Unser Wort zum Sonntag XIX

Bodhi Svaha! Sadhu!

Ich will kein Gespenst sein

Mein erster Qigong-Kursus nach den Sommerferien füllte mich mit neuen Energien.

Ich wusste allmählich, welche Berührungen meines Körpers welche inneren Organe aktivieren sollen.

Besonders bei der Ohrmassage horchte ich auf, als der Leiter erklärte, dass die „alten Chinesen“ im Ohr alle inneren Organe auf engem Raum konzentriert erkannten.

Er würde später deren genaue Akupunktur-Stellen dort zeigen.

Für unsere Akupressur reichen die Kontakte mit unseren empfindlichen Fingerspitzen aus.

In den Fingerspitzen laufen ja die meisten feinen Nerven zusammen.

 

Erinnerungen an das Krankenbett

Als Sterbebegleiter am Klinikbett meiner lieben Frau erklärten mir die immer flüsternden jungen Schwestern, dass ich zu meiner Frau immer reden sollte.

Auch unter starkem, schmerzstillendem Morphium könne das Gehör Sterbender noch lange erhalten bleiben.

Meine Frau dankte es mir.

Also magnetisierte und elektrisierte ich jetzt meinen Körper, unterstützt durch den elektromagnetischen Gedankendruck meiner Willenskraft, vollkommen motiviert zur abendlichen Teelicht-Meditation.

Und aus dieser anschließenden Gedanken-Flat-Line sprach meine verstorbene Frau wie folgt in mir:

 

„Ich will kein Gespenst sein“

„Du sehnst Dich nach meiner erneuten bildlichen Erscheinung, wie alle Hinterbliebenen es tun.

Kurz nach meinem Übertritt in diese, meine jetzige Dimension, war ich noch mental materiell behaftet und meine hiesigen Seelenverwandten gaben mir doppelte Kraft zur optischen Materialisation.

Jetzt müsste ich dazu mehr Energie aufbringen und würde Dich wieder in Trauer zurücklassen.

Wenn hier unser Wunsch und unsere Energieabgabe nach Vollkommenheit zur Materialisation erblasst, verblassen auch unsere äußerlichen Konturen.

Und dann erschrecken sich Hellsichtige vor uns als Gespenster.

Lasst uns telepathisch weiterhin verbunden bleiben.

So einträchtig, wie wir zu gemeinsamen Lebzeiten es waren und uns in Jenseitskontakten versuchten.

Jetzt hast Du den Bogen selber herausgefunden.

Und sei Dir stets bewusst, dass ich immer noch nicht von Dir fortgegangen bin, weil es mir nicht von Dir verboten wird.

Bist Du glücklich, warum sollte ich mich nicht darüber freuen?

So wirke ICH auch hier gutes Karma.

Das ist DEIN gutes Karma!

Lasse es Dir in Deiner materiellen Welt nicht ausreden, solange Du keine neue Beziehung eingehst.

Das musst Du auch nicht.

Denn glaubst Du, in der Dir jetzt noch verbliebenen Zeit eine so gewaltige Umstellung durchstehen zu können?

Deine Luftküsse empfinde ich wie einen warmen Sommerwind!“

 

Das innere Lächeln

Mein Qigong-Lehrer fordert uns vor jedem Beginn auf, innerlich zu lächeln.

Und so wichen meine Tränen einem innerlichen Lächeln.

(Euer Spökenkieker)

Infobox: Zwischen Trauer, Meditation und innerer Verbindung

Dieser Sonntagstext verbindet drei Ebenen:

Qigong und Körperwahrnehmung,
Erinnerung an die Sterbebegleitung
und eine sehr persönliche innere Zwiesprache mit der verstorbenen Ehefrau.

Gerade in Trauerzeiten berichten Menschen immer wieder davon, die verstorbene Person innerlich zu hören, zu spüren oder in Gedanken mit ihr zu sprechen.

Solche Erfahrungen können sich sehr wirklich, tröstlich und liebevoll anfühlen.

Wichtig:
Ob es sich dabei tatsächlich um eine Kommunikation mit Verstorbenen handelt, lässt sich wissenschaftlich nicht sicher feststellen.

Als persönliche Trauererfahrung können solche inneren Dialoge dennoch eine tiefe Bedeutung besitzen.

 

Das Gehör am Lebensende

Es gibt medizinische Hinweise darauf, dass Hörverarbeitung bis sehr spät im Sterbeprozess erhalten bleiben kann.

Deshalb ist es sinnvoll und menschlich, mit sterbenden Angehörigen weiterhin ruhig und liebevoll zu sprechen, auch wenn sie nicht mehr antworten können.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede gehörte Information noch bewusst verarbeitet wird.

Der Rat der Pflegekräfte, weiterzusprechen, ist trotzdem ein schöner und tröstlicher Gedanke:

Nähe braucht nicht immer eine Antwort.

Qigong und das „innere Lächeln“

Das innere Lächeln ist eine schöne Qigong-Idee.

Es richtet Aufmerksamkeit weg von Verkrampfung und hin zu Freundlichkeit gegenüber dem eigenen Körper.

Man muss dabei nicht äußerlich lachen.

Es genügt, sich innerlich weich werden zu lassen.

Vielleicht liegt gerade darin die stärkste Verbindung dieses Textes:

Aus Trauer wird kein Vergessen.

Aber aus Trauer kann allmählich ein stilles, inneres Lächeln werden.


Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre

1. Literatur über Trauer und fortdauernde Bindungen
Zur Frage, wie Beziehungen zu verstorbenen Menschen innerlich weiterbestehen können.

2. Qigong und innere Sammlung
Über Atem, Körperwahrnehmung, Akupressur und das innere Lächeln.

3. Sterbebegleitung und Kommunikation am Lebensende
Zur Bedeutung von Stimme, Berührung, Nähe und ruhiger Ansprache.

4. Buddhistische Texte über Vergänglichkeit
Zur Beschäftigung mit Anicca, Abschied und der Veränderlichkeit aller Dinge.

5. Karma und Mitgefühl
Zur buddhistischen Vorstellung, dass heilsames Handeln auch im Umgang mit Trauer eine Wirkung entfalten kann.

6. Meditation bei Verlust und Trauer
Für Menschen, die innere Ruhe suchen, ohne ihre Erinnerungen verdrängen zu wollen.

7. Nahtoderfahrungen und Jenseitsvorstellungen
Als vergleichende Literatur über außergewöhnliche Erfahrungen an der Grenze von Leben und Tod.

8. Biografiearbeit nach dem Tod eines geliebten Menschen
Zur bewussten Erinnerung an gemeinsame Jahrzehnte, Gespräche, Gesten und kleine Rituale.

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