Quantenphysik, Bewusstsein und die buddhistische Sicht auf Leben und Tod
Materie ist geballte Energie. Beide verhalten sich zueinander wie Elektrizität und Magnetismus: Sie ergänzen sich untrennbar. Andernfalls könnte man aus Materie auch in umgekehrter Richtung keine Energie gewinnen.
Mikroskopisch kleine Elektronen formen unseren Körper und bewegen sich in einem Universum, aus dem nichts verschwinden kann.
So wie es ein Energie-Erhaltungsgesetz gibt – denn wohin sollte Energie in einem geschlossenen Universum auch entschwinden? – richtet sich das Universum ebenso nach einem Informations-Erhaltungsgesetz.
Das Universum verfügt über ein kosmisches Bewusstsein, in welchem auch unser menschliches Bewusstsein einen Abdruck hinterlässt.
Bewusstsein ist kein Erzeugnis des Gehirns. Selbst die kleinsten kosmischen Teilchen, wie das Photon – das Lichtquant –, besitzen Bewusstsein.
Die Quantenphysik habe dies durch Superpositionen, Verschränkungen, Tunnelungen und Zeitradierungen kleinster Teilchen gezeigt.
Der wissenschaftliche Beobachter veranlasst durch den Akt der Beobachtung eine Potentialität zur Aktualität.
Das bedeutet: Ein beobachtetes Quant weiß, dass es beobachtet wird, und reagiert entsprechend darauf, welche seiner Möglichkeiten verwirklicht wird.
Dies wird als Hinweis verstanden, dass Bewusstsein nicht vom Gehirn abhängig ist.
Selbst unsere grobe Materie besteht zu 99 Prozent aus leerem Raum. Ein Blick auf die Atomstruktur oder den Sternenhimmel verdeutlicht dies.
Alles vibriert in einem Ozean von Wahrscheinlichkeiten – den unsichtbaren Quantenfeldern.
Die uns als fest erscheinende Materie existiert aufgrund der Abstoßungskräfte von Elektronen.
Die Elektronenhüllen der Atome verhindern sogar, dass wir einen Bleistift tatsächlich berühren. Zwischen unseren Fingern und dem Bleistift befindet sich stets ein elektrisches Feld.
Jede Hausfrau kennt den Effekt, wenn sie einen Einkaufswagen anfasst und einen kleinen elektrischen Schlag erhält. Dieser entsteht durch überschüssige elektrische Ladungen.
So erscheint auch der Tod lediglich als eine sanfte Transformation von Energie.
Die festen Bindungen lösen sich auf, der Körper zerfällt, die thermische Energie verteilt sich.
Doch das Universum verlangt nach Gleichgewicht.
Drehimpulse, sogenannte Spins, werden nicht vernichtet, sondern übertragen oder umgewandelt.
Dies gilt sowohl für ferne Galaxien als auch für die kleinsten Monaden, die manche Traditionen als „Seelenatome“ bezeichnen.
Die Information des Bewusstseins kann nicht einfach ausgelöscht werden.
Die Geschichte unserer Existenz bleibt als subtile Signatur im Quantenfeld des Universums erhalten.
Es gibt elektrische Felder, Magnetfelder und Gravitationsfelder.
Die Quantenfelder aber könnten jene Schattenwelt sein, von der bereits die alten Griechen sprachen.
Nach dem Tod wandelt sich ein Teil der Materie in Energie um.
Elektronen wechseln ihre Zustände und senden Photonen aus, die Informationen mit Lichtgeschwindigkeit weitertragen.
Die Signatur einer Existenz reist mit dem Licht.
Licht kennt weder Ruhe noch Zeit in unserem gewohnten Verständnis.
Jede quantenmechanische Entwicklung spaltet das Universum in Möglichkeiten auf.
Jeder mögliche Ausgang eines Ereignisses verwirklicht sich in einem eigenen Zweig der Realität.
Diese Vorstellung wird als Multiversum bezeichnet.
Daraus erklärt sich, warum Buddhisten der Achtsamkeit eine so große Bedeutung beimessen.
Jede Entscheidung ist eine Weggabelung und trägt karmische Folgen in sich.
Die physische Form mag vergehen, doch das Bewusstsein setzt seine Kontinuität fort.
Wenn ein Stern kollabiert, entstehen aus seinen Überresten neue Sterne.
Ebenso geschieht es mit der Kette der Wiedergeburten.
Selbst ein Schwarzes Loch kann Informationen möglicherweise nicht vollständig vernichten.
Am Ereignishorizont verbleiben Informationen, die in Form von Strahlung wieder ins Universum gelangen.
Wenn das biologische Muster endet, wirken die zugrunde liegenden Wellen weiter.
Sie interagieren mit dem Quantenvakuum und bilden neue Interferenzen.
Der Mensch bleibt dadurch Teil der Natur.
Die Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem löst sich auf.
Der Beobachter formt den Kosmos.
Darin sehen manche auch den tieferen Sinn des Gebets.
Das Kleinste wird zum Mitgestalter des Größten.
Aus Einzellern entstanden Vielzeller, aus ihnen schließlich der Mensch.
Gott wäre demnach nicht das Universum selbst, sondern das erste Quant.
Diese Überlegung erscheint mit den Lehren Buddhas vereinbar.
Die Quantenverschränkung verbindet Teilchen über jede Entfernung hinweg.
Wo zwei Photonen verschränkt sind, beeinflussen sie einander unabhängig von Raum und Zeit.
So könnten auch zwei eng verbundene Menschen den Schleier zwischen Diesseits und Jenseits leichter durchdringen.
Jede Begegnung schafft neue Verbindungen.
Unsere dreidimensionale Welt kennt Länge, Breite und Höhe.
Mit Einsteins Raumzeit kommt die Zeit als vierte Dimension hinzu.
Esoterische Lehren sprechen darüber hinaus von einer fünften Dimension.
Man kann sich Dimensionen wie Tonlagen vorstellen.
Tiere hören Frequenzen, die wir nicht wahrnehmen.
Fledermäuse orientieren sich über Echo-Ortung.
Zugvögel nutzen Magnetfelder.
Diese Dinge existieren, auch wenn unsere Sinne sie nicht erfassen.
Ebenso könnte es Bereiche der Wirklichkeit geben, die sich unserer Wahrnehmung entziehen.
Lebewesen, deren Schwingungsfrequenz sich stark von der unseren unterscheidet, wären für uns möglicherweise unsichtbar.
Das wäre der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und jener der Verstorbenen.
Sollte die Ausdehnung des Universums einst in einem Kältetod enden, könnten die Quantenfelder eine erneute Kontraktion und schließlich einen neuen Urknall hervorbringen.
Auch Buddha sprach vom Kreislauf des Weltentstehens und Weltvergehens.
Wer diese Schlussfolgerungen akzeptiert, benötigt keine Vermittler zwischen Diesseits und Jenseits.
Wer seine Ahnen vergisst, wird von seinen Nachkommen ebenfalls vergessen.
Wer seine Ahnen nicht ehrt, ist auch ihrer Verehrung nicht wert.
Infobox – Weiterführende Literatur
Empfohlene Literatur zu Quantenphysik, Bewusstsein und Buddhismus
- Die Welt als holographisches Universum
- Das Tao der Physik
- Die Physik des Bewusstseins
- Dhammapada
- Literatur über Quantenfeldtheorie und Kosmologie
- Werke über Wiedergeburt und buddhistische Philosophie
- Forschungen zur Beziehung von Bewusstsein und Physik






