Eine persönliche Erfahrung über Abschied, Verbundenheit und die Suche nach Zeichen aus einer anderen Daseinsebene
Auf dumme Fragen folgen bekanntlich dumme Antworten. Das musste ich erfahren, als ich meine verstorbene Ehefrau aufforderte, etwas zu mir – im Geiste – zu sagen.
Wieder machte ich mein Gehirn von Gedanken frei und lauschte auf ihre Antwort.
Nach einer Weile des Schweigens erinnerte ich mich daran, dass meine Frau zu ihren Lebzeiten in einem solchen Fall oft mit einer Gegenfrage geantwortet hätte:
„Was soll ich denn sagen?“
In unseren 56 Ehejahren hatten wir schließlich alles gemeinsam erlebt. Hätte ich gewusst, was sie sagen sollte, hätte ich ja nicht fragen brauchen.
Insofern scheint das Narrativ von den dummen Fragen durchaus seine Berechtigung zu haben.
Also formulierte ich meine Frage neu:
„Schatzi! Könntest Du mir denn sagen, wie es Dir geht?“
Diesmal brauchte ich nicht lange auf eine Antwort zu warten.
Schon nach einem Atemzug sprach sie in völliger Ruhe in meinem Hinterkopf:
„Wir leben in einer schmerzfreien Aura mit klarem Bewusstsein und eigenem Willen. Wir haben verstanden, warum unsere Daseinsebenen getrennt sein müssen.
Hier ist kein Platz für irdische Machthaber, und wir sind eure wirklichen Schutzengel, wie man auf eurer Seite des Vorhangs sagen würde.
Wir können jedoch nur versuchen, günstig auf eure Gedanken einzuwirken. Das Schicksal selbst ist euch vorbestimmt.
Ich freue mich über unsere Unterhaltungen, für die wir gemeinsam während unserer Ehe den Samen gelegt hatten.“
Ja, wir hatten gemeinsam eine lange Strecke der Sinnsuche zurückgelegt, bis wir im Buddhismus einen Lebensanker fanden, der nach unserem Verständnis vermeidbaren Schaden ausschließt.
Zweifel an unserem gemeinsamen Weg wurden durch meinen „Schutzengel“ schnell entkräftet.
Zuletzt wünschte ich mir ein weiteres Lebenszeichen von ihr.
Und tatsächlich lag am Abend ihr Seidenschal auf meinem aufgewühlten Federbett, das ich gerade zum Schlafengehen herrichten wollte.
Wie konnte er von ihrem inzwischen unberührten Bett dorthin gelangt sein?
Er lag doch sonst immer auf ihrem Kopfkissen, wo ich gelegentlich noch den vertrauten Duft ihres Parfüms wahrnahm.
Leute, liebt Eure Toten.
Zur heidnischen Zeit wurden die Verstorbenen niemals vollständig von ihren Hinterbliebenen getrennt gedacht.
Vielleicht bleibt die Verbundenheit auch dann bestehen, wenn unsere Augen sie nicht mehr sehen können.
Infobox – Weiterführende Literatur
Empfohlene Literatur zu Trauer, Jenseitsvorstellungen und spiritueller Verbundenheit
- Das Tibetische Totenbuch
- Die Lehre Buddhas
- Carl Gustav Jung – Werke über Synchronizität und innere Erfahrung
- Literatur über Trauerbewältigung und Erinnerungskultur
- Forschungen zu spirituellen Erfahrungen und Nahtoderlebnissen
- Werke über Ahnenverehrung in europäischen und asiatischen Traditionen






