TOD und TRAUER

Bodhi Svaha! Sadhu!

Wie Religionen den Tod, das Jenseits und die Trauer unterschiedlich deuten

Keine der fünf Weltreligionen beschäftigt sich so intensiv mit dem unvermeidlichen, uns allen betreffenden Tod wie Hinduismus und Buddhismus.

Die beiden fernöstlichen Religionen lehren die Befreiung der leidenden Menschheit aus dem Kreislauf karmischer Wiedergeburten.

Die Hinduisten lehren, dass Gott Vishnu als ihr Heiland Krishna auf Erden reinkarnierte. Die katholischen und orthodoxen Christen glauben, dass ihr Gott als ihr Heiland Christus inkarnierte.

Während die Hindus den tragischen Lebenslauf ewigen Leidens und Sterbens des Menschen in den Glaubensfokus stellten, kümmerten sich die christlichen Religionen hauptsächlich um das Leben und Sterben ihres Gottes.

Dementsprechend entwickelte sich auch die Trauer der Gläubigen um ihre Verstorbenen unterschiedlich.

Die Kirchen betrauern ohne Unterbrechung den Tod ihres Christus und entfernen die Verstorbenen der Menschen in einen fernen Himmel aus dem Blickfeld ihrer Gläubigen.

Auch im Buddhismus finden wir unterschiedliche Formen der Trauer – gemäß der unterschiedlichen Volksseelen.

Vor der blutigen Feuer- und Schwertmission monotheistischer Religionen hatte noch jedes Volk seinen eigenen Götterhimmel aus Natur- und Ahnenverehrung hervorgebracht.

Die friedliche Ausbreitung des Buddhismus nahm diese Urreligionen in sich auf, und so finden wir die kurze christliche Art der Trauer um Verstorbene auch im tibetischen Buddhismus.

Mittels des Totenbuches bekommt dort der Verstorbene eine Gelegenheit, direkt aus dem Jenseits (Bardo) ins Nirvana – das völlige Erlöschen – zu gelangen.

Um denjenigen, der wie eine ausgeblasene Kerze erloschen ist, braucht auch niemand mehr zu trauern.

Das ist auch bei den Indern ein Grund zur Feier.

532 n. Chr. breitete sich der Buddhismus auch in Japan friedlich aus und absorbierte dort die ältere Sonnenreligion des Shinto („Weg der Götter“).

Der Shintoismus ist stark vom Ahnenkult geprägt, weshalb dort der Buddhismus nur verheiratete Bonzen (Tempelpriester) hervorbrachte, die sich wie thailändische Upasakas weiß kleideten.

Während in Japan den Verstorbenen Gedächtnisstätten errichtet wurden, überlagerte in Thailand die Verehrung der Naturgeister sogar noch jene der Totengeister.

Anders wiederum steht der Umgang mit Toten bei den vorderorientalischen Religionen ganz unter dem Einfluss des alten Ägyptens mit seinem Totenrichter und der fleischlichen Wiederauferstehung nach dem „Jüngsten Gericht“.

Solange jedem Individuum der Umgang mit Tod und Trauer selber überlassen bleibt, ist der Friede vor Geistesketten bewahrt.

Infobox – Weiterführende Literatur

📚 Empfohlene Bücher und Quellen

  • Das Tibetische Totenbuch
  • Bhagavad Gita – Gespräche Krishnas über Leben und Tod
  • Thich Nhat Hanh – Keine Angst vor dem Tod
  • Elisabeth Kübler-Ross – Interviews mit Sterbenden
  • Mircea Eliade – Geschichte der religiösen Ideen
  • Jan Assmann – Tod und Jenseits im Alten Ägypten

schon gelesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Artikel Empfehlungen

Ankommen im Hier und Jetzt. In unserer Gemeinschaft findest du Raum für Meditation und die Weisheit des Dharma. Gemeinsam gehen wir den achtsamen Schritt in Richtung Erleuchtung.

Abendländische-Buddhisten-Collegium e.V.

Info :