Der hohle Untersberg
Zwischen den Berchtesgadener Land (Bayern) und Salzburger Land (Österreich) liegt der 1972 m hohe Untersberg auf beiden Landesteilen.
Ein durch Wasser zerfressener Kalkstock mit unzähligen Karsthöhlen und Wasseradern.
Seit dem Jahre 1359 bis in unsere Zeit verschluckt dieser Berg viele Menschen und spuckt auch einige davon oft nach Monaten und Jahren, wieder völlig verwirrt aus, im Glauben erst einige Tage sich verirrt zu haben.
Eine bayerische Chronik des Johannes Tormeier (Aventinus) berichtete 1524 (Buch 7, Kap. 43) von einem Wiederkehrer, dass dort „ein alter Herrscher unter den Berg schläft, aber nicht wie ein Sterblicher. Ihm wird die Zeit wie ein Menschenleben und ein Menschenleben wie ein Wimperschlag!“
Der Chronist schreibt, was ihm die Menschen am Berg erzählt haben. Und in der Ingolstädter Universitäts-Bibliothek steht auf einer Handschrift (Zim 8, Aventinus, Blatt 211) folgende Notiz:
„So berichten die Salzknappen zu Hallerin, die Fischer am Königssee, ein Mann aus Gödicke, dessen Vater es (die Legende) von seinem Vater erfahren hatte.“
40 Jahre bevor ein Aventinus darüber schrieb.
Im späten 13. Jahrhundert, 60 Jahre vor der Chronik Eintragung des Abst Brechberg mit seinem Bericht eines verschollenen Wanderers im Untersberg.
Und alle verschollenen und aus dem Berge wiederkehrende Leute berichten von erheblichen Zeitverlust.
Nicht zuletzt der Photograph Peter Sailer aus München, der 1987 zwei Monate im Berg verschollen war und ohne zeitliche Erinnerung plötzlich zurückkehrte.
März 1783 schrieb der Beamte Johannes Nepomuk Öztaler, des Fürstprobst von Berchtesgaden in seiner Salzverwaltung das Protokoll (heute Archiv München) über die wiederkehrenden Bergvermissten Salzknappen Andreas Kirchweger und Balthasar Hüttel vom Sudhaus Frauenreuth.
Sie betraten eine Höhle zwischen den Untersberg Ostabsturz und den Vorderbrand, wo sie einen schlafenden Kaiser vorfanden.
Als sie nach geschätzte 2 Tage wieder die Grotte verließen, sagte man ihnen, dass schon 4 Monate vergangen waren.
Auf die Frage, nach den Namen des Kaisers, antworteten sie nur „Karolus“, weiteres wüssten sie nicht.
Obwohl die einfachen Männer noch nie ein Museum betreten hatten, beschrieben sie die altmodische Rüstung der Königswachen mit Kettenpanzer und Kegelhelm.
Der Beamte vermerkte eine Rüstung wie im 11. Jahrhundert (Kaiser Karl, der Große lebte von 768 – 814) und seitdem nennen die Österreicher den „schlafenden Kaiser“ auch ganz brav Karl.
Wir denken da an die Ähnlichkeit zum schlafenden Kaiser Barbarossa (Friedrich I, 1546 auf Kreuzzug ertrunken) im Kyffhäuser (Harz).
Berge in denen Menschen in einer Zeitschleife gefangen sind und Zeitkapseln wie im japanischen Teufelsmeer und dem entgegen gesetzten Bermuda-Dreieck, verleiten zum Nachdenken.
Wir müssen unser vorschnelles Urteilsvermögen erheblich zügeln, denn seit der Quantenphysik können wir uns auch an Unmöglichkeiten gewöhnen.
Infobox: Der Untersberg als Schwellenort
Der Untersberg gilt in vielen Sagen und Überlieferungen als geheimnisvoller Berg zwischen Bayern und Österreich. Seine Karsthöhlen, Wasseradern und tiefen Gänge machen ihn seit Jahrhunderten zu einem Ort der Fantasie, der Volksüberlieferung und der spirituellen Deutung.
Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Vorstellung eines „hohlen Berges“, in dem Zeit anders verlaufen könnte. Berichte über verschollene und zurückkehrende Menschen, schlafende Herrscher und verborgene Höhlenreiche gehören zu jenen Motiven, die den Untersberg in der Heimatkunde besonders rätselhaft erscheinen lassen.
Hinweis für Leser:
Der Text ist als heimatkundlich-spekulativer Beitrag zu verstehen. Historische Chroniken, Sagen, mündliche Überlieferungen und moderne Deutungen sollten voneinander unterschieden werden.
Sicherheitshinweis:
Karsthöhlen, Felsspalten, Schächte und ungesicherte Berggänge sind gefährlich. Sie dürfen nicht ohne Fachwissen, geeignete Ausrüstung, Genehmigung und erfahrene Begleitung betreten werden.
Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre
1. Sagen rund um den Untersberg
Zur Vertiefung der Überlieferungen über den schlafenden Kaiser, verschwundene Menschen, Höhlen und Zeitmotive.
2. Johannes Aventinus: Bayerische Chronik
Für Leser, die sich mit älteren bayerischen Chroniken und ihrer Verarbeitung regionaler Erzählungen beschäftigen möchten.
3. Heimatkunde Berchtesgadener Land und Salzburger Land
Zur regionalen Einordnung von Untersberg, Königssee, Salzknappen, alten Wegen und lokalen Überlieferungen.
4. Höhlen- und Karstkunde
Zur geologischen Erklärung von Kalkstock, Wasseradern, Karsthöhlen, Spalten und unterirdischen Hohlräumen.
5. Kyffhäuser- und Barbarossa-Sagen
Zum Vergleich mit anderen Bergmythen über schlafende Herrscher und verborgene Reiche im Berg.
6. Volkskunde der Bergsagen Mitteleuropas
Zur Deutung von Bergen als Schwellenorte zwischen Diesseits, Unterwelt, Anderswelt und Erinnerung.
7. Quantenphysik und Zeitvorstellungen
Für Leser, die sich philosophisch mit Zeit, Wahrnehmung und ungewöhnlichen Deutungsmodellen beschäftigen möchten.
8. Sicherheitsratgeber für Höhlen und Bergwanderungen
Zur praktischen Vorsicht bei Karsthöhlen, alpinen Wegen, Wetterumschwüngen und ungesicherten Einstiegen.






