Über Blindgläubigkeit und Erleuchtungsreligion

Bodhi Svaha! Sadhu!

Zwischen Dogma, Wahrheitssuche und dem Weg zur inneren Erkenntnis

Religion kann Orientierung geben – oder in die Irre führen.
Zwischen Glauben und Blindgläubigkeit verläuft eine feine, aber entscheidende Grenze: die Bereitschaft, Irrtümer zu erkennen und zu korrigieren.
Dieser Blog-Beitrag beleuchtet kritisch religiöse Entwicklungen, historische Widersprüche und spirituelle Gemeinsamkeiten – und stellt die Frage, ob wahrer Religionsfrieden nicht erst dort beginnt, wo Erkenntnis über Dogma gestellt wird.


 

Irrtum ist menschlich, aber auf Irrtum bestehen ist sündhaft!
Dieses soll der Leitspruch aller wahren, tugendhaften Menschen sein!

Wer auf einen Irrtum oder Irrglauben seine Zukunft oder sein Einkommen errichtet und sich dessen bewusst ist, dem unterstelle ich sogar Arglist, weil er sich und andere betrügt.

Ich hatte mich einmal mit einem sehr ehrlichen Mennoniten-Funktionär unterhalten, der große Ehrfurcht vor meinem buddhistischen Glauben zeigte und ganz stolz darauf war, dass auch eine führende Buddhistin an seiner ökumenischen Agenda teilnimmt.

Dazu möchte ich meine persönliche Einstellung erklären:

Ökumene“ ist ein griechischer Ausdruck, der den ganzen „belebten Weltraum“ bedeutet.
Die christlichen Großkirchen bedienen sich dieses Begriffes, um ein Zusammenwirken unter dem Kernglauben an Jesus als Gott bzw. Gottes Sohn zu erreichen.

Sowohl der Islam als auch der Buddhismus schließen ein solches Bestreben aufgrund der kirchlichen Dogmatik aus.

Wir abendländischen Buddhisten erkennen hingegen Reinkarnationsgedanken im Koran und im Neuen Testament wieder:
– Allah verbannt sündhafte Menschen in Tierkörper
– Jesus bezeichnet Johannes als Wiedergeburt des Propheten Elias
– Nikodemus wird die Wiedergeburt im Körper anderer Mütter erklärt

Doch gleichzeitig arbeitet der Vatikan an einer weltweiten Rekatholisierung – ein Widerspruch, der Fragen aufwirft.

Wie kann eine Weltreligion wie der Hinduismus an einer Ökumene teilnehmen, wenn sie in der Bibel bekämpft wird?

Wir verstehen unter religiöser Zusammenarbeit nicht diese Form der Ökumene, sondern den gegenseitigen Respekt gegenüber allen Religionen – samt ihrer Irrtümer.

Ein gläubiger Mensch, der aus Gottesfurcht nichts Böses tut, ist mir lieber als ein Atheist mit bösen Absichten.

Der Titel „Buddha“ bedeutet „der Erleuchtete“.
Der Buddhismus ist eine Erleuchtungsreligion – doch mit der Ausbreitung sank die Zahl wahrhaft Erleuchteter.

So entstanden zwei Wege:
Hina-Yana – der Weg der Selbsterlösung
Maha-Yana – der Weg mit Hilfe der Bodhisattvas

Wahre Ökumene müsste alle Religionen vereinen – doch das gelingt nur durch Wahrhaftigkeit statt Blindgläubigkeit.

Erleuchtete korrigieren Irrtümer.
Alles andere ist blinder Aktionismus.

Selbst im ältesten Evangelium des Markus findet sich kein Wort über Jungfrauengeburt oder Auferstehung.
Die Evangelien wurden erst 100–300 Jahre nach Christus verfasst.

König Herodes lebte übrigens vor Christi Geburt.

Die Unvereinbarkeit der Religionen entstand durch patriarchale Strukturen, die ältere Mutterkulte verdrängten.

Der ursprüngliche Jahwe-Glaube war nicht rein monotheistisch.
Er kannte eine göttliche Partnerin: Aschera.

Sie wurde als Muttergöttin verehrt – mit Symbolen der Fruchtbarkeit und Natur.

Später zerstörten monotheistische Strömungen ihre Kultstätten (Asherim).

Archäologische Funde belegen jedoch Segenssprüche wie:
„Gesegnet seist du durch Jahwe und durch seine Aschera.“

Diese Funde stammen u. a. aus der Sinai-Wüste und der Region westlich des Toten Meeres.

Auch im Koran finden sich Hinweise auf weibliche Aspekte des Göttlichen, die später verworfen wurden.

Der Begriff Elohim bedeutet ursprünglich „Götter“ – ein Hinweis auf einen pluralistischen Ursprung.

Parallelen finden sich im Hinduismus, im germanischen Glauben und in der nordischen Mythologie.

Die Frühlings- und Auferstehungsmythen spiegeln sich in vielen Kulturen:
Osiris in Ägypten
Mithras in Rom
Ostara im germanischen Raum

Diese Zusammenhänge zeigen:
Religion ist ein historisch gewachsener Spiegel menschlicher Deutung.

Erst durch das Erkennen dieser Verbindungen kann wahrer Religionsfrieden entstehen.


 

Buddhistische Überlegung

„Glaube nicht, weil es geschrieben steht – prüfe selbst.“

Diese Lehre aus der buddhistischen Tradition erinnert daran, dass Wahrheit nicht durch Autorität entsteht, sondern durch Erkenntnis.

Blindgläubigkeit bindet den Geist –
Erkenntnis befreit ihn.

Der Weg zur Erleuchtung beginnt dort, wo der Mensch bereit ist,
selbst seine tiefsten Überzeugungen zu hinterfragen.

Nicht das Festhalten an Lehren führt zur Wahrheit,
sondern das Durchschauen aller Lehren.

Weiterführende Literatur

  1. Karen ArmstrongDie Geschichte Gottes
    Überblick über die Entwicklung der Gottesvorstellungen in Judentum, Christentum und Islam.
  2. Jan AssmannMoses der Ägypter
    Analyse der Entstehung des Monotheismus und seiner Konflikte.
  3. Mircea Eliade – Geschichte der religiösen Ideen
    Umfassende Darstellung religiöser Entwicklungen weltweit.
  4. Kalama Sutta
    Lehrrede über kritisches Denken und das Prüfen von Glaubensinhalten.
  5. Joseph CampbellDie Macht des Mythos
    Über die universellen Strukturen religiöser Erzählungen.

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