Gesten, Meditation und Körperübungen auf Reisen in Asien
Wer Länder Ost- und Südostasiens bereist, begegnet einer Vielzahl kultureller Zeichen, Gesten und spiritueller Praktiken. Viele davon haben tief religiöse oder philosophische Bedeutungen. Der folgende Text schildert persönliche Erfahrungen und Beobachtungen zu Handgesten, Meditation, Qi-Gong und anderen fernöstlichen Traditionen. Der ursprüngliche Wortlaut bleibt dabei erhalten; lediglich Typografie und Struktur wurden übersichtlich gegliedert.
Wer Asien bereisen möchte, informiere sich ruhig etwas gründlicher: merkt euch nur die Namen von Speisen, die euch nicht munden. Schaut auf die Handbewegungen der Einheimischen: weisen die Hände nach vorne: „halte Abstand!“ Zeigen die erhobenen Handflächen nach innen: „Komm näher!“ Werden die Handflächen zusammengelegt und zur Brust erhoben: „sei gesegnet!“ Je höher diese Hände erhoben werden, umso größer soll der Segen sein. Vor Buddha legt man sie in Stirnhöhe zusammen. Inder legen die Hände über den Kopf zusammen gefaltet, nur zu Ehren ihrer Götter.
Es gibt Mantras, heilige Worte wie den Weltsegen „Om“ u.s.w. (meine Schutzformel von einem Thaimönch lautete „Bud-ho!“). Ferner gibt es Körperhaltungen: Asanas, wie es im Yoga (Joch) gelehrt wird. Dann sehen wir unter den vielen Buddhastatuen die unterschiedlichen Mudras, Finger- bzw. Handhaltungen. Das zeigt die Funktion der Erdbeschwörung, Abwehr des Mara (Teufel), Tiefenversenkung u.s.w.
Wir kennen ja die Praxis zur Meditation: Daumen und Zeigefinger zum Ring schließen – ein internationales Zeichen für „alles in Ordnung!“ Die Asiaten machen gerne Gruppenfotos, wo unterschiedliche Personen auch unterschiedliche Fingerhaltungen demonstrieren.
Mich hatte der Zornesblick eines Fotografen getroffen, als ich von der linken, erhobenen Hand meine fünf Finger spreizte und Daumen und Zeigefinger zum Om-Laut geschlossen erhob. Daumen und Zeigefinger sollten das Rad der Lehre (Wiedergeburt) angeben und die acht Finger den achtgliedrigen Pfad der Lehre. Später merkte ich meine Anmaßung, weil diese Handhaltung dem belehrenden Buddha vorbehalten bleibt.
Beim Qi-gong begrüßt man sich in Grundhaltung (Beine auf Schulterhöhe) und führt beide Arme in Schulterhöhe weit ausholend vor sich zusammen – im Bewusstsein, die ganze Welt liebevoll zu umarmen. Wenn sich die Fingerspitzen berühren, ballt man die rechte Hand zur Faust (Yang) und legt die linke, flache Hand auf die Faust (Yin), wie beim Unterhaltungsspiel: „Blatt besiegt Stein!“
Alsdann zieht man den Kreis mit einer leichten Verbeugung Richtung Brust wieder zu. Danach mag das „Schattenboxen“ eröffnet sein.
Qi-gong bevorzuge ich im Alter dem weichen, tänzerischen Tai-chi gegenüber, weil es die Akupressur-Punkte aktiviert. „Die Faust trifft – das Auge blitzt!“ sagt mein braver Meister und weist auf die Kräfte des Gedankendrucks hin, der die Akupressur-Punkte belebt.
Man schaue nur einmal einen Vordermann länger auf den Hinterkopf! Der fühlt deinen Blick und schaut sich suchend nach dem Verursacher um.
Die durch Qi-Gong gewonnene Energie wirkt auch verjüngend, weil so der Geist eine Reise durch seinen Körper macht und mit den dort in uns lebenden Zellen korrespondiert. Im Qi-Gong wird unsere Vorstellungskraft erweckt, ohne die es keine menschlichen Erfindungen gäbe. Man denke an die Wirkung des Bewusstseins auf die Quantenfelder in unseren Bericht-Artikeln!
Exerzieren wir, so vorbereitet, die „Himmelsstütze“!
Hierzu heben wir aus der Grundstellung die schlaff an unsere Schenkel hängenden Arme synchron und in Zeitlupe auf Schulterhöhe nach vorne. Dann drehen wir die Innenfläche der Hände nach oben und schauen mit unseren Augen hinein. Nun weiten wir die Arme etwas zur Seite und stellen uns vor, den Himmel hoch zu drücken.
Wir heben die Arme langsam empor und stellen uns dessen Gewicht vor. Wir spannen alle Muskeln in unseren Armen so weit wie möglich an und stemmen den Himmel hoch. Dort verharren wir einen Atemzug – wie der griechische Himmelsträger Atlas, König von Atlantis.
Dann entspannen wir unsere Muskeln mit dem Ausatmen und spannen sie wieder kräftig mit dem Einatmen an. Das machen wir mehrmals und lassen dann die Arme wieder völlig entspannt langsam an unsere Schenkel zurückgleiten.
Dieses kleine Experiment zeigt – eines unter vielen – wie wir unsere Körperkräfte regenerieren können.
Die chinesischen Soldaten und Fußballprofis klopfen vor Märschen und Spielen ihre Schienbeine mit den Fäusten zur Stärkung ab (3-Meilen-Übung), was wir vor jeder Wanderung ebenfalls handhaben sollten.
Akupressur-Punkte findet man zur Beruhigung, wenn man den Daumen an den Mittelfinger rhythmisch presst. Ebenso, wenn man einen Zoll (Daumenbreite) unter dem Handballen auf die Handschlagader mehrfach drückt und wieder loslässt, wobei die ausgebreitete, schlaffe Hand die „Drachenkralle“ zeigt.
Das erinnerte mich an die frittierten Hühnerbeine in Thai-Garküchen. Als Kinder zupften wir gerne an den Sehnen solcher Hühnerfüße, wobei sich deren Klauen ebenso bewegten wie unsere „Drachenkrallen“.
Qi-gong und Akupressur bereichern unser ganzes Leben. Unter Akupunktur werden in China offene Operationen ohne westliche Narkosemittel sowohl nebenwirkungsfrei, kostengünstiger und erfolgreich durchgeführt.
Leserfrage
Welche Erfahrungen hast du selbst mit fernöstlichen Körper- oder Meditationsübungen gemacht – und welche Wirkung hatten sie auf dein Wohlbefinden?
Literaturtipps
Das große Buch des Qi Gong
Die Lehren des Buddha
Tao Te King
Buddhistische Überlegung
Im Buddhismus wird der Körper nicht als Hindernis, sondern als Werkzeug der Erkenntnis betrachtet.
Achtsame Bewegung, ruhiger Atem und klare Vorstellungskraft können den Geist sammeln.
So wird jede Bewegung – selbst ein einfaches Heben der Hände – zu einer Form der Meditation.
Wenn Körper und Geist im Gleichgewicht sind, entsteht natürliche Klarheit.





