Die fünf Lustarten im frühen Buddhismus

Bodhi Svaha! Sadhu!

Sinneswahrnehmung, Verhaftung und der Weg zur inneren Befreiung

So habe ich gehört:

Kurz nach seiner Erleuchtung wandte sich der Buddha an fünf frühere Weggefährten. Diese erste Lehrrede fand in Isipatana bei Benares (heute Varanasi) statt und gehört zu den grundlegenden Texten des frühen Buddhismus.

Im Mittelpunkt steht die Betrachtung der sogenannten „fünf Lustarten“, also jener sinnlichen Erfahrungen, an die sich der Mensch bindet:

  • sichtbare Formen (Auge)
  • Töne (Ohr)
  • Gerüche (Nase)
  • Geschmäcker (Zunge)
  • Berührungen (Tastsinn)

 

Diese Sinneseindrücke werden als angenehm, reizvoll und verlockend beschrieben. Der Buddha weist jedoch darauf hin, dass eine unreflektierte Verhaftung an diese Erfahrungen zu Abhängigkeit und Leid führen kann. Wer sich von ihnen überwältigen lässt, ohne deren vergängliche Natur zu erkennen, gerät in einen Zustand der Unfreiheit.

Zur Veranschaulichung wird das Bild eines Tieres verwendet, das in die Fallen eines Jägers geraten ist: Es ist gebunden und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Ebenso ergeht es dem Menschen, der sich vollständig von sinnlichen Begierden bestimmen lässt.

Demgegenüber steht der Weg der Einsicht. Wer die Lustarten bewusst wahrnimmt, ohne sich an sie zu binden, erkennt sowohl ihre Anziehungskraft als auch ihre Begrenztheit. Dadurch entsteht die Möglichkeit, sich schrittweise von ihnen zu lösen.

In der buddhistischen Lehre wird dieser Prozess durch verschiedene Stufen der geistigen Vertiefung beschrieben, die als „Jhanas“ bekannt sind. Sie kennzeichnen einen Weg zunehmender Sammlung und innerer Ruhe:

  • erste Vertiefung: noch von Gedanken begleitet, aber bereits von innerer Freude geprägt
  • zweite Vertiefung: zunehmende Sammlung und geistige Einheit
  • dritte Vertiefung: Gleichmut und bewusste Klarheit
  • vierte Vertiefung: vollständige Ausgeglichenheit jenseits von Freude und Leid

 

Darüber hinaus beschreibt die Lehre weitere Zustände der geistigen Weite, die über die gewöhnliche Wahrnehmung hinausgehen – etwa die Erfahrung von Raum- und Bewusstseinsunendlichkeit. Diese werden nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Stationen auf dem Weg zur Befreiung.

Das Ziel dieses Weges ist die Überwindung der inneren Triebe („Asava“) und damit das Ende des Kreislaufs von Verlangen und Leiden. In traditionellen Bildern wird dieser Zustand mit dem Erlöschen einer Flamme verglichen, wenn kein Brennstoff mehr vorhanden ist.

Die Lehre der fünf Lustarten verdeutlicht damit einen zentralen Gedanken des Buddhismus: Nicht die Sinneswelt an sich ist das Problem, sondern die unreflektierte Bindung an sie. Erkenntnis und Achtsamkeit eröffnen hingegen die Möglichkeit eines innerlich freien Lebens.

(nach einem Auszug aus dem Majjhima Nikaya)


 

Literaturtipps

  • Majjhima Nikaya – Mittlere Sammlung der Lehrreden Buddhas
  • Walpola Rahula: Was der Buddha lehrte
  • Bhikkhu Bodhi: In den Worten des Buddha
  • Thich Nhat Hanh: Das Wunder der Achtsamkeit
  • Nyanaponika Thera: Geistesschulung durch Achtsamkeit

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