Geheime Heimatkunde VII – Sprechende Feuerberge

Bodhi Svaha! Sadhu!

Wenn Erdschichten, Vulkane und alte Siedlungen von unserer Vergangenheit erzählen

Unsere Landschaft ist älter als jede Chronik. Lange bevor Menschen Bücher schrieben, legte die Erde selbst ihre Geschichte Schicht um Schicht ab. Vulkanasche, Flusssedimente, Tierknochen, Feuerstellen und Werkzeuge bilden ein gewaltiges Archiv unter unseren Füßen.

Gerade die Gebiete entlang von Rhein, Eifel und Neuwieder Becken zeigen, wie eng Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte miteinander verbunden sind.

Menschen zwischen Eis und Wärme

Während der Eiszeiten veränderte sich Europa immer wieder grundlegend. Gletscher bedeckten große Gebiete, Meeresspiegel lagen zeitweise deutlich niedriger als heute, und Menschen mussten sich an extreme Lebensbedingungen anpassen.

In Südfrankreich hinterließen eiszeitliche Menschen eindrucksvolle Höhlenmalereien. Jagdtiere, menschliche Gestalten und rätselhafte Zeichen geben uns heute einen Einblick in ihre geistige Welt.

Manche Darstellungen lassen sich religiös oder symbolisch interpretieren. Ob einzelne Bilder tatsächlich Vorstellungen von Seele, Wiedergeburt oder Jenseits zeigen, bleibt allerdings eine Deutung.

Doggerland – das versunkene Land

Während der Eiszeit war so viel Wasser in mächtigen Gletschern gebunden, dass der Meeresspiegel erheblich niedriger lag.

Zwischen dem heutigen Großbritannien und dem europäischen Festland erstreckte sich eine Landschaft, die heute als Doggerland bezeichnet wird.

Menschen konnten dort leben, jagen und wandern.

Als die Eiszeit endete, stieg der Meeresspiegel wieder an. Große Teile dieser Landschaft verschwanden allmählich unter der Nordsee.

Hinzu kamen gewaltige Naturereignisse wie der sogenannte Storegga-Rutsch vor der norwegischen Küste, der einen großen Tsunami verursachte.

So wurde aus einer bewohnten Landschaft schließlich Meeresgrund.

Der Feuerberg unter der Eifel

Auch unsere nähere Heimat besitzt Spuren ungeheurer Naturkräfte.

Der heutige Laacher See ist der wassergefüllte Krater eines gewaltigen Vulkans.

Vor rund 13.000 Jahren ereignete sich dort ein großer Ausbruch. Vulkanasche wurde über weite Gebiete verbreitet. Täler wurden mit Bims und vulkanischem Material bedeckt.

Der Rhein wurde zeitweise durch Ablagerungen aufgestaut.

Noch heute findet man die Spuren dieses Ereignisses in den Erdschichten.

Gerade deshalb könnte man solche Vulkane beinahe als sprechende Feuerberge bezeichnen.

Sie sprechen nicht mit Worten.

Sie sprechen durch Asche, Bims, Tuffstein und erstarrtes Gestein.

Gönnersdorf – Menschen unter der Bimsdecke

Eine besondere Entdeckung gelang im Neuwieder Becken.

Unter vulkanischen Ablagerungen fanden Archäologen bei Gönnersdorf Spuren einer eiszeitlichen Siedlung.

Feuerstellen, Werkzeuge und kunstvoll gravierte Schieferplatten ermöglichten einen erstaunlichen Blick in das Leben der Menschen jener Zeit.

Besonders bekannt wurden die stilisierten Frauendarstellungen von Gönnersdorf.

Sie zeigen uns, dass die Menschen der Eiszeit keineswegs nur ums nackte Überleben kämpften.

Sie besaßen Kunst, Symbolik und offenbar eine ausgeprägte geistige Kultur.

Infobox – Die Erde als Geschichtsbuch

Vulkanasche kann datiert und über große Gebiete miteinander verglichen werden. Deshalb dienen Ascheschichten Archäologen und Geologen häufig als wichtige Zeitmarken.

Was darüber hinaus religiöse oder spirituelle Vorstellungen vorgeschichtlicher Menschen betrifft, bleibt vielfach Gegenstand der Interpretation.


Island und die Chronik der Asche

Auch Island besitzt ein außergewöhnliches Erdarchiv.

Die zahlreichen Vulkane der Insel hinterließen immer wieder charakteristische Ascheschichten. Dadurch können Forscher Landschaftsveränderungen und Besiedlungsphasen miteinander verbinden.

Die Erde besitzt eben ihr eigenes Gedächtnis.

Papier kann verbrennen.

Chroniken können verloren gehen.

Doch eine vulkanische Ascheschicht bleibt unter günstigen Bedingungen Jahrtausende erhalten.

Schlussgedanke

Vielleicht sollten wir Heimatkunde nicht nur in Archiven betreiben.

Auch Felsen, Flüsse, Höhlen und Vulkanablagerungen berichten von unserer Vergangenheit.

Wer die Landschaft lesen lernt, entdeckt unter dem heutigen Deutschland eine zweite Welt:

die Welt unserer Vorfahren.

– Euer Potthapada

Literaturtipps

  • Römisch-Germanisches Zentralmuseum / MONREPOS – Veröffentlichungen zur Eiszeitarchäologie

  • Landesmuseum Koblenz – Archäologie von Rheinland-Pfalz

  • Fachliteratur zum Laacher-See-Vulkanismus

  • Veröffentlichungen zu Gönnersdorf und der Kunst des Magdalénien

  • Forschungsliteratur zu Doggerland und der nacheiszeitlichen Nordsee

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