Von der Vergänglichkeit des Lebens und der Kostbarkeit der Liebe
Liebe gehört zu den ältesten Erfahrungen der Menschheit. Seit Jahrtausenden versuchen Dichter und Denker, jenes geheimnisvolle Band in Worte zu fassen, das Menschen miteinander verbindet. Die folgenden Verse werden einem unbekannten Dichter aus dem alten Lydien zugeschrieben und sollen bereits um 600 v. Chr. entstanden sein.
Ob die Überlieferung historisch exakt ist oder nicht – die Botschaft dieser Zeilen berührt bis heute: Das Leben ist vergänglich, die Zeit begrenzt und die Liebe kostbar. Wer liebt, sollte den Augenblick nicht achtlos verstreichen lassen.
Gerade aus buddhistischer Sicht erinnert uns dieses Gedicht an die Lehre von der Vergänglichkeit (Anicca). Nichts bleibt für immer bestehen. Deshalb gewinnt jeder liebevolle Blick, jedes gute Wort und jede Umarmung eine besondere Bedeutung.
Mögen wir die Menschen, die uns anvertraut sind, nicht erst dann schätzen, wenn die gemeinsame Zeit vorüber ist.
Komm, Lesbia, lasst uns leben und lasst uns lieben!
Und uns nicht darum kümmern, was vergrämte Menschen sagen!
Wenn die Sonne untergeht, wird sie wiederkehren –
doch wenn unsere schöne Zeit vergeht, ist für immer Nacht!
Gib mir tausend und abertausend Küsse!
Und wenn es so viele geworden sind,
lasst uns die Zahl vergessen –
so unendlich seien unsere Küsse!
(Unbekannter Dichter aus Lydien, um 600 v. Chr.?)
Anmerkung: Diese Verse werden häufig auch mit dem römischen Dichter Catull in Verbindung gebracht, dessen berühmtes Gedicht an Lesbia eine ähnliche Formulierung enthält. Die genaue Herkunft der Überlieferung ist daher nicht eindeutig geklärt.
Ein Gedanke für unsere Zeit
🌸 Liebe wartet nicht auf den richtigen Augenblick.
- Sagen Sie einem geliebten Menschen heute, was er Ihnen bedeutet.
- Schieben Sie Versöhnung nicht auf einen ungewissen Morgen.
- Kleine Gesten der Zuneigung sind oft wertvoller als große Worte.
- Die buddhistische Erinnerung an die Vergänglichkeit lädt uns ein, dankbar im Hier und Jetzt zu leben.
Denn die kostbarsten Augenblicke unseres Lebens sind selten die lautesten – sondern jene, in denen wir einander wirklich begegnen.






