Die ersten Tage des Erwachten und die Entstehung der Lehre
1. Bodhikathā — Die Erwachung
Ehre dem Erhabenen, Heiligen, vollkommen Erwachten
Von der Erwachung bis zur Ordensentstehung
Zu jener Zeit weilte der Erhabene am Fuße des Bodhi-Baumes in Uruvelā am Ufer des Flusses Nerañjara, gerade eben vollkommen erwacht. So saß der Erhabene am Fuße des Bodhi-Baumes sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Am Beginn des ersten Nachtabschnittes durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rückwärts die Kette des bedingten Entstehens:
Es entsteht in Abhängigkeit von:
Unwissen — Aktivitäten,
von Aktivitäten — Bewusstsein,
von Bewusstsein — Körper und Geist,
von Körper und Geist — sechsfacher (Sinnen)bereich,
vom sechsfachen (Sinnen)bereich — Berührungen,
von Berührungen — Gefühl,
von Gefühl — Durst,
von Durst — Ergreifen,
von Ergreifen — Werden,
von Werden — Geburt,
von Geburt — Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung.
In dieser Weise entsteht diese ganze Masse von Leid.
Durch die restlose Auflösung und Vernichtung der Unwissenheit lösen sich die Aktivitäten auf,
durch die Auflösung der Aktivitäten löst sich das Bewusstsein auf,
durch die Auflösung des Bewusstseins lösen sich Körper und Geist auf,
durch die Auflösung von Körper und Geist löst sich der sechsfache (Sinnen)bereich auf,
durch die Auflösung des sechsfachen (Sinnen)bereiches löst sich die Berührung auf,
durch die Auflösung der Berührung löst sich das Gefühl auf,
durch die Auflösung des Gefühls löst sich der Durst auf,
durch die Auflösung des Durstes löst sich das Ergreifen auf,
durch die Auflösung des Ergreifens löst sich das Werden auf,
durch die Auflösung des Werdens löst sich die Geburt auf,
durch die Auflösung der Geburt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf.
In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:
Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen
wirklich die Wahrheit entsteht,
dann schwinden ihm die Zweifel alle,
denn er schaut das Gesetz der Bedingtheit.
Dann im mittleren Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rückwärts die Kette des bedingten Entstehens: Es entsteht in Abhängigkeit von:
Unwissen — Aktivitäten,
von Aktivitäten — Bewusstsein,
von Bewusstsein — Körper und Geist,
von Körper und Geist — sechsfacher (Sinnen)bereich,
vom sechsfachen (Sinnen)bereich — Berührungen,
von Berührungen — Gefühl,
von Gefühl — Durst,
von Durst — Ergreifen,
von Ergreifen — Werden,
von Werden — Geburt,
von Geburt — Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung.
In dieser Weise entsteht diese ganze Masse von Leid.
Durch die restlose Auflösung und Vernichtung der Unwissenheit lösen sich die Aktivitäten auf,
durch die Auflösung der Aktivitäten löst sich das Bewusstsein auf,
durch die Auflösung des Bewusstseins lösen sich Körper und Geist auf,
durch die Auflösung von Körper und Geist löst sich der sechsfache (Sinnen)bereich auf,
durch die Auflösung des sechsfachen (Sinnen)bereiches löst sich die Berührung auf,
durch die Auflösung der Berührung löst sich das Gefühl auf,
durch die Auflösung des Gefühls löst sich der Durst auf,
durch die Auflösung des Durstes löst sich das Ergreifen auf,
durch die Auflösung des Ergreifens löst sich das Werden auf,
durch die Auflösung des Werdens löst sich die Geburt auf,
durch die Auflösung der Geburt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf.
In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:
Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen
wirklich die Wahrheit entsteht,
dann schwinden ihm die Zweifel alle,
denn er schaut das Gesetz der Auflösung.
Dann im letzten Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rückwärts die Kette des bedingten Entstehens: Es entsteht in Abhängigkeit von:
Unwissen — Aktivitäten,
von Aktivitäten — Bewusstsein,
von Bewusstsein — Körper und Geist,
von Körper und Geist — sechsfacher (Sinnen)bereich,
vom sechsfachen (Sinnen)bereich — Berührungen,
von Berührungen — Gefühl,
von Gefühl — Durst,
von Durst — Ergreifen,
von Ergreifen — Werden,
von Werden — Geburt,
von Geburt — Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung.
In dieser Weise entsteht diese ganze Masse von Leid.
Durch die restlose Auflösung und Vernichtung der Unwissenheit lösen sich die Aktivitäten auf,
durch die Auflösung der Aktivitäten löst sich das Bewusstsein auf,
durch die Auflösung des Bewusstseins lösen sich Körper und Geist auf,
durch die Auflösung von Körper und Geist löst sich der sechsfache (Sinnen)bereich auf,
durch die Auflösung des sechsfachen (Sinnen)bereiches löst sich die Berührung auf,
durch die Auflösung der Berührung löst sich das Gefühl auf,
durch die Auflösung des Gefühls löst sich der Durst auf,
durch die Auflösung des Durstes löst sich das Ergreifen auf,
durch die Auflösung des Ergreifens löst sich das Werden auf,
durch die Auflösung des Werdens löst sich die Geburt auf,
durch die Auflösung der Geburt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf.
In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:
Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen
wirklich die Wahrheit entsteht,
dann steht er da die Heere des Todes vernichtend,
wie die Sonne den Himmel erleuchtend.
Ende der Erzählung von der Erleuchtung.
2. Ajapālakathā — Unter der Ziegenhüterfeige
Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuß des Bodhi-Baumes zum Feigenbaum namens „Ziegenhüter“. Dort am Fuße des Feigenbaumes „Ziegenhüter“ saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Da kam zum Erhabenen ein gewisser (mürrischer) Brahmane, begrüßte sich mit dem Erhabenen freundlich, und nachdem er freundliche und höfliche Worte ausgetauscht hatte, stellte er sich beiseite hin. Dort stehend sprach jener Brahmane zum Erhabenen also:
„In welcher Hinsicht, Freund Gotama, ist man Brahmane, welches sind die den Brahmanen ausmachenden Eigenschaften?“
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:
„Der Brahmane, der sich fernhält von unheilsamen Dingen, nicht überheblich, frei von Unreinheiten, selbstbeherrscht ist, die vollkommene Weisheit erreicht hat, der den Reinheitswandel beherrscht, dieser Brahmane darf sich mit Recht Brahmane nennen, in ihm ist kein weltlicher Stolz mehr.“
Ende der Erzählung vom (Feigenbaum) „Ziegenhüter“.
3. Mucalindakathā — Mucalindo
Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuß des Feigenbaumes „Ziegenhüter“ zum Mucalinda-Baum. Dort am Fuße des Mucalindabaumes saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Gerade zu jener Zeit bildete sich eine große, unzeitgemäße Gewitterwolke, die sieben Tage Regen brachte, Kälte, Wind und schlechtes Wetter. Da kam der Nāgakönig Mucalinda aus seinem Wohnsitz, umschlang den Körper des Erhabenen mit sieben Windungen seines Leibes und breitete über dem Kopf des Erhabenen seine große Haube aus.
So stand er:
„Möge dem Erhabenen nicht kalt sein, möge dem Erhabenen nicht heiß sein, möge dem Erhabenen keine Berührung sein mit Bremsen, Moskitos, Wind, Sonnenhitze und Kriechtieren.“
Nach sieben Tagen sah dann der Nāgakönig Mucalinda, dass die Wolken und der Regen verschwunden waren; nachdem er die Windungen vom Körper des Erhabenen abgewickelt hatte, gab er seine Schlangengestalt auf, schuf die Gestalt eines jungen Mannes und stand vor dem Erhabenen, ihn ehrend mit zusammengelegten Händen.
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:
„Freude ist die Loslösung bei einem Zufriedenen, der die gehörte Wahrheit erschaut.
Freude ist Haßlosigkeit in der Welt und Nichtverletzung der Lebewesen.
Freude ist Gierlosigkeit in der Welt, sich befreien von Begierden.
Die Beseitigung der ‚Ich bin‘-Einbildung, das ist fürwahr höchstes Wohl.“
Ende der Erzählung von Mucalinda.
4. Rājāyatanakathā — Der Königstättenbaum
Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuße des Mucalindabaumes zum Baum „Königsstätte“. Dort am Fuße des Baumes „Königsstätte“ saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Zu jener Zeit gingen die Kaufleute Tapussa und Bhallika aus Ukkala in jene Richtung, wo der Erhabene saß. Da sagte eine blutsverwandte Gottheit der Kaufleute Tapussa und Bhallika den beiden folgendes:
„Meine Herren, der Erhabene weilt am Fuße des Baumes Königsstätte, gerade eben vollkommen erwacht. Zu jenem Erhabenen gehet und ehret ihn mit Reiskuchen und Honigkugeln, dies wird für euch lange Zeit Wohl und Freude sein.“
Da gingen die Kaufleute Tapussa und Bhallika, Reiskuchen und Honigkugeln genommen habend, zum Erhabenen. Dort beim Erhabenen ehrten sie ihn und stellten sich beiseite.
Beiseite stehend sagten die Kaufleute Tapussa und Bhallika zum Erhabenen folgendes:
„Oh Ehrwürdiger, möge der Erhabene von uns den Reiskuchen und die Honigkugeln annehmen, damit für uns lange Zeit Wohl und Freude sein wird.“
Da kam dem Erhabenen dieser Gedanke:
Nicht mit den Händen nehmen die Vollendeten etwas an. Worin sollte ich jetzt Reiskuchen und Honigkugeln annehmen?
Die vier Himmelskönige erkannten in ihrem Geist den Gedankengang des Erhabenen. Sie überreichten aus den vier Himmelsrichtungen dem Erhabenen vier Almosenschalen aus Stein:
„Oh Ehrwürdiger, möge der Erhabene hierin Reiskuchen und Honigkugeln annehmen.“
Der Erhabene nahm die neuen aus Stein gemachten Almosenschalen an, nahm die Reiskuchen und Honigkugeln an und aß sie.
Da sahen die Kaufleute Tapussa und Bhallika, dass der Erhabene seine Hände von der Almosenschale zurückgenommen hatte. Sie neigten den Kopf zu den Füßen des Erhabenen und sagten folgendes:
„Wir, oh Erhabener, nehmen unsere Zuflucht zum Erhabenen und zur Lehre; als Laienanhänger möge uns der Erhabene betrachten von heute ab für die ganze Lebenszeit.“
Diese beiden waren auf der Welt die ersten Laienanhänger, die zweifache Zuflucht nahmen (nämlich beim Buddha und bei der Lehre, den Sangha gab es ja noch nicht).
Ende der Erzählung vom Baum „Königsstätte“.
Leserfrage
Was bedeutet für Sie persönlich „Erwachen“ – ein spiritueller Zustand oder ein bewusster Blick auf das eigene Leben?
Weiterführende Literaturtipps
- Dhammapada
- Die Lehrreden des Buddha
- Was der Buddha lehrte
- Der edle achtfache Pfad
- Einführung in den Buddhismus






