Vom Älterwerden, einem Schlaflabor und alten Träumen der Eifersucht
Menschen werden ab Geburt älter und nur die Alten spuren es lebendig beim Zerfall des Körpers.
Radfahren konnte ich mit dem Geschenk eines Fahrrads zu meinem vierten Geburtstag 1947 kurz nach dem fürchterlichen Krieg. Ich startete mit Anschub meiner Mutter Gerda und landete in den Armen meines Vaters Franz, der mit seiner Kriegsversehrung (Holzbein aus Leder) mich entgegen gespurtet kam.
Fahrradfahren kann ich bis heute, aber laufen fällt mir recht schwer.
Nun verpasste mich meine Hausärztin ein tragbares Schlaflabor zur Überprüfung von längeres aussetzen des Atem, was bei meinen 82 Jahren zu erwarten wäre. Sie stellte die Automatik auf 22 Uhr Sommerzeit, wo ich doch eine Nachteule bin.
Wie in der Schule früher, hatte ich auch jetzt nicht richtig zugehört und saß mit dem tickenden Gerät verkabelt im Wohnzimmer- Sessel, dessen Rückenlehne ich per Knopfdruck in Schlaflage stellte.
Beim zweiten „steifen Grog“ konnte das moderne Gerät meine alten Vergangenheit Träume registrieren.
Mir träumte meine hübsche junge Frau würde ich mit einem älteren fremden Mann in einem Caffe sitzen sehen. Als ich mit bebenden Herzen näher trat, lächelten sie sich an und betätschelten auch noch ihre Händchen.
Ein messerscharfer Stich von Eifersucht fuhr durch meinen Kopf und ich trat an den besagten Tisch und schüttete den Kerl, der mein Eigentum an sich riss, seine halbleere Tasse Kaffee über dessen Kopf.
Meine Frau schrie mit einem hellen Ton laut auf, was ich früher sehr reizvoll fand.
Mein Adrenalin Schub sorgte dafür, keinen Schmerz von Gegenschlag zu verspüren. Beim Aufspringen wurde der Kerl immer größer ich beim Niedersturz immer kleiner.
Zum ersten Mal in meinem Leben schlief ich in meinem eigenen Schlaf für eine Kurzweil.
Als ich mich wieder auf die Beine emporhob und dabei noch den kleinen Kaffeetisch umriss, stand ich ganz allein an diesem fremden Ort und musste die Zeche der Anderen mitbezahlen.
Zum Glück wachte ich vor der Geldübergabe noch rechtzeitig auf und hoffte, dass mein Aufzeichnungsgerät nur den Atem -Rhythmus speichern würde.
Beunruhig durch diese Wiederholungsträume ging ich den Ursachen auf den Grund und da beruhigte mich wieder die Stimme meiner Frau in mir:
„Der Traum fordert Dich schon so lange auf, deine unbegründeten Eifersüchtelei abzulegen!“
Nun ist meine Frau bereits ein Jahr verstorben und ich hoffe, mir verbleibt noch genügend Zeit, um diese „angeborene“ Eifersucht noch vor meiner nächsten Reinkarnation, dringend aus meinem Herzen löschen zu können!
Infobox: Träume als Spiegel alter Gefühle
Dieser Sonntagstext verbindet eine persönliche Erfahrung mit dem Älterwerden, einer Schlaflabor-Untersuchung und einem wiederkehrenden Traum. Der Traum erscheint hier nicht als bloße nächtliche Verwirrung, sondern als innerer Hinweis auf ein altes Gefühl, das noch Erlösung sucht: Eifersucht, Besitzdenken und die Sehnsucht nach innerer Befreiung.
In buddhistischer Betrachtung kann solch ein Traum als Anlass verstanden werden, sich selbst ehrlich zu prüfen. Was im Herzen noch bindet, kann durch Einsicht, Reue, Güte und Übung allmählich gelöst werden.
Gesundheitshinweis:
Atemaussetzer im Schlaf, starke Tagesmüdigkeit, Schnarchen oder unruhiger Schlaf sollten ärztlich abgeklärt werden. Ein tragbares Schlaflabor kann wichtige Hinweise auf Schlafapnoe geben. Alkohol am Abend kann Schlaf, Atmung und Messergebnisse beeinflussen; bei Unsicherheit sollte man die Ärztin oder den Arzt dazu fragen.






