Der Brocken zwischen Naturphänomen, Heidentum, Hexensage und Aufklärung
Zweifellos ist der Brocken im Harz, Deutschlands heiligster Berg. Unsere heidnischen Vorfahren, die ihn bestiegen, erlebten seine Anomalien real und verehrten dort ihre alten Naturgottheiten.
Die heidnischen Priesterinnen waren vom Volk beliebte Heilerinnen die hinter ihren Hecken Heilkräuter „hegten“ wonach sie ehrfurchtsvoll „Hexen“ genannt wurden und als Hebammen Wohltätigkeiten vollbrachten. Erst die absolute Kirchenmacht rief mit ihrer Hetzschrift „Hexenhammer“ zur Hexenjagd auf und beseitigte ihre echte, „religiöse Konkurrenz“ aufgrund ihrer erzwungenen Folter-Geständnissen (Teufelsbuhlschaft) körperlich vollständig.
Nach einem dreißigjährigen Religionskrieg wurde der letzte Widerstand sächsischer Heiden 782 n. Chr. gebrochen. Die vom siegreichen Frankenkönig Karl installierte Kirche erklärte Gottes abgefallen Engel zu Teufel und diese würden von den Heiden als ihre Götter Wodan, Donar und Saxnot (Tyr) gehuldigt, was eine Todesstrafe sei.
Demographisch betrachtet, fand zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert der Höhepunkt der Hexenjagd im „heiligen römischen Reich“ statt. Obwohl damals nur 15 Millionen Menschen im Abendland lebten, wurden in Deutschland mindestens 60.000 (laut erhaltene Verbrennungslisten) sogenannte Hexen und auch einige Hexer lebendig verbannt.
Im Focus der Hexenverfolgung lag das Harzer-Land mit seinem heiligen Berg „Brocken“. Dort lebten die Menschen in Dörfer und Gehöfte und trotz große Bergwerke die dort Silber, Kupfer, Blei und Eisen schürften, betrug die Bevölkerung-Zahl auch nicht mehr als 100.000 Seelen.
Erst nach 1000 Jahren wurde 1736 die „Hexerei“ im „Heiligen römischen Reich, deutscher Nation“als Kapitalverbrechen (Todesstrafe) formal abgeschafft. Aber erst der protestantische Preußenkönig Friedrich (der Große) und seine katholische, österreichische Gegnerin Maria Theresa erklärten „unter Folter erzwungene Geständnisse“ für ungültig, woraufhin keine Hexen mehr getötet wurden und das Zeitalter der Vernunft (Aufklärung) hielt Einzug in die Weltgeschichte.
Deutschlands heiliger Berg konnte wissenschaftlich untersucht und vermessen werden. Demnach ist der Brocken ein 1.144 m hohes Granitgebirge, welches sich vor 95 Millionen Jahre im flachen Nord-Deutschland als höchste Erhebung im Harz (Sachsen Anhalt) aufreckt. In dessen Nähe man die bronzezeitliche Himmelskarte von Nebra auch gefunden hat.
Der Name des Brocken wurde schriftlich erstmals bei Vermessungen 1490 erwähnt. Auf seinen baumlosen Gipfel sind die Menschen orkanhafte Stürme schutzlos ausgesetzt und selbst im Frühjahr fallen dort die Temperaturen häufig unter 20 Grad!
Der Brocken ist 300 Tage von Nebel umhüllt, wo sich der Brockengeist sichtbar macht. In heidnischer Zeit sahen ihn die Bergwanderer voller Ehrfurcht auch wenn die Kirche das als „Aberglaube“ abtat. Heute wissen wir, dass es Luftspiegelungen von Bergwanderer sind die dort im Nebel als große Schatten erscheinen inmitten eines“ Heiligenschein in Regenbogenfarben.“ Immerhin waren es ganz reale Erlebnisse.
Ebenso real waren auch die anderen außersinnlichen Wahrnehmungen, die unsere Vorfahren vom heiligen Berg dort berichten. Gefühle der Zeitverschiebungen, Stimmenwahrnehmungen Desorientierungen.
1777 bestieg der große Dichter Goethe zum ersten mal von drei Besteigungen, den Brocken trotz dringende Unwetterwarnungen. In einem Brief schrieb er darüber so:
„Ich habe dort eine Stille begegnet, die keine Stille war. Der Berg hatte mir einen Eindruck hinterlassen, den ich in der Sprache vernünftiger Menschen nicht beschreiben kann!“
Den Brocken Aufstieg verarbeitete der Künstler in seinem Meisterwerk „Dr. Faust“, eine Dichtung die bis in die Gründungsanfänge der BRD in keinem gebildeten deutschen Haushalt fehlen durfte.
Es gibt über einhundert Berichte von Brockenwanderer, die Goethes Erlebnis ebenfalls wahrnahmen. Heute noch strömen jährlich bis zu 30.000 Besucher, meist kostümiert als Hexen oder Teufel, den Blocksberg zum Hexenfest in der Walpurgis-Naht vom 30. April bis 1. Mai (wo der Maibaum= Weltbaum feierlich auf Dorfplätze, singend gepflanzt und umtanzt wird).
Wala wurde eine heidnische Seherin bezeichnet und Walpurgi bedeutet: „Seherin vom Berg!“ Damit setzen sie eine heidnische Tradition kontinuierlich bis in unsere Tage fort.
Frankenkönig Karl konnte im 9. Jahrhundert diese heidnischen Feiern am Brocken nicht verhindern und noch im 11. Jahrhundert wetterten die Klöster von Quendlinburg und Waltenried gegen den dortigen Hexensabbat. Sogar im 14. Jahrhundert wurde ein kaiserliches Dekret erlassen gegen die besagten „Bergveranstaltungen“.
Und 1540 verfertigte der kaiserliche Arzt Johannes Pretorius die Handschrift „Die Blocks Berges Verrichtung“ (gedruckt 1668). Darin befragte er die bäuerliche Bevölkerung über den Blocksberg und sie berichteten dort von Geisterstimmen im Nebel und nächtliche Lichter über den Berg. Viele sprachen von Stimmen ohne Münder und Reisende die kein Zeitgefühl mehr hatten.
Selbst im 17. Jahrhundert verbreiteten die Theologen in Wittenberg und Halle Pamphlete über die „verbreitenden Veranstaltungen auf dem Brocken!“ Wenn das Heidentum 900 Jahre sich am Brockenberg erhalten konnte, muss ihm auch eine große Naturkraft inne liegen.
Kein Wunder das im heutigen E.U-Land Island, die alte nordische Religion auch zu einer ihrer Staatsreligionen erklärt wurde. Nur hier auf dem Festland konnte die Kirchenmacht sie in einem langen Jahrhundert besiegen.
Traurig stimmt uns, die Silllegung des Harzer Bergwerks „Rammelsburg“ (gegründet 968) im Jahre 1988 nach einem ganzen wirtschaftlichen Jahrtausend!
Nach geologischen Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen wurde festgestellt, dass die Brockenmasse große magnetische Unregelmäßigkeiten durch eisenreiche Intrusionen tief unter dem Granit aufweist. Das führte zu Störungen beim Kompassgebrauch und im Funkverkehr.
20 km südöstlich vom Brockenliegt auf einem Plateau über die Ortung Tale, der im Volksmund bezeichnete Teufels-Tanzplatz, ein flacher Felsvorsprung über der Bodenschlucht, wo im 19. Und 20. Jahrhundert bei Ausgrabungen eine alte Steinordnung gefunden wurde samt Aschereste und einer Einfriedung.
Laut Vermessungen ist der Hexen-Tanzplatz, sowohl auf dem Gipfel des Brocken, als auch auf den Punkt der aufsteigenden Sonne zur Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche (21.3.) ausgerichtet. Laut Volksmund sammelten sich dort die Hexen (ahd.: Hagedisi= Priesterinnen) aus den umliegenden Dörfern, bevor sie der „Teufelsmauer entlang (eine lange, schmale und steile Sandsteinformation im Harzer-Vorland) zum Blocksberg flogen“.
Die tausendjährige Geschichte des heiligen Blocksberg führt uns zuerst in die heidnische Zeit der Naturverehrung. Danach in die christliche Verteufelung und zuletzt in die moderne Aufklärung.
Zu welche übernatürliche Wahrnehmungen mag uns dieser Berg mit realen ANOMALIEN in Zukunft noch führen?
Der Brocken als Ort zwischen Natur und Sage
Der Brocken ist nicht nur der höchste Berg des Harzes, sondern auch ein Ort, an dem Naturerscheinungen, Volksglaube, Literatur und Geschichte ineinanderfließen. Nebel, Sturm, Lichtspiegelungen und das berühmte „Brockengespenst“ machten den Berg seit Jahrhunderten zu einem Schauplatz von Ehrfurcht, Deutung und Legendenbildung.
Gedanke für Leser:
Wer den Brocken besucht, sollte ihn nicht nur als Wanderziel betrachten, sondern als Erinnerungslandschaft: ein Ort, an dem sich Naturkraft, alte Sagen, Religionsgeschichte und deutsche Literatur begegnen.
Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre
Für sachliche Hintergrundinformationen zum Brocken eignen sich die Materialien des Nationalparks Harz; dort wird der Brocken als höchster Berg Norddeutschlands und als besonderer Mittelgebirgsgipfel mit natürlicher Waldgrenze beschrieben. Zum berühmten „Brockengespenst“ bietet der Harzer Tourismusverband eine verständliche Erklärung des Naturphänomens, bei dem Schatten und Licht im Nebel eine riesige Gestalt mit farbigem Lichtschein erzeugen können.
Empfehlenswert sind außerdem:
1. Johann Wolfgang von Goethe: „Faust. Der Tragödie erster Teil“
Besonders wegen der Walpurgisnacht-Szene und der literarischen Verarbeitung des Blocksberg-Motivs.
2. Heinrich Kramer: „Der Hexenhammer / Malleus Maleficarum“
Als historische Quelle zur europäischen Hexenverfolgung, jedoch nur mit kritischer Einordnung zu lesen. Das Werk erschien erstmals 1486/1487 und gilt als einflussreiche Schrift zur Legitimation der Hexenverfolgung.
3. Literatur zur Hexenverfolgung in Deutschland
Zur historischen Einordnung von Prozessakten, Foltergeständnissen, religiösen Deutungen und sozialen Ursachen.
4. Veröffentlichungen des Nationalparks Harz
Für Naturkunde, Klima, Geologie, Pflanzenwelt und Wanderinformationen rund um den Brocken.
5. UNESCO-Welterbe Rammelsberg / Museum und Besucherbergwerk Goslar
Der Rammelsberg wurde 1988 stillgelegt und dokumentiert über 1000 Jahre Bergbaugeschichte; seit 1992 gehört er zusammen mit der Altstadt von Goslar zum UNESCO-Welterbe.









