Ältestes Wörterbuch in Althochdeutsch

Bodhi Svaha! Sadhu!
Der „Abrogans“ als Fenster in die Sprachgeschichte des frühen Christentums

Älteste Wörterbuch in Althochdeutsch

Im Jahr 767 nach Christi wurde in Freiburg das erste deutsche Vokabelbuch auf grobem, gebundenem Pergament für Lateinschüler niedergeschrieben – noch vor der Zeit Kaiser Karls des Großen, um den Zugang zur lateinischen Bibel zu ermöglichen. Der Titel des Buches lautete Abrogans, was der unbekannte Verfasser mit dem althochdeutschen (diutisk) Wort deomuoti (Demut) übersetzte.

Heute sind nur noch drei handschriftliche Kopien dieses Werkes aus dem Altertum erhalten. Der Abrogans umfasst 3.170 Wörter und erlaubt uns einen direkten Einblick in die althochdeutsche Lautverschiebung:

  • „p“ zu „f“ (PaterVater)

  • „t“ zu „s“ (bzw. „ss“ oder „ts“ → z, zz)

  • „k“ zu „h“ (bzw. „hh“, „ch“)

Besonders bedeutsam ist im Abrogans das älteste bekannte „Vaterunser“. In seiner ursprünglichen Fassung ist es die älteste Form christlichen Betens in deutscher Sprache. Es bewahrt unser sprachliches Erbe und öffnet ein Fenster in die deutsche Kulturgeschichte. Interessanterweise endet das heutige Vaterunser mit einem später angefügten Glaubensbekenntnis, welches in der ursprünglichen Struktur des Gebets im Abrogans als störend empfunden wird.

Das folgende Gebet reflektiert eine noch heidnisch beeinflusste Kosmologie. Es ist ein Wochentagsgebet, das symbolisch an sieben Himmelsgötter gerichtet ist (siehe dazu den Artikel „Das Wochentags-Geheimnis“).


Das älteste bekannte „Vaterunser“ aus dem Abrogans:

Fater unser, thu bist in himile.
(Vater unser, du im Himmel) – ☉ SONNE

Si geheilagot thin namu.
(Sei geheiligt dein Name)

Quema thin rihhi,
(Komme dein Reich) – ☽ MOND

Si thin willo so in himile, so her in erdu.
(Sei dein Wille wie im Himmel, so auf Erden) – ♂ MARS

Unser tagliches brot gib uns hiutu,
(Unser tägliches Brot gib uns heute) – ♃ JUPITER

Enti fargef uns sculdi unsera
(Und vergib uns unsere Schuld)

So wir fargeban sculdigon unseren,
(Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern)

Enti ni gileit unsih in costunga,
(Und führe uns nicht in Versuchung) – ♀ VENUS

Sundir arlosi unsih fon ubile!
(Sondern erlöse uns von dem Übel!) – ♄ SATURN

Weiterführende Literatur:

  • Braune, WilhelmAlthochdeutsche Grammatik

  • Eggers, Hans-JürgenDie deutschen Wörterbücher des Mittelalters

  • Köpke, WilhelmDer Abrogans und seine sprachgeschichtliche Bedeutung

  • Tiefenbach, HeinrichAlthochdeutsches Wörterbuch

  • Witzel, EberhardDer Ursprung des Vaterunsers im germanischen Kontext

Wichtige Hinweise zu externer Literatur

Wir freuen uns, Ihnen eine sorgfältig kuratierte Auswahl an weiterführenden Quellen präsentieren zu können, die wir als besonders hilfreich und informativ erachten. Diese Ressourcen bieten Ihnen zusätzliche Einblicke und vertiefende Informationen zu den Themen, die wir auf unserem Blog behandeln.

Unsere Empfehlungen umfassen:

  • Fachartikel und wissenschaftliche Studien
  • Bücher renommierter Autoren
  • Websites von vertrauenswürdigen Institutionen
  • Lehrvideos und Online-Kurse

Bitte beachten Sie jedoch, dass wir keinen Einfluss auf die Inhalte dieser externen Quellen haben. Die dort präsentierten Meinungen und Informationen spiegeln nicht zwangsläufig unsere eigenen Sichtweisen wider. Außerdem übernehmen wir keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Inhalte der verlinkten Quellen.

Wir hoffen, dass Sie von diesen zusätzlichen Ressourcen profitieren und wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer weiterführenden Recherche!

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ihr Blog-Team

schon gelesen?

Beitrags Info

Artikel Empfehlungen

Ankommen im Hier und Jetzt. In unserer Gemeinschaft findest du Raum für Meditation und die Weisheit des Dharma. Gemeinsam gehen wir den achtsamen Schritt in Richtung Erleuchtung.

Abendländische-Buddhisten-Collegium e.V.

Info :