Wahre Lichtnahrung

Bodhi Svaha! Sadhu!

Zwischen buddhistischer Ethik, Thermodynamik und einem bewussteren Umgang mit unserer Ernährung

Als ich zum ersten Male einer indischen Tempelfeier beiwohnte, fielen mir vier kräftige Männer auf, die mit nacktem, muskulösem Oberkörper eine Gottheit auf vier Bambusstangen thronend singend um den Hauptaltar trugen.

Sie besprengten das heilige Idol mit Kokosmilch unter den Klängen orientalischer Musik.

Junge Assistenten köpften die Früchte geschickt mit einer Machete. In vorbuddhistischer Zeit wurden mit solchen Messern noch Opfertiere enthauptet.

Dann setzten sich auch Krishnas Verbote von Blutopfern durch, und große Teile des indischen Subkontinents wurden vegetarisch geprägt.

Ich staunte darüber, dass es dennoch so muskulöse Vegetarier gab.

Ein Inder erklärte mir, dass die Nahrung für die Massentierhaltung mehr Menschen ernähren könne als das daraus gewonnene Tierfleisch.

Das veranlasste mich zu folgenden Überlegungen:

Pflanzen nehmen etwa ein Prozent der Sonnenenergie für ihr eigenes Wachstum und ihre Krankheitsabwehr auf. Mithilfe des Chlorophylls bauen sie aus Wasser und Kohlendioxid energiereiche Zuckermoleküle auf – ähnlich modernen Solaranlagen.

Jedes grüne Blatt ist gewissermaßen ein kleines Solarkraftwerk.

Der größte Teil des Sonnenlichts geht jedoch als Wärme oder Reflexion verloren.

Von der aufgenommenen Energie verbrauchen Pflanzen wiederum den größten Teil für ihren eigenen Stoffwechsel. Nur ein kleiner Anteil wird im Pflanzengewebe gespeichert.

Pflanzenfresser – ob Tier oder Mensch – nutzen diese gespeicherte Energie.

Ein großer Teil der Pflanze besteht allerdings aus Zellulose, die unverdaulich ist und später wieder als Dünger in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt.

Auch Pflanzenfresser verbrauchen den größten Teil der aufgenommenen Energie für Bewegung, Wärmeproduktion und Stoffwechsel.

Nur ein kleiner Teil wird tatsächlich in Körpermasse umgewandelt.

Dieses Prinzip setzt sich entlang der gesamten Nahrungskette fort.

Die Thermodynamik zeigt uns, dass mit jeder weiteren Stufe der Nahrungskette Energie verloren geht.

Ein Bauerndorf kann daher deutlich mehr Menschen ernähren als eine vergleichbare Anzahl von Jägern.

Biologisch gepflegte Felder gehören damit zu den natürlichsten „Solaranlagen“ unserer Erde.

Die dritte Stufe dieser Energiepyramide bilden die Raubtiere.

Sie kommen zahlenmäßig deutlich seltener vor als Pflanzenfresser.

Man denke an die großen Graslandschaften, die riesigen Herden von Pflanzenfressern und die vergleichsweise geringe Anzahl an Raubtieren.

Raubtiere müssen große Mengen an Nahrung aufnehmen und verbringen deshalb einen erheblichen Teil ihres Lebens ruhend, um Energie zu sparen.

Auch viele Parasiten und Krankheitserreger bevorzugen Raubtiere als Wirte.

Aus diesem Grund mieden unsere Vorfahren häufig das Fleisch anderer Raubtiere.

Selbst Löwen lassen getötete Rivalen wie Hyänen oder Leoparden meist unberührt.

Prionenerkrankungen und Parasiten wie Trichinen sind zusätzliche Risiken, die mit bestimmten Fleischarten verbunden sein können.

Meine indischen Gastgeber waren dennoch kräftig und gesund – ähnlich wie Elefanten, Nashörner, Nilpferde oder Gorillas, die ihre Kraft überwiegend aus pflanzlicher Nahrung beziehen.

In der heiligen buddhistischen Tripitaka, insbesondere im Jivaka-Sutta, wird die Frage der Ernährung ebenfalls behandelt.

Wir abendländischen Buddhisten im kalten Europa stehen dabei oft vor besonderen Herausforderungen.

Daher können wir unsere Lichtnahrung und Lichtarbeit schrittweise reinigen.

Jeder Mensch kann seinen eigenen Weg finden.

Vielleicht beginnt er damit, Geflügel oder Fisch nur noch in größeren Zeitabständen zu verzehren.

Schweine- oder Rindfleisch könnten besonderen Festtagen vorbehalten bleiben.

Die fleischfreien Zeiten lassen sich nach und nach verlängern, bis das Verlangen danach immer geringer wird.

Zu diesen Schritten muss jedoch jeder Mensch selbst entscheiden, wann er dazu bereit ist.

Infobox – Weiterführende Literatur

Empfohlene Literatur zu Ernährung, Buddhismus und Ethik

  • Das Jivaka-Sutta
  • Die China Study
  • Tiere essen
  • Ernährung für ein neues Jahrtausend
  • Literatur zur buddhistischen Ethik und zum Mitgefühl gegenüber allen Lebewesen
  • Werke über ökologische Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung
  • Fachbücher zur Thermodynamik und Energieflüssen in Ökosystemen

Hinweis

Dieser Beitrag gibt die persönlichen Gedanken und spirituellen Schlussfolgerungen des Autors wieder. Fragen der Ernährung sollten stets individuell und unter Berücksichtigung der eigenen gesundheitlichen Situation getroffen werden.

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