Die Ura Linda Chronik VII

Bodhi Svaha! Sadhu!

Begegnung mit den Golan

In der nördlichen Ecke des Mittelsee (Mittelmeer) liegt eine Insel an der Küste.

Nun kamen sie diese zum Kauf erbitten. Darob ward eine allgemeine Acht (Sperrbezirk) gelegt.

(Landes-) Mutter Rat wurde eingeholt, aber Mutter sah sie lieber weit weg: dadurch meinte sie, dass dem nicht von übel wäre.

Doch als wir sahen, wie wir missgetan, haben wir die Insel Mis-sella, Mißkauf (Maseile) geheißen.

Hiernach wird sich ergeben, welchen Grund wir dazu hatten.

Die Golen (Gallier von den Golanhöhen), also heißen die Sendlinge, Priester von Sydon, die hatten wohl gesehen, dass das Land spärlich bevölkert war und fern von Mutter war, um sich selbst einen guten Schein zu geben, ließen sie sich in unserer Sprache an treue Geweihte „ana trowe Wysana“ heißen; aber es wäre besser gewesen, wenn sie sich selber „von der Treue Gewandte“ genannt hätten oder kurzweg Treuwenden (Trju-wendene) wie unsere Sprache später getan haben.

Als sie sich nun richtig niedergelassen hatten, da tauschten ihre Kaufleute schöne, kupferne Waffen und Häute wilder Tiere, von denen in unseren südlichen Landen viel erhältlich war.

Aber die Golen feierten allerhand schmutzige Götzenfeste und zogen die Küstenheimer vermittels unzüchtiger Mädchen und der Süßheit ihres giftigen Weines heran.

War da irgendeiner von unserem Volke, der es also arg getrieben hatte, dass sein Leib in Gefahr kam, so verliehen die Golen ihm Hülle und Unterschlupf und führten ihn nach Phonizia (Phönizien/Libanon).

War er hier ansässig, dann musste er seiner Sippe, Freunde, Schwäger schreiben, dass das Land so gut wäre und die Menschen so glücklich, wie niemand sich einbilden könne.

In Bretland (Britannien) waren sehr viele Männer, (unter Verbannte gab es wenig Frauen) doch wenig Weiber.

Als das die Golen erfuhren, ließen sie alleweg Mädchen entführen, und diese gaben sie den Briten um nichts hin.

Doch alle diese Mädchen waren ihre Dienerinnen die die Kinder Wraldas stahlen, um sie ihre falschen Idole zu geben.

(Raub der Sabinerinnen.)

Anmerkung von uns:
Dunis Ostfahrten zu den Golanbergen erinnert an die eddischen Ostreisen Thors zu den Bergriesen.

Walhallagara und die sieben Inseln

Bei dem Süderheim-Mund und der Schelde, da sind sieben Inseln (scheinen später einige davon vom Meer geteilt worden zu sein), genannt nach Freyas sieben Wachemaid (mussten die Leuchtfeuer bewachen).

Mitt auf einer Insel ist die Burg Walhallagara (Walhall).

Auf die Wände ist die folgende Geschichte geschrieben:

ICH LESE UND WACHE!

Fünfhundertdreiundsechzig Jahre nach dem Atland versunken ist (1630 vor Chr.), saß hier eine weise Burgmaid:

Minerva (Mein Erbe) war ihr Name, von den Seeleuten wurde sie Ny-hellenia (Neues Hell = die germanische Erdgöttin Nehalenna).

Dieser Name war gut gewählt, denn der Rat, den sie verlieh, war neu und Heil für alle anderen.

Syrhed, Kälta und Minerva

Jenseits der Schelde auf der Flyburg saß Syrhed (eddisch Lokis Weib Sigyn).

Die Maid war voller Ränke: schön war ihr Antlitz und flink ihre Zunge.

Aber der Rat den sie gab, war immer dunklen Worten.

Darum wurde sie von den Seeleuten auch Kälta (die Kalte, Mutter der Kelten) geheißen.

Die Landsassen meinten, dass es ein Ehrenname sei.

In der letztwilligen Verfügung der (Landes-) Mutter stand Rosamunde (Mutter der Russen?), als Erste, Minerva (Minne = platonische Liebe) als Zweite und Synhed als 3. Nachfolgerin beschrieben.

Minerva war dessen unkundig, aber Synhed war dadurch geknickt.

Gleich einer fremden Fürstin wollte sie gerecht, gefürchtet und angebetet sein; aber Minerva wollte allen lieb sein.

Zuletzt kamen alle Seeleute, ihr ihre Huld bieten.

Selbst von den Dänemarken (nordfriesische Inseln) und von der Flysee.

Das verletzte Syrhed, denn sie wollte Minerva überragen.

Auf dass man ein großes Dünken von ihrer Wachsamkeit haben sollte (die Seefahrer fanden durch die Leuchttürme sich ihren Hafen), machte sie einen roten Hahn auf ihre Fahne.

(Laut Edda wacht ein roter Hahn bei den Dämonen und ein goldener Hahn bei den Göttern. Im Mittelalter setzte sich die Kirche den goldenen Hahn auf ihren Turm und die Menschen einen roten Hahn bei Feuer-Gefahr.)

Da ging Minerva hin und machte einen Hirtenhund und eine Nachteule auf ihre Fahne.

(Diese Eule gab sie auch Athen.)

Der Hund, sagte sie, wacht über seinen Herrn und die Herde, die Nachteule wacht über das Feld, damit es nicht von den Mäusen zerstört wird.

(Mäuse-Löcher sind eine Gefahr für die Deiche.)

Aber der Hahn hat für niemanden Freundschaft und für seine Unzucht und Hochfahrenheit ist er oft der Mörder seiner nächsten Sippe geworden.

Als Synhed/ Kälta sah, dass ihr Werk (der gälische Hahn) verkehrt ausging, da kam sie vom Übel zum Ärgeren.

Im Stillen ließ sie die Magjaren zu sich kommen, um Zauberei zu lernen.

Als sie dem Genüge getan, warf sie sich selber in die Arme der Golen (Gallier).

Doch von nun allen diesen Missetaten konnte sie nicht besser werden.

Als sie sah, dass die Seeleute mehr und mehr von ihr wichen, da wollte sie sie durch Furcht gewinnen (wie falsche Religionen mit Höllenstrafen gegen Ungläubige).

War der Mond voll und die See ungestüm, dann lief sie über das wilde Meer, den Seefahrern zurufend, dass sie alle vergehen würden, so wenn sie sie nicht anbeten wollten.

(Luft- und Nebel-Spiegelungen?)

Fürder blendete sie ihre Augen; wodurch sie Wasser für Land und Land für Wasser hielten: dadurch ist manches Schiff untergegangen mit Mann und Maus.

(Jedes Schiff lockt Mäuse mit ihren Vorräten an.)

Die Rede der Kälta

Auf dem ersten Wehrfest, als alle ihre Landsassen gewappnet waren, ließ sie Tonnen Bier ausschenken.

In das Bier hatte sie Zaubertrank getan.

Alas nun das Volk betrunken war, stellte sie sich oben auf ihr Kampfross, mit ihrem Haupte gegen ihren Speer gelehnt.

Das Morgenrot konnte nicht schöner sein.

Da sie sah, dass alle Augen auf die gerichtet waren, öffnete sie ihre Lippen und kündete:

„Söhne und Töchter Fryas!

Ihr wisst wohl, dass wir in der letzten Zeit viel Gebrechen und Mangel glitten haben dadurch, dass die Seeleute nicht länger kommen, um unseren Schreibfilz zu verkaufen.

Aber ihr wisst nicht, wodurch es so gekommen ist.

Lange habe ich noch darob zurückgehalten, doch nun kann ich es nicht länger.

Hört denn, Freunde, auf dass ihr wissen möget, wonach ihr heischen sollt: an der anderen Seite der Schelde, wo man zumal Fahrt von allen Seen hat, da macht man heutigentags Schreibfilz aus Plumpenblättern.

Damit ersparen sie Leinen und können uns entbehren.

Nachdem nun das Machen von Schreibfilz allzeit unser größter Betrieb gewesen ist, so hat die Mutter gewollt, dass man es uns lassen solle.

Aber Minerva hat all das Volk verhext, da verhext, Freunde, gleich all unser Vieh, dass letzthin gestorben ist.

(Gleiches Motiv erklärte die Kirche als Grund zur Hexenjagd.)

Heraus muss es, ich will es euch erzählen.

Wäre ich nicht Burgmaid, ich würde es schon wissen: ich würde die Hexe in ihrem Nest verbrennen!“

Als sie die letzten Worte gesprochen hatte, sputete sie sich zu ihrer Burg (Leuchtturm auf Erderhöhung) hin.

Aber das betrunkene Volk war dermaßen erregt, dass es über die Sinne nicht mehr zu wachen vermochte.

In tollmütigem Eifer gingen sie über den Sandfall, und nachdem die Nacht mittlerweil sich nieder gesenkt hatte, zogen sie eben dreist auf die Burg los.

Doch Kälta verfehlte schon wieder ihr Ziel, denn Minerva, Ihre Maiden und die Lampe wurden alle von flinken Seeleuten gerettet.

Hierzu kommt die Geschichte von Ion

Jon oder Jan sind alles eines mit gegeben, doch das liegt an die Aussprache der Seeleute, die durch Gewohnheiten alles abkürzen, um fern und laut rufen zu können.

(Der Wind treibt nur Wortfetzen. Ion = Io entspricht dem eddischen Ve, Wodans Bruder. Latein: Iovis für Io-Pitar = Ios Vater, der Jupiter. Darasu biblisch Jah-ve und dt. „jovial“.)

Ion, das ist gegeben, war Seekönig, geboren zu Alderga, von der Flysee ausgefahren mit 127 Schiffen, zugerüstet für eine große Außenfahrt, reich beladen mit Brennstein (Bernstein), Zinn, Kupfer, Eisen, Laken, Leinen Filz, Frauenfell von Ottern, Biber und aus Hasenhaar.

Nun sollte er von hier noch Schreibfilz mitnehmen.

Doch als Io hier kam und sah, wie Kälta unsere ruhmreiche Burg zerstört hatte, da ward er so außermaßen zornig, dass er mit all seinen Seeleuten auf die Flyburg losging und daraufhin zum Widrgelt den roten Hahn setzte.

(Er brannte die Burg nieder.)

Aber durch seinen Schuldbeinacht und manchen seiner Leute wurden die Lampe und die maiden gerettet.

Doch Syrheid oder Kelta vrmochte sie nicht zu fassen.

(Syrheid ist wohl die zaubertreibende Heid der Edda, Völ. 21/22, wonach späte die Heiden benannt wurden.)

Sie kletterte auf die äußerste Zinne; jedweder glaubte, dass sie an der Lohe umkommen musste.

Doch was geschah?

Derweil all ihe Leute starr und steif vor Schrecken standen, kam sie schöner als zuvor auf ihrem Rosse zutage, rufend:

„Zu Kälteas Minhis.“

Da strömte das andere Scheldevolk zuhauf.

Als die Seeleute das sahen, riefen sie:

„Für Minerva wir!“

Ein Krieg ist dadurch entstanden, wodurch Tausende gefallen sind.

(Kelten spalteten sich von Germanen.)

In dieser Zeit war Rosamunde (Landes) Mutter.

Die hatte viel in Minne (Nächstenliebe) erstrebt um Frieden zu wahren.

Aber da es also arg kam, da machte sie es kurz.

Zur Stund sandte sie Boten durch die landpfähle (Grenzmarken) und ließ einen (all-) gemeinen Notbann künden.

Da kamen die Landwehrer aus allen Orten heran.

Das kämpfende Landvolk wurde gefasst; aber Ion barg sich mit seinen Leuten auf seine Flotte und nahm die beiden Lampen nebst Minerva und die Maiden von beiden Burgen mit.

Helprk, der Heermann, ließ ihn einbannen; aber derweil alle Wehrer noch jenseits der Schelde waren, fuhr Ion zurück nach der Flysee und fürder weiter nach unseren Inseln.

Seine Leute und viele unseres Volkes schifften Weib und Kinder ein und als Ion nun sah, dass man ihn und seine Leute als Missetäter strafen wollte, machten sie sich im Stillen davon.

Er tat recht, denn alle unsere Landleute und alles andere Scheldevolk, die gefochten hatten, wurden nach Bratland gebracht (verbannt).

Dieser Schritt war fehlgetan, denn nun kam der Anfang vom Ende.


P.S.

Friesisch ist eine eigenständige Sprache laut Duden, die sogar unter Schutz aussterbender Sprachen steht.

Unwissende Deutsche lachen, wenn sich heute Friesen mit „Moin! Moin!“ noch am Abend grüßen.

Sie meinen, die hätten „Guten Morgen“ gesagt.

Aber das Wort heißt in ihrer Redekargheit nur:

„schön!“

Im Holländischen sagt man „moei Maisje“ zum schönen Mädchen heute noch!

Infobox: Golan, Minerva und der Streit um die Seele des Volkes

Dieser Beitrag erzählt von einer Begegnung mit den Golan, von der Insel Mis-sella, von Minerva/Nyhellenia, Syrhed/Kälta und dem Seekönig Ion. Im Mittelpunkt steht ein Machtkampf zwischen Vertrauen, List, Handel, religiöser Verführung, Leuchttürmen, Symbolen und der Frage, wem ein Volk geistig folgt.

Minerva erscheint als heilende, wachsame und friedvolle Burgmaid. Ihre Zeichen — Hund und Nachteule — stehen für Schutz, Wachsamkeit und Fürsorge. Syrhed/Kälta dagegen wird als ehrgeizige, verführende und spaltende Gestalt gezeichnet, die mit Angst, Rausch, falscher Anklage und Hexenmotiv arbeitet.

Wichtiger Hinweis:
Die Ura-Linda-Chronik ist historisch und sprachwissenschaftlich stark umstritten. Manche betrachten sie als friesische Urüberlieferung, andere als spätere literarische Konstruktion. Dieser Beitrag sollte deshalb als heimatkundlich-spirituelle Deutung gelesen werden, nicht als gesicherte Geschichtsschreibung.

Redaktioneller Hinweis:
Einige Passagen enthalten alte, wertende Vorstellungen über Völker, Priester, Religion, Verführung, Herkunft und kulturelle Gegensätze. Für eine heutige Veröffentlichung empfiehlt sich eine klare Einordnung: Solche Texte sollten als mythologische, weltanschauliche und erzählerische Überlieferung betrachtet werden und nicht zur Abwertung heutiger Menschen, Religionen oder Kulturen dienen.

Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre

1. Oera-Linda-Book / Ura-Linda-Chronik
Zur direkten Beschäftigung mit Golan, Minerva, Nyhellenia, Kälta, Ion, Frya und den umstrittenen Überlieferungen.

2. Friesische Sprach- und Kulturgeschichte
Zur Einordnung von Friesland, friesischer Sprache, Küstenkultur, Inseln, Seefahrt und regionaler Identität.

3. Literatur zu Nehalennia
Zur Vertiefung der germanisch-römischen Göttin Nehalennia, ihrer Heiligtümer, Seefahrerbezüge und möglichen Verbindung zu Nyhellenia.

4. Die Edda — besonders Völuspa und Götterlieder
Zur Beschäftigung mit Heid, Loki, Sigyn, Walhall, Hähnen, Götterwelt und nordischen Symbolen.

5. Keltische und gallische Frühgeschichte
Zur kritischen Einordnung von Galliern, Kelten, Symbolen, Hahnenmotiven und europäischen Stammeserzählungen.

6. Phönizische Geschichte und Mittelmeerhandel
Zur Vertiefung von Sydon, Phönizien, Handel, Priesterkulten, Seewegen und kulturellen Kontakten.

7. Volkskunde zu Hexenmotiven und Verleumdung
Zur Frage, wie Angst, Rausch, Schuldzuweisung und Hexenvorwürfe in alten Erzählungen politische Wirkung entfalten.

8. Symbolgeschichte von Hund, Eule und Hahn
Zur Deutung von Wachsamkeit, Weisheit, Schutz, Feuergefahr, Morgenruf und religiösen Zeichen.

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