Epos: Friesenherzog Radbod

Bodhi Svaha! Sadhu!

Eine kleine historisch-epische Heldendichtung in 26 Vierzeiler, gewidmet einem Rater(Götter)-Bodo ( Boten ) der da wirkte in seiner Lebensspanne von 639 bis zu seinem Tode 719 in drei Kapitel.

Kapitel I.

( Thorgert spricht zu Herzog Radbod:)

1

Höre, Herzog Radbod !
die Franken bringen uns in Not:
sie wollen unseren alten Väterglauben
an Freya und Forseti ( Foside=Poseidon) rauben.

2

Sie lästern Donar ( Thor ) und den Woden ( Odin ) ,
und rücken näher auf Freyas Boden.
Gedenke Herzog Aldegill,
der baute unsere Deiche viel.
( 642 n.Chr. )

3

So schützte er unsere großen Warfen
( kleine Flachinsel-Burgen )
vor Ägirs ( Meeresgott ) Wut und unsere Hafen.
Wir würden tausendfach dir Danken:
beschützt du uns auch so vor Franken !

( Radbod antwortet ):

4

Wilfrid von Eberhard ( York ) der Bischof,
den trieb Ägir einst an Aldigirs Hof.
Dort sprach er Jesus sanftes Wort,
doch Aldegills Folger jagte den wieder fort.

5

Dann fand Ritzard seinen Tod in Franken,
gegen König Lothar, an Heeres Flanken.
Nun bin ich Herzog der Friesen geworden,
und ehre die Götter im Norden.

6

Ich erinnere mich indessen,
als ich im Taufbottich halb gesessen,-
da hörte ich des Pfaffen Wort,
das Jeder in der Hölle schmorrt,
der so wie die alten Friesen leben,
die sich den Göttern hingegeben!

7

Aus dem Bottich hab ich mich erhoben,
und tat fortan mir selbst geloben:
„Lieber in der Hölle mit den meinen ,
als im Himmel mit den deinen!“

8

Nun will ich leisten mit starker Hand
gegen den Pfaffen Widerstand !
Die Bischöfe Wigbert und Willibrord
jagen wir bis Irland fort!

9

Ein großes Heer wird ich aufbauen,
aus allen sieben Friesengauen.
Von Westflinge bis Rüsthingen
wird unsere Einigkeit gelingen!

( Das Volk ruft: Einigkeit! Freiheit ! Recht! )


Kapitel II.

( Thorgert spricht wieder zu Radbod ):

10

Du triebst hinaus aus deinem Herzog-Reich
die Franken, ängstlichen Hasen gleich !
Die hatten besetzt unser freies Land,
von Wiron bis nach Braband!

11

Du hattest Utrecht und Stavoren,
dich zum Wohnsitz auserkoren.
Von der Weser bis Brügges Sinkfal
dankt man dem Wodan überall !

12

Doch zwischen Weser bis hin zur Flie , ( Ijsselmeer )
droht Gefahr jetzt wie noch nie:
der neue Frankenkönig Pippin
lässt sein Heer gegen Friesland zieh’n !

( Radbod: )

13

Ich wollte es nicht, wenn wir’s nicht müssten,
schnell einen Gegenzug aufrüsten:
seit der römischen Vasallenzeit,
sind wir zum Freiheitskampf bereit !

( Das Volk ruft: Einigkeit! Freiheit! Recht! )


Kapitel 3

( Radbod zu Thorgert: )

14

In Duurstede ( Dorestad ) der großen Handelsstatt,
der blutige Kampf begonnen hat:
689 in Nähe von Wyk
erlangten die Franken den Sieg.

15

Von der Halbinsel Klinem, Zeeland bis Sinfal
herrschen die Franken jetzt überall!
Utrecht haben sie uns genommen,
Willibrord hatte dort sein Pontifikal-Sitz bekommen !

16

Weit zurück musste mein Heer sich ziehen !
Bis Fositeland ( Helgoland ) musste ich fliehen! ( Fosite=Poseidon )
Hier tankte ich meines Lebens-Energie,
angelegte Königswege, mir nützten sie !

( Thorgert: )

17

Ich hörte: in jeder dunklen Nacht,
würden Messegehilfen umgebracht !
Das hatte ihr Missionswerk gehemmt,
solch Friesen-Sitten sind ihnen fremd.

18

Jetzt im 714. Jahre,
liegt Pippin auf der Toten-Bahre !
Lasse Boten im ganzen Lande verbreiten:
Friesland rüstet sich zum streiten !

( Radbod: )

19

Ich werde an die Spitze des Heeres ziehen,
die fränkischen Garnisonen werden westwärst fliehen!
All die, welche sich nicht ergeben,
verwirken ihr Leben !

( Volk ruft: Einigkeit ! Freiheit ! Recht!)


Kapitel 4.

( Radbod spricht zu Thorgert: )

20

Duurstede und alle Niederlassungen
wurden den Franken abgerungen!
Allein das fränkische Kastell blieb verschont,
weil’s sich zum Schutze der Marktplätze lohnt!

21

Das Jahr 714 wurde geschrieben,
als wir die Franken bis Köln hin vertrieben !
Aus allen eroberten Ländern schnell,
Kampfschaaren zur Hilfe rief Karl Martell!

22

Theudoald, Pippins Enkel,
erbte die Krone mit viel Ränkel.
Martell, Pippins Sohn, es dann auch so geschafft,
zu erschleichen Theudoalds Vorherrschaft.

23

Für Sold allein kämpfte das Frankenheer,
die Friesen um Freiheit um so mehr !
Das steigerte ihre Heldenkraft,
und der Franke wurde dahin gerafft !

24

So konnte ich mit den Meinen,
ganz Friesland wieder vereinen!
Alle gebauten Tzierkas ( Kirchen ) wurden abgerissen,
und die Pfaffen aus dem Lande geschmissen !

25

Nun strahlt Friesland in neuen Glanz,
Eila, meine Tochter führte zum Hochzeitstanz
Sachsenherzog Edelhard,
aus dem Albion entsprossen ward !

26

Die Wala ( Seherin ) hatte prophezeit:
er wird ein Held im Glaubensstreit:
der tapfer sich im Kampf bewährte
als Wittekind sein Kampfgefährte.

( Potthapada, Sept. 2026 )

Regie-Tipps


Das Stück eignet sich für eine feierlich-epische, beinahe balladenhafte Inszenierung. Thorgert kann als Mahner, Chronist und Stimme des friesischen Volkes auftreten, während Radbod zunehmend als entschlossener Herrscher und Verteidiger seines Landes erscheint.

Die wiederkehrenden Rufe „Einigkeit! Freiheit! Recht!“ sollten als deutliches dramaturgisches Motiv eingesetzt werden. Das Volk kann zunächst zurückhaltend beginnen und sich von Kapitel zu Kapitel zu einem kraftvollen Chor steigern.

Zwischen den Kapiteln empfehlen sich kurze Lichtwechsel oder musikalische Übergänge, damit die historischen Zeitsprünge für das Publikum wahrnehmbar werden.

Schauspieler-Tipps


Radbod: Ruhig, würdevoll und mit zunehmender Entschlossenheit sprechen. Die Reime sollten deutlich hörbar sein, ohne sie künstlich zu überbetonen. Bei den kämpferischen Passagen eine aufrechte Körperhaltung und klare Gesten verwenden.

Thorgert: Als berichtende und warnende Figur spielen. Die Stimme darf eindringlicher und bewegter sein als die Radbods. Fragen und Warnungen können mit kurzen Pausen vor den entscheidenden Schlussreimen verstärkt werden.

Das Volk: Gemeinsam, rhythmisch und möglichst geschlossen sprechen. „Einigkeit! Freiheit! Recht!“ sollte wie ein wiederkehrender Schwur wirken.

Bei allen Rollen empfiehlt es sich, die Verse zunächst langsam zu sprechen und den natürlichen Rhythmus der Reime zu finden. Besonders wirkungsvoll sind kurze Pausen zwischen den einzelnen Strophen.

Bühnenbild-Idee


Die Bühne kann eine friesische Küstenlandschaft des frühen Mittelalters darstellen. Im Hintergrund ein weiter Himmel, Dünen, Meer und angedeutete Warfen. Holzbalken, Schilde, Speere, einfache Felle und ein erhöhter Sitzplatz für den Herzog reichen als zentrale Requisiten.

Für die verschiedenen Kapitel kann hauptsächlich mit Licht gearbeitet werden: kühles Blau für Küste und Bedrohung, gedämpftes Feuerlicht für Beratungen und kräftigeres Morgen- oder Goldlicht für Siege und das wiedervereinte Friesland.

Ein großer runder Schild oder ein friesisch-germanisch gestaltetes Symbol im Zentrum der Bühne kann als wiederkehrendes optisches Element dienen. Bei Kriegsszenen müssen keine Schlachten unmittelbar dargestellt werden; Trommelschläge, Schatten, Fackellicht und Geräusche aus dem Hintergrund können die Auseinandersetzungen wirkungsvoller andeuten.

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