Mitternächtliche Übereinkunft
Du sprachst zu mir telepathisch aber mit deiner Stimme süßem Klang.
Nicht mit „Rest-Energie“, sondern mit realer gegenwärtiger Substanz.
Dann kamst du Wochen später, als dein kranker Fleischleib bereits zu Asche war,– und erschienst mir in verklärter Schönheit.
Das war so real und du lächeltest, mir kommen die Tränen, denn so verabschieden Verstorbene sich bei ihren Hinterbliebenen ein letztes mal.
Zum zweiten mal fehlt oft ihnen ihre Kraft, aber dieses „eine mal“ genügte zum ewigen Dank.
Also sind die Seelen der Verstorbenen wirklich.
Nun sprach ich so, wie du zu mir gesprochen hattest, fest in Überzeugung.
Alles Andere wäre sinnlos auch.
Schweigen, und du rücktest mir meinen Gedanken zurecht:
„Sage nicht: du warst bei mir!
Sage doch: wir trafen uns!
Dann sprechen wir auf Augenhöhe voll Respekt, die Lebenden und die Verstorbenen!
„Das ist recht!“ statt: „Du hast Recht!“
Denn du fühlst so wie Ich,– und ich fühl so wie Du!“
Ohne Gefühl hätten wir keine Wahrnehmung!
Warum sollte ich mir etwas zu eigen machen, was wir gemeinsam haben!
Ich sah dich, da du mich noch sahst, so wie ich dich jetzt sehe tief in dein Verborgenes, das keins mehr ist.
Es gibt kein ich, nur ein Wir!
Überall ist das so, wer es erkennt ist selig.
Wir trafen eine Übereinkunft fürs kommende Leben, es mag wohl unser letztes sein?“
Nach diesem stimmlosen Geflüster konnte ich die ganze Nacht durchwachen, so wie Verstorbene auch nicht schlafen müssen!
Freitag den 21.8.26 Mitternacht.
Ein zum Erwachen Verdammter.
(Euer: Ihr wisst schon wer!)
Infobox: Begegnung, Trauer und das gemeinsame „Wir“
Dieser Sonntagstext schildert eine mitternächtliche innere Begegnung mit einer verstorbenen geliebten Person. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Wiedersehen, sondern eine feine Korrektur der Sprache: Nicht „du warst bei mir“, sondern „wir trafen uns“.
Damit verändert sich der Blick. Die Begegnung erscheint nicht als einseitiger Besuch aus dem Jenseits, sondern als gemeinsamer Raum zwischen Lebenden und Verstorbenen. Aus dem „Ich“ und „Du“ wird ein „Wir“.
Buddhistischer Gedanke:
Wenn alles miteinander verbunden ist, wird Besitzdenken auch in der Liebe stiller. Nicht „mein Erlebnis“, nicht „deine Erscheinung“, sondern ein gemeinsames Gewahrwerden. In solcher Betrachtung kann Trauer zu Dankbarkeit und Bindung zu Mitgefühl werden.
Hinweis für Leser:
Innere Stimmen, Erinnerungsbilder, Träume oder empfundene Nähe zu Verstorbenen können in der Trauer tröstlich sein. Wenn solche Erfahrungen Angst machen, Schlaf und Alltag stark belasten oder Verzweiflung auslösen, kann ein Gespräch mit einer vertrauten Person, Trauerbegleitung, Seelsorge oder therapeutischer Hilfe entlastend wirken.






