Traumfänger
Die Ureinwohner Amerikas hatten den schönen Brauch, kleine Federnetze über ihre Schlafstätten zu hängen, worin sich ihre nächtlichen Träume fangen und vor dem Vergessenwerden bewahrt werden sollen.
Meine 5 Jahre jüngere Frau war mit 76 Jahren für mich immer noch all zu früh verstorben, zwei Monate vor ihrem 77. Geburtstag, einem Sonntag .
Am Sonnabend hörte sich meine Klangschale zur Einleitung der allabendlichen Teelicht-Gedenken, besonders unschuldig und rein wie ein Silberglöckchen an. Da wurde es mir ganz feierlich ums Herz, denn ich wusste, heute werde ich nicht traurig sein.
Und es war eine schöne Gegenwart mit dem Gefühl einer sehr intensiven seelischen Nähe. Da kam ich mit einem Glas Grog, wie bisher nicht mehr aus.
Telepathisch vertraute sie mir an, dass schöne Gedanken wie im Traumfänger festgehalten werden müssen, dann gehen sie nie verloren. Etwa so wie ein Parfümeur den süßen Duft einer Heckenrose konserviert, so geschehe es mit unseren schönsten Lebenserinnerungen.
Und sie blieb in dieser, ihrer Nacht bei mir und wir hielten mit unseren Händen beiderseits, ihr zwischen uns liegende wohlriechendes Seidentuch als Medium, die ganze Nacht fest.
Und ihre Gedanken blieben in meinem geistigen „Traumfänger“ bis heute hängen:
„Vergesse vergangenes Glück nie, dann geht es nie verloren! Der Augenblick als sich unsere Augen zum ersten male trafen und eine Entscheidung zementierten. Als ich mit 19 Jahren am Standesamt mit deinen Familien -Namen unterschrieb und diesen immer vor meinen Ruf-Namen zeitlebens setzte. Die vielen Reisen und Ausflüge, später sogar mit immer mehr Kinder im Gepäck. Immer „brüderlich teilen“ wie du stets sagtes. Nichts wird Jeseits der Grobstofflichkeit vergessen, es webt unser Karma.“
Wir tauschen soviele Gedanken während unserer Zusammenkünfte aus, dass ich manchmal zu ihr sagte:
„ heute frage ich nichts und erfreue mich deiner zerbrechlichen, feinfühligen Gegenwart!“






