Akupressur, Wärme und alte Bilder für die kalte Jahreszeit
Jetzt im Spätherbst betreibt die vernünftige Natur Vorsorge für die kommenden kalten Wintertage.
Besorgte Menschen sahen in den kommenden Sternschnuppen-Schwärmen, dass mit ihnen auch weltraumresistente Viren mit zur Erde fallen, die dann Erkältungen auslösen.
Aber das sind noch die angenehmsten Verschwörungs-Theoretiker.
Klug ist jedenfalls, gesunde Gewohnheiten frühzeitig anzulegen.
So lernen Qigong-Lehrer ihren Schülern auch Akupressur-Griffe, die traditionell in der kalten Jahreszeit angewendet werden.
Lustig hierbei sind die bildlichen Begriffe aus dem Chinesischen.
Lustig auch die Begriffe moderner Polarforscher wie „kalben“, wenn Teile eines Eisbergs abbrechen.
Das taten schon unsere alten Wikinger im hohen Norden, wenn sie angesichts von unberechenbaren Gletschern und feuerspeienden Vulkanen die Worte „Eisriesen“ und „Feuerriesen“ verwendeten.
Sie betrachteten die Erde in ihren Anfangsstadien als einen Eisriesen, der unter seinen Achselhöhlen schwitzte – an beiden Polen schmolz – und so das erste Leben, Mann und Frau, hervorbrachte.
(Jüngere Edda, Gylfaginning, Kapitel 5.)
Daran dachte ich, als unser Qigong-Lehrer die Achselhöhlen-Übung zeigte.
1. Die Achselhöhlen abklopfen
Hierzu berührt man mit der linken Hand das rechte Ohr und klopft mit der rechten Faust mehrmals leicht gegen die linke Achselhöhle.
Dann wechselt man die Seiten und wiederholt die Übung.
Im Qigong wird diese Übung traditionell mit Anregung und Belebung des Körpers verbunden.
Das Klopfen sollte stets angenehm bleiben und niemals schmerzhaft ausgeführt werden.
2. Die Punkte neben den Nasenflügeln
Gegen beginnende Erkältungsbeschwerden führt man beide Zeigefinger neben die Nasenlöcher und übt dort einen sanften Druck aus.
Dabei kann ruhig durch den Mund geatmet werden.
Bei Beschwerden im Bereich des Oberkiefers wird in traditionellen Akupressur-Systemen ebenfalls mit Druckpunkten in dieser Region gearbeitet.
Bei anhaltenden Zahnschmerzen sollte jedoch immer die Ursache zahnärztlich abgeklärt werden.
3. Punkte hinter den Ohrläppchen
In einer anderen Übung platzieren wir beide Zeigefinger hinter den Ohrläppchen.
Von dort führen wir sie hinter den Schädel bis ungefähr zu einem Bogenpunkt oberhalb des Nackenbereiches.
Zwischen beiden Zeigefingern bleibt eine größere Lücke von ungefähr drei Zoll.
Diese beiden Punkte am Hinterkopf massieren wir sanft mit den Fingerspitzen.
Die Bewegung soll ruhig und kreisförmig erfolgen.
4. Die Punkte an der Nasenwurzel
Als weiteres Winterhilfswerk massieren wir mit beiden Zeigefingern leicht die kleinen Vertiefungen rechts und links der Nasenwurzel.
Sie liegen nahe dem inneren Augenwinkel.
Hier genügt ein sehr sanfter Druck.
Die empfindlichen Augen selbst werden selbstverständlich nicht gedrückt.
5. Über den Augenbrauen
Von diesen Punkten führen wir die Finger vorsichtig in Richtung Augenbrauen.
Unter der dünnen Haut können kleine Vertiefungen beziehungsweise Unebenheiten des Schädelknochens ertastet werden.
Auch diese Stellen massieren wir vorsichtig mit den Zeigefingern.
Dabei gilt:
Wenig Druck ist besser als zu viel.
6. Wärme mit den Händen erzeugen
Wir erinnern uns an das Feuerzünden unserer Vorfahren durch das Gegeneinanderreiben zweier Steine.
Etwas Ähnliches machen wir nun mit unseren beiden geballten Fäusten.
Wir reiben kräftig einen Daumenballen am anderen Daumenballen.
(In der Edda hatte der Eisriese das mit dem Reiben seiner beiden Fußballen gemacht – das brauchen wir nicht.)
Wenn wir die Wärme in unseren Daumenballen spüren, legen wir sie behutsam gegen unsere Nasenflügel.
Die Wärme empfinden viele Menschen gerade an kalten Tagen als angenehm.
7. Winter-Qigong als kleines Ritual
Diese Übungen können zu einem kurzen täglichen Winterritual verbunden werden:
zuerst die Achselhöhlen abklopfen,
dann die Gesichtspunkte massieren,
anschließend den Hinterkopf entspannen
und zum Schluss mit warmgeriebenen Händen das Gesicht wärmen.
Die Bewegungen müssen nicht stark sein.
Qigong lebt nicht von Kraft, sondern von Aufmerksamkeit, Ruhe und regelmäßiger Übung.
Infobox: Was kann Winter-Qigong tatsächlich leisten?
Akupressur und Qigong können angenehm sein, die Körperwahrnehmung fördern und zur Entspannung beitragen.
Auch Wärme, sanfte Massage und ruhige Atmung können sich besonders in der kalten Jahreszeit wohltuend anfühlen.
Wichtig:
Es ist wissenschaftlich nicht belegt, dass die beschriebenen Akupressurpunkte Erkältungsviren abwehren oder Infektionen zuverlässig verhindern können.
Ebenso gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass Sternschnuppen oder Meteorschwärme Erkältungsviren aus dem Weltraum auf die Erde bringen.
Erkältungen werden überwiegend durch bekannte Viren übertragen.
Qigong eignet sich deshalb gut als ergänzende Wohlfühl- und Bewegungsübung – nicht als Ersatz für medizinische Behandlung.
Bei starken Schmerzen, hohem Fieber, Atemnot, länger anhaltenden Beschwerden oder starken Zahnschmerzen sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Ein kleiner Ausflug in die Edda
Der Vergleich mit Eis- und Feuerriesen zeigt schön, wie Menschen Naturerscheinungen schon immer in Bilder übersetzten.
Gletscher bewegten sich.
Vulkane spien Feuer.
Eis brach mit gewaltigem Getöse.
Für unsere Vorfahren konnten solche Landschaften tatsächlich wie lebendige Wesen erscheinen.
Qigong arbeitet ebenfalls gern mit Bildern:
Qi wird gesammelt, gelenkt, gehoben oder abgesenkt.
Die Bilder müssen dabei nicht naturwissenschaftlich verstanden werden.
Sie helfen vor allem, Aufmerksamkeit und Bewegung miteinander zu verbinden.
Ausblick
Nächstes Wochenende berichten wir über die Wirkung unserer Worte und Gedanken.
Und darüber, wie wir vielleicht einige Leser vom Nutzen eines Dana-Werks überzeugen können.
Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre
1. Einführung in Qigong und Akupressur
Zur Vertiefung von Körperwahrnehmung, Atemführung und traditionellen Druckpunkten.
2. Traditionelle Chinesische Medizin
Zur Einordnung von Qi, Meridianen, Akupunktur- und Akupressurpunkten.
3. Qigong in der kalten Jahreszeit
Über sanfte Bewegungs- und Atemübungen für Herbst und Winter.
4. Die Jüngere Edda – Gylfaginning
Zur nordischen Vorstellung von Eis, Feuer, Riesen und der Entstehung der Welt.
5. Meditation und Körperwahrnehmung
Zur Verbindung von Aufmerksamkeit, Berührung und innerer Ruhe.
6. Literatur über Erkältungsprävention
Zur modernen medizinischen Einordnung von Erkältungsviren, Hygiene und Immunsystem.
7. Selbstmassage und Entspannung
Für einfache Übungen an Gesicht, Nacken, Händen und Schultern.
8. Buddhistische Dana-Praxis
Zur Bedeutung von Geben, Großzügigkeit und selbstlosem Handeln im buddhistischen Alltag.






