Die fünf Elemente

Bodhi Svaha! Sadhu!

Ein Qi-Gong-Exerzitium zwischen Naturreligion, Atemkraft und innerer Ordnung

Unser abendländische Wort für die ganze Schöpfung heißt „Natur“ und ist das alte ägyptische Wort „Neter“, welches für „Götter“ steht. Die alten Naturreligionen erlebten die ganze Welt als beseelt. Sie unterschieden zwischen Totengeister, Naturgeister (die in Bäumen, Pflanzen und Erdreich wohnen) Himmelsgötter (Genius eines Planeten z.B.), oder auch Elementargeister (die Bewohner von Feuer, Wasser, Luft und Erde=Erdmutter).

In der Astrologie wird jedem Tierkreis-Zeichen eines dieser 4 Element zugeordnet. Feuer kann einen Hitzkopf auszeichnen und Wasser einen Schwermütigen. Luft einen regelrechten Luftikus und ein Erdzeichen einen Sturkopf. Die Chinesen jedoch arbeiten mit 5 Elemente, denn sie trennen das Metall (Eisen z.B.) aus dem Stein, der ja zur Erde gehört.

Das Luftelement finden wir im chinesischen Zeichen Holz, denn dem Baum verdanken wir ja auch unseren Sauerstoff. Folglich bedienen wir uns im Qi-Gong auch eines 5 Elemente-Exerzitiums wie folgt (Beinstellung-Beschreibung folgt anschließend).

Das eingängige chinesische Bild für den Nahrungszyklus dieser Natur ist wie folgt:

FEUER wird mit HOLZ genährt,
verbranntest Holz (ASCHE) nährt den Boden.
Fruchtbare ERDE bringt METALLE hervor.
Metalle (Erze) reichern WASSER an.
WASSER nährt PFlANZEN (Holz).
(und der Zyklus beginnt erneut).


Vorarbeit / Warmmachphase

In unsere vorherigen Artikeln beschrieben wir schon die Warmmach-Phase von Kopf und Oberkörper. Jetzt ziehen wir noch unseren Unterleib mit den Beinen hinzu.

Wir drücken abwechselnd Fersen und Zehenspitzen eine Weile fest auf den Boden. Dann drehen bewegen wir mehrmals den rechten Fuß nach unten und oben und danach machen wir das gleiche mit dem linken Fuß. Sodann lassen wir die Füße abwechselnd rechts und links herum kreisen.

Nun reiben wir unsere Handflächen warm und kreisen mit den Handflächen über unser Knien. Danach massieren wir die Knie und greifen auch in die untere Kniefront (chinesisch: Kuhaugen).

Nun beleben wir den sogenannten „drei Meilen-Marsch“ (das machten die chinesischen Soldaten vor längere Fußmärsche) indem wir beide Schienenbeine mit unseren Fäusten auf- und ab beklopfen. Zum Schluss beklopfen wir die Beine von den Seiten und hintere Flächen aufwärts und ebenso die Nieren.

Danach legen wir die rechte Hand flach auf unseren Bauchnabel und klopfen mit der linken Faust auf der Gegenseite oberhalb des Steißbeins.

Wirksam ist auch das Abklopfen des Brustkorbes auf Herzhöhe bis höher zu den Bronchien, durch trommeln mit den zehn Fingern. Wertvoll ist auch abwechselnd die Schultern rhythmisch bis zu den Ohren hochziehen.

Nach dieser sehr nützlichen Vorarbeit hat auch die letzte Schlafmütze seinen biologischen „Akku“ wieder aufgeladen und kann mit den Qigong-Exerzitien beginnen.


Element 1 = Wasser

Wir heben aus der Grundstellung unsere ausgestreckten und angewinkelten Arme, mit offener Handfläche nach oben, einatmend bis Brusthöhe. Dann drehen wir unsere Handflächen nach unten und senken die Arme zum Boden, wobei wir uns etwas niederbeugen, als ob wir Wasser schöpfen würden.

Dann drehen wir die Hände wieder nach oben und heben das Wasser tief einatmend wieder zur Brusthöhe. Das wiederholen wir mehrmals und erzeugen so eine Wellenbewegung des Meeres.

Aktivierung:
Niere, Blase, Knochen, Zähne, Gehirn, Rückenmark, Hals, Hoden/ Eierstöcke.


Element 2 = Holz (Luft)

Wir schieben die Arme im Schulterhöhe nach vorne mit Handflächen nach unten. Dann bilden wir zwei Fäuste die sich mit den jeweils 4 eingerollten Fingern berühren. Diese Fäuste symbolisieren einen Keimling im Erdboden.

Wir führen die Hände (ausatmend) zum Boden mit leichter Verbeugung. Am tiefsten Punkt legen wir die kleinen Finger gegeneinander und auch die Daumen in Form einer halbgeöffneten Knospe und heben diese aus der Erde in Augenhöhe langsam (tief einatmend) empor.

Daumen und die kleinen Finger bleiben zusammen, währen wie die übrigen jeweils 4 Finger auseinander spreizen. Die Lotusblüte öffnet sich und wir scheuen in unsere Hände hinein. Die Augen sind das Licht welches Leben bringt.

Nun heben wir unsere Lotusblüte soweit hoch, wie es geht öffnen die Hände und lassen aus der Blüte einen großen Baum wachsen, der die ganze Welt umspannt. Dazu zeichnen wir einen weiten Bogen mit unseren ausgestreckten Armen zur rechten und linken Seiten ausholend, der sich dann zur Erde neigt.

Aktivierung:
Leber, Galle, Augen, Nerven, Sehnen, Bänder, Nägel.


Element 3 = Feuer

Wir heben unsere Hände aus der Grundstellung heraus seitlich in Schulterhöhe und spreizen unsere Finger wie kleine Flammen. Dann führen wir die Hände zu unserem Herzen und fühlen dessen Wärme in unsere Handflächen hinein fließen.

So mit Herzblut erwärmt, wollen wir die ganze Welt entzünden, indem wir den linke Arm mit offener Handfläche ganz weit nach links schenken und ihr nachblicken. Alsdann holen wir die Hand langsam zum Herz zurück und holen nun mit dem rechten Arm ebenso ganz weit über die rechte Schulter zurück und schauen ihr mit festem Blick nach.

Das sollte mehrmals wiederholt werden.

Aktivierung:
Herz, Dünndarm, Zunge, Ohr, Arterien.


Element 4 = Erde

Aus der Grundstellung heraus führen wir unsere Arme weit in Schulterhöhe parallel nach vorne. Die Hände bilden nach oben gerichtete eine halbschale. Wir stellen uns vor, darin befinde sich das Saatgut der Erde.

Wir schwenken unsere Arme nun parallel zueinander langsam nach links und stellen uns vor, wie ei n Bauer die Saat ausstreut. Dann schwenken wir in der gleichen Haltung zurück und hinüber ganz zur rechten Seite.

Die Ferse des linken Fuß ruht am Standbein und gleitet bei der Linksschwenkung einen halben Schritt zur linken Seite. Mit der Rückbewegung wird der Fuß zum Standbein auch zurückgezogen und das Gewicht dann natürlich auf das linke Bein verlagert (und bei der Rechtsschwenkung wird der rechte Fuß zu rechten Seite etwas vorgeschoben u.s.w.).

Aktivierung:
Milz, Magen, Mund, Muskeln und wirkt auf Fettgewebe.


Element 5 = Metall

Aus der Grundstellung heraus strecken wir beide Arme parallel zueinander, in Schulterhöhe nach vorne. Die Hände zeigen zum Boden und dann richten wir sie senkrecht zueinander.

Wir wollen in Gedanken eine Eisenkugel aus den Boden heben und beugen uns zur Erde. Dort richten wir unsere geöffnete linke Hand nach oben und halten die geöffnete rechte Hand (mit Handfläche nach unten), über die linke Hand.

Nun führen wir die Eisenkugel nach links. Dort drehen wir die Kugel, indem wir die linke Hand jetzt nach unten drehen und über die rechte Hand halten, die gleichzeitig mit der Handfläche nach oben gedreht wird. So führen wir gedanklich die Eisenkugel bis zur rechten Seite zurück und wenden wieder unsere Handflächen und Handhaltungen.

Aktivierung:
Lunge, Dickdarm, Haut, Lymphe, Venen.


Standfestigkeit

Am Element Metall können wir leicht unser Exerzitium der Standfestigkeit hängen. Hierzu formen wir die Eisenkugel zur Eisenstange und drücken sie ganz tief und fest in den Erdboden.

Wir halten uns mit beiden Händen fest an diesem Pfosten und verlagern unser Körpergewicht auf das linke Bein. Dann heben sie das rechte Bein soweit vom Boden, wie es möglich ist.

Junge Leute können zur Erschwernis zusätzlich dabei ihre Augen schließen. Senioren hingegen dürfen sich natürlich mit den Zehenspitzen abstützen und alle Übungen variieren lassen, denn es gibt in Tai-Chi und Qi-Gong viele Varianten.

Achtsam üben

Diese Übungen verbinden Vorstellungskraft, Atmung und sanfte Körperbewegung. Sie eignen sich besonders als ruhige Morgenübung oder als bewusste Unterbrechung im Tageslauf.

Hinweis:
Alle Übungen sollten langsam, locker und ohne Schmerz ausgeführt werden. Wer unter Schwindel, Gelenkbeschwerden, Herz-Kreislauf-Problemen oder akuten Erkrankungen leidet, sollte die Bewegungen vorsichtig anpassen oder vorher ärztlichen Rat einholen. Besonders bei Gleichgewichtsübungen empfiehlt sich ein sicherer Stand oder eine Stützmöglichkeit in der Nähe.

Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre

1. Mantak Chia: „Chi Kung – Heilende Energie“
Ein bekannter Einstieg in Energiearbeit, Atmung und Körperübungen aus taoistischer Sicht.

2. Ken Cohen: „Qi Gong – Grundlagen, Methoden, Anwendung“
Gut geeignet für Leser, die Qi-Gong nicht nur praktisch, sondern auch geschichtlich und philosophisch verstehen möchten.

3. Jwing-Ming Yang: „Qigong Meditation“
Ein vertiefendes Werk über innere Übung, Atmung, Körperhaltung und geistige Sammlung.

4. Ted J. Kaptchuk: „Das große Buch der chinesischen Medizin“
Eine verständliche Einführung in die Denkweise der Traditionellen Chinesischen Medizin, darunter auch die Wandlungsphasen.

5. Giovanni Maciocia: „Die Grundlagen der chinesischen Medizin“
Ein Standardwerk zur chinesischen Medizin, besonders für Leser, die die fünf Wandlungsphasen genauer studieren möchten.

6. Laozi: „Daodejing“
Als klassische daoistische Grundlage für Naturverständnis, Wandlung, Einfachheit und das Leben im Einklang mit dem Lauf der Dinge.

schon gelesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Artikel Empfehlungen

Seelen-Verträge

Lesedauer 3 MinutenVon karmischen Lektionen, Träumen und ewigen Verbindungen

Ankommen im Hier und Jetzt. In unserer Gemeinschaft findest du Raum für Meditation und die Weisheit des Dharma. Gemeinsam gehen wir den achtsamen Schritt in Richtung Erleuchtung.

Abendländische-Buddhisten-Collegium e.V.

Info :