wahn wanderte er drei Tage durch die Wüste und ließ seinen Sohn Isaak das Holz für ein Brandopfer selber schleppen. Isaak erkannte erst, als er von seinem Vater gefesselt auf dem Altar lag, dass er als Opferlamm auserkoren war. Als Abraham schon das Schlachtmesser erhob und der Schrei des Sohnes in sein Bewusstsein drang, ließ er vom Menschenopfer ab und schlachtete an dessen Statt nur ein Lämmlein. Moses (1225 vor Christi) stellte diese Opferhandlung in der Bibel als Abrahams grenzenlose Gottesliebe hin. Im Lande der Hethiter wollte Abraham ein Landstück für sein Grab kaufen, doch die freundlichen Hethiter (heute Türkei) schenkten ihm dieses Grundstück, wo er noch heute begraben liegt.

Tausend Jahre nach Abrahams West-Wanderung reformierte der 623 vor Christi in Kapilavastu (Katmandu) geborene Prinz Siddhartha Gautama die Lehre der Brahmanen (Hinduismus), indem er einen Ausweg aus dem ewigen Geburtenkreislauf mittels seines achtgliedrigen Pfades fand. Jede Welt ist aus einer vorherigen, zerstörten Welt hervorgegangen und wird gemäß ihrer Lebewesen wieder vergehen, woraus dann eine erneute Welt entsteht. In jedem Weltalter (Kalpa) entwickeln sich Menschen zu Göttern und fallen nach Ablauf ihrer Tatenmasse wieder in die alte Körperschaft der Menschen zurück. Während strengster Askese wanderte ein Spielmann am Bodhibaum vorbei, der seinem Schüler belehrte, dass die Saite seiner Leier nur dann einen guten Ton abgibt, wenn sie weder zu stramm noch zu schlaff gespannt wird. Da erkannte der Buddha, dass der Weg zur Erleuchtung weder durch strenge Askese noch durch Luxus zum Erfolg führt. Eben einzig durch den achtgliedrigen Pfad können wir völlig im Nirvana (Erlöschen) verwehen. Bei jeder Weltverrohung wird ein oder mehrere Buddhas als Sittenreiniger erscheinen. Der Buddha Gotama (Gautama) stieg nach der heiligen Nacht seiner Erleuchtung (586 vor Christi) auf einer strahlenden Regenbogenleiter zu seiner Mutter Maya in den Himmel und bekehrte dort alle Himmelswesen. Anschließend auf Erden auch seine königliche Familie. Einzig sein Vetter Devadatta ließ sich vom Teufel Mara dazu verführen, die Buddha-Gemeinde mit Selbstkasteiung zu spalten.

626 vor Christi kam der Sektengründer Mahavira, als Sohn des frommen Raja Siddhartha aus Kundalapura, zur Welt. Seine Mutter Trishala Rani hätte ihren Sohn durch göttlichen Samen empfangen. So lautete sein ursprünglicher Name Varhamana. Mit seiner Frau Yashoda bekam er die Tochter Priyadarashana. Als Mahaviras fromme Eltern während der Selbstkasteiung den Hungerstod starben, begab sich der Sohn auf Wanderschaft und erlangte die Buddhaschaft als Jina (Glücksseeliger). Er bezeichnete sich seitdem als Mukta (Gier-Befreiter) und Siddha (Vollkommener). Mahaviras Religion wird Jainismus genannt, und deren Buddhas heißen Jinas oder „Tirthamkaras“, als Kahlköpfe im Lotussitz. Höchste Steigerung innerhalb der von Mara eingegebenen Askese ist bei den Jainas der Fastentod. Buddha Gotama hingegen wählte den mittleren Weg des Halbtagsfastens (Nachmittags-Fasten). Auch zogen die Jainas als „Luftbekleidete“, nackt durch die Länder Bihar und Orissa und teilten die Wesen in „Samsarin“ (im Geburtenkreislauf-Wandelnde) und „Mukta“ (Befreite). Die Erlösung vom leidhaften Geburtenkreislauf erfolgt durch das Verstopfen der Kanäle des „Asrava“ (Einströmen). Mundbinden sollen das Einatmen von Kleinsttieren verhindern, Fächer die Sicht auf Frauen verhindern und Ohrstöpsel ihre Stimmen mildern. Körperpflege sehen die Jainas als Eitelkeit an, während Buddhas Mönche durch Zähneputzen verhinderten, noch am Nachmittag Nahrung im Munde schmecken zu können.

Die drei Symbole der Jainas sind drei Punkte, stellvertretend der drei Glaubensjuwelen: Rechter Glaube, rechtes Wissen, rechter Wandel! Ein Punkt über einem kleinen Halbbogen symbolisiert eine aus der Gebetskette gelöste Perle zum Zeichen der Erlösung. Die Swastika (Hakenkreuz) ist die emblematische Form des Siddha (vollkommenen Wesens). Der Mittelpunkt (Bindu) ist die Radnabe, die absolute Ruhezone des Lebens, Nirvana. Die vier Speichen sind die vier Wiedergeburtsorte der Tierwelt, Hölle, Erdenwelt, Himmel. Der Siddha ist von jeder Wiedergeburt entbunden (verbogene Radspeichen). Ein Dreizack symbolisiert bei den Indern generell die Dreiheit (Trimurti), bzw. Buddha, Dharma, Sangha (Lehrer, Lehre, Gemeinde). Während der Buddhismus sich von Indien bis Japan und Anatolien als erste Weltreligion verbreitete, blieb der Jainismus auf Indien beschränkt und zählt heute nur noch zwei Millionen Mitglieder (viele Bankkaufleute), die sich jetzt weiß kleiden.

Heilige Schrift der Jainas ist das Buch „Shvetambaras“, wonach am Ende dieses Kalpas ein neues Zeitalter durch 24 Tirthamkaras (Propheten) beginnt. Revolutionär ist die Zeitdimension der Jainas: Kleinste Einheit ist dort das Samaya, welches die Zeit entspricht, während sich ein Skandhanta (Atom) bei langsamer Bewegung um seine eigene Länge fortbewegen kann. Dieses Skandhanta kann sich mit anderen Skandhantas zu einem Skandha (Atomketten, Moleküle) verbinden, welche dann mehrere oder auch unendlich viele Raumpunkte umfasst (Raum-Zeit). Unsere Aggregatzustände flüssig, fest, flüchtig unterscheiden die Jainas in sechs materielle Stoffe unterschiedlicher Dichte: fein-fein (unsichtbar, jedoch durch Gehör und Geruch wahrnehmbar), grob-fein (sichtbare – ungreifbare Dinge wie Nacht, Schatten), grob (Dinge, die sich selbstständig vereinen können, wie Öl oder Wasser), grob-grob (Dinge, die nur durch äußere Hilfe wieder zusammenkommen wie Stein, Metall).

Unzählige Samayas bilden 1 Avalika… 1.677.216 Avalikas ergeben endlich ein Muhurta (48 unserer Minuten). 30 Muhurtas ergeben 1 Ahoratra = 24 unserer bekannten Stunden! (24 Std. x 60 Min. = 1.440). Anders: 1 Muhurta (48 Min. x 30) = 1 Ahoratra = 1.440 unserer Minuten. 15 Ahoratas = 1 Paksha (Halbmonat). 2 Paksha = 1 Masa (Monat). 1 Ayana = 1 Semester (Halbjahr), 2 Ayanas = 1 Yojana (Jahr). 8.400.000 Yojana = 1 Purvanga. 8.400.000 Purvanga = 1 Purva = 16.800.000 Yojana.

Die Jainas können somit wie unsere modernen Astronomen mit Lichtjahren für eine Strecke von 9.500.000.000.000 km rechnen. Bei den Jainas gelten somit sogar Schatten oder Spiegelbilder als etwas Materielles, weil es durch ein Ding hervorgebracht wird. So erscheint auch der Schall (fein-fein) als feiner Stoff, weil er kurzzeitig durch das Gegeneinandertreiben von Skandhantas entsteht. Deshalb durchdringt der Fein-Fein-Stoff alle anderen Stoffe und kann sie dementsprechend verändern. Bekanntlich lässt sich ein Atom in unendlich kleine Teilchen (subatomare Substanz) verkleinern, wobei das Elektron von Atomgebilde zu Atomgebilde wechselt, quasi als „Geist der Materie“! Da unsere Gedanken auch elektromagnetische Wellen bilden, hinterlassen sie auch Spuren innerhalb der Materie, wobei Fein-Fein-Stoffe unser Karma bilden (Ursache-Wirkung = Schicksal). Alle Gedanken, die Worte und Handlungen für das Subjekt oder Objekt hinterlassen, halten das Leben an sich im ständigen Fluss. Buddha verhindert im Aufhören dieser Bildungskräfte die Saat zum Entstehen neuen Daseins. Der Quantenphysik konnten wir entnehmen, dass auch das NICHTS Energie enthält, aus welcher unsere Gegenwart ständig schöpft. So entsteht aus der Welt der Möglichkeiten (Nirvana, Raumvakuum, Potenzialität) plötzlich für eine Langzeit oder nur Nanosekunden eine Aktualität. In billionstel Sekunden springen Elektronen (negative Ladungen im Atom-Mantel) von einem Atom (Atomkern, besteht abgesehen von neutralen Neutronen aus positiv geladenen Protonen) zum Anderen, wobei der leere Raum sofort wieder von einem anderen Elektron eingenommen wird. Das jainistische Fein-Fein ist eine Schwingung, somit quasi außerhalb des bekannten materiellen Atoms. Es überträgt die Information der Lebensform als Karma von Existenz zu Existenz bis zu dessen Zuruhekommen im Nirvana.

Die Dimension des Universums wird im Jainismus nach Rajju (eine Strecke, welche Gott Brahma innerhalb von einem Halbjahr durchfliegt, wenn er pro Augenblick 2.057.152 Yojanas (Jahre, wie wir sie kennen) zurücklegt) gemessen. Die Brahmanen lehrten, dass sich im Raum über unserer Sonne Indraloka befinde und darüber im Raume des Nordsterns Brahmaloka. Im Jainismus sind einige Planeten mit Pflanzen und Tieren bewohnt, aber nur wenige mit Wesen willkürlicher Bewegung. Auf den Götterplaneten gibt es sogar fliegende Städte mit mehreren Stockwerken, aus deren Zentren „Vimanas“ (Himmelsfahrzeuge) in alle Richtungen ausfahren. Im altindischen Heldenepos Bhaghavadgita werden Vimanas gezeigt, so groß wie ganze Wohnungen, und benötigen zum Antrieb Wein (Alkohol). Auf der Insel Bali kann man einen Tempel bewundern (Borobudur), in dessen Nischen kleine Stupas zu sehen sind mit je einem Buddha im Cockpit solch einer „fliegenden Untertasse“, die wie ein kleines Kirmes-Auto ausschaut. War damit Buddha so schnell in den Brahmahimmel gelangt, wie wenn ein gesunder Mann seinen Arm in die Luft hebt?!

Mahavira lehrte, wenn vom Haupttempel eine Glocke ertönt, werden in 3.199.999 Himmelspalästen weitere Glocken ein neues Kalpa einläuten, und der neue Tirthamkara (Buddha) zur Erde reisen. Buddha jedoch billigte den Freitod nur bei unheilbarer, schmerzvoller Krankheit. Ansonsten hat jeder sein eigenes Karma zu ertragen. Beim selbsterwählten Hungertod meiner Mutter jedenfalls hatten die Pfleger darauf zu achten, dass sie immer genug Trinkwasser zu sich nahm, um schmerzfrei zu sterben.

Achtsamkeitsübung

„Der Weg der Mitte“
Setze dich bequem hin und schließe die Augen. Atme tief ein und aus, und konzentriere dich auf deinen Atem. Stelle dir vor, wie du auf einem schmalen Pfad zwischen zwei Extremen wanderst: auf der einen Seite Luxus und auf der anderen strenge Askese. Spüre, wie du in der Mitte dieses Pfades Ruhe und Ausgeglichenheit findest. Verweile in dieser Vorstellung für 5–10 Minuten und öffne dann langsam die Augen, gestärkt durch die Erkenntnis, dass der Weg der Mitte der Weg zur inneren Harmonie ist.

Weiterführende Literatur
  1. „Der Jainismus: Eine Einführung“ von Helmuth von Glasenapp

  2. „Die Lehren des Mahavira“ von Paul Dundas

  3. „Jainismus und Buddhismus: Zwei Wege zur Befreiung“ von Ludwig Alsdorf

  4. „Die Philosophie der Jainas“ von Nathmal Tatia

  5. „Karma und Wiedergeburt im Jainismus“ von Kristi L. Wiley

  6. „Die heiligen Schriften der Jainas“ von Walther Schubring

  7. „Askese und Spiritualität im Jainismus“ von Colette Caillat

  8. „Die Geschichte des Jainismus“ von Jyoti Prasad Jain

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