Die Ballade von Swyz und Sven

Bodhi Svaha! Sadhu!

Eine Wandersage von Aufbruch, Brüderbund und tragischem Streit

Die Ballade erzählt von einem nordischen Volk, das Hunger und Not zur Auswanderung zwingen. Unter der Führung der Brüder Swyz und Sven führt der lange Weg aus dem kalten Norden durch deutsche Lande bis an die Alpen. Was als gemeinsamer Aufbruch und Hoffnung auf eine neue Heimat beginnt, endet jedoch im Streit der beiden Brüder.

Die Verse verbinden Wandersage, Namensdeutung und Vorstellungen über die Herkunft der Schweiz zu einer tragischen Gründungserzählung über Zusammenhalt, Heimat, Macht und Bruderzwist.

1.

Doppelt lang und finster sind im Norden,
die eiskalten Nächte im Winter geworden.
Dann vernichtete Hagel die Frühjahrs-Saat,-
Hunger das ganze Volk erleiden tat.

2.

Die Landgemeinde unter der Teuerung
zwang das Jungvolk zur Auswanderung!
Fünftausend Leute ohne Güter und Haus
zogen zu den wärmeren Ländern aus.

3.

Fern dem Lande der Mitternachtssonne
brächten jedes Jahr drei Ernten, Glück und Wonne!
Süße Früchte statt Hagel, auf ihre Köpfe fallen,
dass war der Wunsch und Ansporn von Allen!

4.

Es gelobten sich, auf der weiten Reise,
Zusammenhalt ein jeder, leise.
Zwei Brüder führten den Haufen an,
keine Stärkeren man finden kann!

5.

Swyz und Sven, so hießen sie,
und raubten den Bauern, Saat und Vieh.
Der deutschen Fürsten Gegenwehr
widerstanden männlich die 2 Brüder.

6.

Ihnen wurden ihre Wege freigegeben,
damit sie sich schnell weiter fort bewegen.
Viele deutsche Gaue durchwanderten sie,
bis hinab zum Bodensee.

7.

Die Brüder hatten ausgemacht:
schlief der Eine, hielt der Andere die Wacht.
So wehten sie ab manche Gefahren,
wo immer sie auch waren!

8.

Von dort zogen sie über den kühlen Rhein
und sahen fern der Schneeberge Schein.
Sie eilten entgegen der felsigen Mauer
bis zum Bergsee, ein grauer.

9.

Ein Fischermann im Alpenglühen,
sahen sie dort seine Angeln ziehen.
„Fischer ! Fischer ! Fahr uns rüber !“
riefen ihm zu, die beiden Brüder.

10.

„Siedeln wir vor des Berges Füßen,
kannst du ewig unseren Schutz genießen!
Denn schöner als das kalte Schweden,
dünkts uns hier, wie im Garten Eden !“

11.

Und drunten im grünen Tal,
riefen die Brüder mit Widerhall:
„Hier wollen wir immer und ewig sein!“
Dann stießen sie ihre Speere in den Boden hinein!

12.

Jubelnd tanzte die ganze Schaar
vor das gelobte Brüderpaar.
Sie schlugen Holz, bauten Hütten,
bis sich die beiden Brüder stritten.

13.

Sie stritten sich sieben Tage
immer um die gleiche Frage:
wessen Namen soll das Neuland erhalten?
Und das sollte Liebe in Hass umgestalten!

14.

Zuerst stritten sie nur mit Wörter,
dann ergriffen sie ihre Schwerter!
Swyz versetzte Sven, den er einst hatte lieb,
im Morgengrauen den Todeshieb!

15.

Da riefen die nordischen Wandersleute:
„Swyz hat gesiegt, so heißt das Land ab heute!“
Wohlstand wuchs seit diesen Tagen
und dieser Name wurde auf alle Täler übertragen !

( W. Franzson )

P.S.

Die Legende der beiden schwedischen Brüder hat einen tieferen Kern. Schweden wird von „Swid-Thioda“ abgeleitet, wobei Swidur ein Name Odins ist, der im alten Wort „Schweiß“ für Blut ( Schweißhund=Bluthund) erhalten blieb. Das alte Wort „Thiod“ bedeutet „Nation“ ( Diuta, Diet: Volk. Deutschland=Land des Volkes). Schweden ist das Volk Odins. Der Namen Swyz führt uns zu den nordischen Volksstamm der Sueben, die südwestlich zogen und Schwaben ihren Namen gaben. Das schwäbisch-alemannische prägt noch heute die Schweizer Bevölkerung. Die Wandersage hat also einen sehr glaubwürdigen Inhalt.


Gedanken zur Ballade

Von der gemeinsamen Hoffnung zum Bruderzwist

Im Mittelpunkt stehen zunächst Not und Aufbruch: Hunger und schlechte Ernten treiben eine Gemeinschaft aus ihrer Heimat. Swyz und Sven erscheinen dabei als starke Brüder, die gemeinsam Verantwortung übernehmen und einander auf der gefährlichen Wanderung schützen.

Mit dem Erreichen des neuen Landes verändert sich jedoch die Erzählung. Nicht mehr das gemeinsame Überleben, sondern die Frage nach Ruhm und Namensgebung bestimmt das Handeln. Aus brüderlicher Verbundenheit entsteht Streit und schließlich tödliche Gewalt.

Dadurch erhält die Ballade eine zeitlose Aussage: Eine Gemeinschaft kann große äußere Gefahren gemeinsam überwinden – und dennoch an innerem Streit, Stolz und Machtanspruch zerbrechen.

Der abschließende P.S. erweitert die Ballade um die vom Autor vertretene sprachgeschichtliche und sagenkundliche Deutung der Namen Swyz, Schweden, Sueben und Schwaben.


 

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