Eine fließende Übung für Gleichgewicht, Beweglichkeit und einen geschmeidigen Rücken
Beim Qigong verbinden sich Atmung, Aufmerksamkeit und Bewegung zu einem ruhigen, harmonischen Ablauf. Die Übung „Das Flug-Rad drehen“ zeichnet mit Armen und Oberkörper eine weite, kreisende Bewegung in den Raum.
Dabei wechseln Aufrichtung und Beugung, Öffnung und Rückkehr zur Mitte miteinander ab. Die Bewegung soll nicht mit Kraft erzwungen werden. Vielmehr entsteht sie möglichst weich und fließend aus der Körpermitte heraus.
Die Ausgangsstellung
Wir beginnen in der Qigong-Grundstellung im Parallelstand.
Die Füße stehen etwa hüft- bis schulterbreit auseinander. Die Knie bleiben locker und leicht gebeugt. Der Rücken richtet sich auf, ohne steif zu werden.
Die Schultern sinken entspannt nach unten.
Der Atem fließt ruhig und natürlich.
Für einen Augenblick sammeln wir uns in der Mitte und nehmen unseren Stand bewusst wahr.
1. Zur linken Seite drehen
Aus der Grundstellung drehen wir uns einatmend mit dem Körper nach links.
Gleichzeitig führen wir die ausgestreckten Arme in einer weiten und ruhigen Bewegung nach oben.
Die Bewegung soll leicht und rund sein – als würden die Arme dem Schwung eines großen Rades folgen.
2. Die Bewegung öffnen
Oben angekommen drehen wir die Handinnenflächen in einer eleganten Bewegung nach vorne.
Nun drehen wir uns ausatmend mit dem Oberkörper noch etwas weiter nach links und senken dabei die Arme langsam bis auf Schulterhöhe.
Die Schultern bleiben möglichst entspannt.
Der Blick folgt der Bewegung, ohne dass der Kopf übermäßig verdreht wird.
3. Tief nach links beugen
Jetzt beugen wir den Oberkörper langsam nach links unten.
Die Arme begleiten diese Bewegung und bleiben dabei möglichst in einer weiten, geöffneten Haltung.
Die Hände richten sich nach hinten.
Wir gehen nur so weit nach unten, wie es sich für Rücken, Hüfte und Gleichgewicht angenehm anfühlt.
Es geht nicht darum, möglichst tief zu kommen, sondern darum, die Bewegung kontrolliert und bewusst auszuführen.
4. Zur Mitte zurückkehren
Mit gebeugtem Oberkörper kehren wir langsam wieder zur Mitte zurück.
Dabei lassen wir die Arme entspannt vor den Füßen hängen.
Die Handinnenflächen weisen nach hinten.
Für einen kurzen Augenblick kann die Schwerkraft wirken. Nacken, Schultern und Arme bleiben dabei möglichst locker.
5. Wieder aufrichten
Nun richten wir uns langsam wieder auf.
Dabei sollte sich der Oberkörper möglichst Wirbel für Wirbel aufrichten, ohne ruckartige Bewegungen.
Wir kehren zurück in die Grundstellung und finden erneut unsere Mitte.
Anschließend wiederholen wir den gesamten Bewegungsablauf zur rechten Seite.
So wechseln sich linke und rechte Seite in einem ruhigen Rhythmus miteinander ab.
Das Bild des Flug-Rades
Man kann sich während dieser Übung vorstellen, dass die Arme die Bewegung eines großen, langsam kreisenden Rades nachzeichnen.
Das Rad steigt empor, öffnet sich zur Seite, sinkt zur Erde und kehrt schließlich wieder in seine Mitte zurück.
Auf diese Weise kann die Übung nicht nur zu einer körperlichen Bewegung werden, sondern auch zu einer kleinen Meditation:
Aufsteigen – Öffnen – Sinken – Zurückkehren.
Wie ein Rad, das sich dreht und dennoch immer wieder zu seinem Mittelpunkt zurückfindet.
Mögliche Wirkungen der Übung
Regelmäßig und achtsam ausgeführt kann „Das Flug-Rad drehen“ insbesondere dazu beitragen,
- das Gleichgewichtsgefühl zu schulen,
- die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Rumpf zu unterstützen,
- Rücken-, Hüft- und Schultermuskulatur sanft zu mobilisieren,
- die Körperkoordination zu verbessern,
- die bewusste Verbindung von Atmung und Bewegung zu fördern,
- Verspannungen durch ruhige Bewegung entgegenzuwirken,
- und die allgemeine körperliche Aktivität und damit auch die Durchblutung anzuregen.
Wie bei vielen Qigong-Übungen liegt ein wesentlicher Teil der Wirkung jedoch nicht in einer möglichst großen Bewegung, sondern in der Verbindung von Ruhe, Aufmerksamkeit, Atmung und Körperwahrnehmung.
Gesundheitshinweis
Qigong kann eine wertvolle Ergänzung zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge und zur sanften Bewegung sein, ersetzt jedoch keine medizinische Untersuchung oder Behandlung.
Führe die Übung langsam und nur innerhalb des eigenen schmerzfreien Bewegungsbereiches aus. Besonders bei Rückenbeschwerden, Bandscheibenproblemen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nach Operationen sollte vorher ärztlicher oder physiotherapeutischer Rat eingeholt werden.
Beim Vorbeugen nicht ruckartig arbeiten und den Atem niemals gewaltsam anhalten. Treten Schmerzen, starker Schwindel oder andere ungewöhnliche Beschwerden auf, sollte die Übung beendet werden.
Weiterführende Literatur
Kenneth S. Cohen:
Qigong – Grundlagen, Methoden, Anwendungen
Eine umfassende Einführung in Geschichte, Theorie und Praxis des Qigong.
Yang Jwing-Ming:
Die Wurzeln des chinesischen Qigong
Beschäftigt sich ausführlich mit den traditionellen Grundlagen von Atmung, Körperhaltung und innerer Arbeit.
Mantak Chia:
Chi – Die heilende Lebenskraft
Eine bekannte Einführung in taoistisch geprägte Übungen mit Atem, Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung.
Daniel Reid:
Das Tao der Gesundheit, der Liebe und des langen Lebens
Ein weiter gefasster Einblick in traditionelle chinesische Vorstellungen von Lebenspflege, Atmung und Bewegung.
Für die praktische Ausführung empfiehlt sich ergänzend die Anleitung durch eine qualifizierte Qigong-Lehrerin oder einen qualifizierten Qigong-Lehrer, insbesondere wenn Übungen mit stärkeren Rumpfbeugungen und Gleichgewichtsverlagerungen ausgeführt werden.






