QIGONG – Bergeschieben und Mondheben

Bodhi Svaha! Sadhu!

Zwei einfache Bewegungsrichtungen zwischen Vorstellungskraft, Qi-Energie und bewusster Körperführung

Unser Kursus-Lehrer, ein chinabereister Akupressur-Liebhaber, ist zum Glück unseres wehleidigen Alters auch nicht jünger, aber nicht so wehleidig. Rücksichtsvoll, mit großer Geduld, demonstriert er den anstehenden Arbeitsplan sintemals, während wir uns auf unseren Stühlen verschnaufen dürfen.

Er vergaß nie zu erwähnen, wie wichtig unsere Blicke dabei sind, denen eine eigene Kraft innewohnt. Dabei genoss er unsere auf ihn gerichteten aller Blicke mit einem schelmischen Lächeln. Er machte darauf aufmerksam, dass die Kraft (Qi-Energie) in der beherrschten langsamen Bewegungsausführung liegt, und wer dabei des Abends noch in den laufenden Fernseher schaut, hat wenigstens etwas Gymnastik dabei vollbracht.

Ich muss noch viele Kurse besuchen, um alleine den Condor und den Radschlag des Pfaus u. v. a. täglich zu üben. Aber das eine, so hoffe ich, ist bei mir hängen geblieben, wie man viele krankheitsauslösende Blockaden des Körpers nach TCM auflöst oder verhindert.

Schnell erkennt man an den seichten Bewegungen, deren Namen unsere grauen Gehirnzellen aktivieren, eine vertikale und eine horizontale Bewegungsrichtung. Exemplar: „den BERG SCHIEBEN“ (horizontal) und „den Mond heben“ (vertikal).

Intelligente Menschen verfügen über viel Fantasie, und Qigong wirkt erst spürbar mit dem Entgegenkommen einer aufrechten Vorstellungskraft (messbarer Gedankendruck).

BERG SCHIEBEN

1. Wir nehmen die Grundstellung ein, Arme liegen locker am Körper herab.

2. Wir verlagern das Gewicht auf den rechten Fuß und winkeln die Arme seitlich an, sodass die Ellenbogen im 45-Grad-Winkel nach oben zeigen.

3. Wir drehen die Hände schützend nach vorne und schieben den linken Fuß einen halben Bogenschritt zur linken Seite vorwärts.

4. Jetzt schieben wir den imaginären Berg zurück, indem wir die Arme ausstrecken und gleichzeitig unser Gewicht auf den linken Fuß verlagern und unser Oberkörper der Armbewegung folgt. Diese horizontale Bewegung wiederholen wir durch mehrfaches Berg-Fortschieben.

5. Daraufhin senken wir die Hände nach unten und ziehen die Arme langsam zurück zum Körper. Gleichzeitig folgt der linke Fuß dem Weg zurück in die Grundstellung.

Von dort schieben wir den Berg in gleicher Weise auf der rechten Seite (spiegelverkehrt natürlich) fort. Wir fühlen bei dieser Übung genau, welche Körperteile hier aktiviert werden.

MOND HEBEN

1. Wir nehmen die Grundstellung ein und denken uns den sich im Wasser vor uns spiegelnden Mond.

2. Wir winkeln unsere Unterarme vorwärtszeigend im 45-Grad-Winkel an. Die Hände stehen geöffnet sich gegenüber. Wir spüren in den Handflächen deren Wärmeausstrahlung.

3. Nun strecken wir unsere Arme weit gebreitet, um den Vollmond aus dem Wasser vorsichtig hoch über unseren Kopf zu heben. Wir blicken dabei in den Mond, lassen ihn los und schieben die Wolken vor ihm zart beiseite.

Dann lassen wir unsere Arme wieder an unserem Körper herabhängen. Die kleine Übung können wir mehrfach wiederholen.

Buddhistischer Schlussgedanke

☸ Bewegung und Achtsamkeit

Auch eine kleine Bewegung kann zu einer Übung der Achtsamkeit werden, wenn wir sie bewusst ausführen.

Im Buddhismus bedeutet Achtsamkeit, Körper, Gefühle und Geist so wahrzunehmen, wie sie im gegenwärtigen Augenblick erscheinen.

Beim Qigong kann deshalb nicht nur die Bewegung selbst wichtig sein, sondern auch die Aufmerksamkeit, mit der wir ihr folgen.

Wo Körper und Geist gemeinsam zur Ruhe kommen, beginnt bewusste Bewegung.


Weiterführende Literaturtipps

  • Kenneth S. Cohen: „Qigong – Grundlagen, Methoden, Anwendung“ – ein umfassender Einstieg in Geschichte, Theorie und Praxis des Qigong.

  • Wong Kiew Kit: „Die Kunst des Qigong“ – beschreibt klassische Übungen, Atemführung, Vorstellungskraft und die traditionelle Arbeit mit Qi.

  • Ted J. Kaptchuk: „Das große Buch der chinesischen Medizin“ – eine verständliche Einführung in die Denkweise der Traditionellen Chinesischen Medizin.

⚠️ Wichtiger Gesundheitshinweis
Obwohl Qigong eine sanfte und gesundheitsfördernde Praxis ist, sollten Sie bei der Ausführung auf Ihren Körper hören.
  • Ärztliche Rücksprache: Wenn Sie unter chronischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen, akuten Wirbelsäulen- oder Gelenkbeschwerden, schweren psychischen Erkrankungen leiden oder schwanger sind, halten Sie vor dem Üben Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  • Kein Ersatz für Therapie: Die Übungen dienen der Prävention und Entspannung. Sie ersetzen keine medizinische Behandlung oder verordnete Therapien.
  • Belastungsgrenzen beachten: Führen Sie alle Bewegungen nur so weit aus, wie es sich gut anfühlt. Schmerzen, Schwindel oder Atemnot sind Signale Ihres Körpers, die Übung sofort abzubrechen.

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