Ruhe nach Trubel

Bodhi Svaha! Sadhu!

Zwischen Familienleben, Erinnerung und stiller Verbundenheit

Schon die alten Griechen bemerkten, dass sich ohne Konflikte keine kulturelle Höhe entwickelt.

Entwicklung muss eine Notwendigkeit vorausgehen, laut Sokrates.

Stellen wir uns ein Südsee-Paradies vor: ohne Kaltzeiten, ohne Hungerprobleme, ohne Feindschaften.

Würden wir dort Menschen unterwerfen, damit sie für uns arbeiten?

Würden wir dort Häuser errichten, wo immer Sonne scheint und es keine störenden Tiere gäbe?

So ist es auch in einem himmlischen Gefilde ohne Probleme.

Dort gäbe es keine Entwicklung mehr, weshalb unsere Verstorbenen nach neuen Aufgaben durch eine Wiedergeburt im Diesseits streben.

Hier wechseln sich Ruhe und Trubel ab.

Das erlebte ich zu Muttertag, als die halbe Familie meinen kleinen Garten bevölkerte und die Frauchen mit ihren „Herren der Schöpfung“ Blumen austauschten.

Zum Glück klammerten sich die stolzen Ehemänner an ihre Autoschlüssel und mussten – zur Schadenfreude ihrer „geliebten Sklavinnen“ – Wasser trinken.

Die Kinder und ihre Väter freuten sich aber, von der kleinen Hollywood-Schaukel aus mit Opas Armbrust Pfeile in den Bretterzaun des Gartens zu versenken.

Muttertag war Sonnenschein, und erst gegen Abend kehrte in meinen vier Wänden wieder Ruhe ein.

Drückende, aber auch irgendwie beglückende Ruhe.

Gelegenheit, jetzt auch meiner verstorbenen Frau Aufmerksamkeit zu schenken.

Versteckte Bemerkungen meiner lieben Gäste veranlassten mich, Fragen an meine verstorbene Frau zu stellen, die ich in intensiven Gedanken an sie richtete:

„Sag einmal, ob du dich an mir gebunden fühlst? Bin ich egoistisch oder irgendwie stressig für dich?“

Kaum hatte ich diese Gedanken gedacht, da fuhr ihre Antwort mit absoluter Unverrückbarkeit durch meinen Kopf:

„Ich hatte dir fest vertraut und mich dir offenbart. Du wolltest die Dinge so, wie sie jetzt sind! Ich bin dir immer gefolgt! Warum soll das jetzt anders sein? Sagte ich nicht: ‚Ich lieb Dich‘?“

Mein Kopf blieb danach leer.

Was sollte ich noch denken?

Ich schrieb diese Zeilen auf, im festen Entschluss, wie versprochen unsere Ehe nach ihrem Tode bis zum nächsten Leben fortzusetzen.

Egal, ob andere ein Problem damit haben, dass ich mit einer „Toten“ zusammenlebe.

So fühle ich mich nicht mehr ganz alleine.

Schließlich bezahlt sie ja auch mit meiner Witwerrente unsere Wohnung weiter.

Infobox – Weiterführende Literatur

📚 Empfohlene Bücher und Quellen

  • C. G. Jung – Erinnerungen, Träume, Gedanken
  • Elisabeth Kübler-Ross – Über den Tod und das Leben danach
  • Thich Nhat Hanh – Keine Angst vor dem Tod
  • Sogyal Rinpoche – Das tibetische Buch vom Leben und Sterben
  • Platon – Phaidon
  • Arthur Schopenhauer – Parerga und Paralipomena

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