unsere Reise nach Thailand Teil 5

Boddhi swaha Satu !

Der Lady-Boy

Thai-Tech ist sehr weit entwickelt. Unikate sind schon die Lampen oft, die z. T. von den Decken herabhängen. Oft hing nur ein Stromkabel von der Decke herab mit einer Glühbirnenfassung. Darüber hängte man eine bunte Bierflasche ohne Boden und schraubte eine Glühbirne hinein, die gleichzeitig als Halterung der Flasche ihren Zweck erfüllte.

Eine tolle Stehlampe im modernen Designer-Style bestand aus einem zum Viereck gebogenen Matratzendraht, neu mit dünnem Stoff überzogen und an einer am Elektrokabel angeschlossenen Glühbirne in seiner Mitte. Andernorts sah ich hübsche Stehvasen, einfach aus Bambusstangen hergestellt. Das Bodenstück wurde aufgeschlitzt und die Teile zu drei oder vier Beinen verbogen. Im Kopfstück platzierte man einige schöne exotische Blüten.

Alles einfach und hübsch, und ich spürte ein altes Verlangen, aus den Bambusstangen verstecktes Klebereis mit Rosinen zu fingern.

Angelika verschwand in einer Hühnerschar von Thaifrauen zum Kauf von Hochzeitskleidern und traditionellen Kostümen. Das dauerte genau so lange, wie es Frauen auch in Europa fertigbringen. Stunden vergingen für uns Männer im gegenüberliegenden Café bei kühlen Getränken.

Fast alle Getränke bestanden zu 50 % aus Crushed Ice und zu 50 % aus gesüßtem und gefärbtem Fruchtwasser. Man musste zügig trinken, damit nicht alles nach Wasser schmeckte.

Angelika hatte mir einen Brustbeutel mit einem Packen Geldscheine diebstahlsicher um den Hals gehängt. Sie meinte, ich könne mit Thai-Geld nicht richtig umgehen, und so saß ich da wie ein kleiner Schulbube und wunderte mich, wie der Beutel immer leerer wurde.

Selbst das geliebte Singha-Bier wurde mit Eiswürfeln in Gläsern halbiert, weshalb wir immer zwei Gläser pro Kopf bestellten. Man bekam sogar einen Strohhalm dazu – wohl um die Wirkung des Alkohols zu unterstreichen.

Am Abend musste ich mit sieben Frauen zum Friseur, der ebenfalls eine Frau war. Dort saß ich wie eine Schaufensterpuppe im Damensalon direkt an einer Hauptstraße. Ich hatte das Gefühl, dass die Verkehrsteilnehmer extra langsam fuhren, um den komischen Deutschen dort sitzen zu sehen, dem man Haar und Bart stutzte, während sieben Frauen die Qualität aller an mir verbliebenen Haare prüften und sogar über meine geröteten Wangen strichen.

Am Abend saß ich wieder gut gelaunt am Ufer des Menam und angelte das geliebte Singha aus einer Kühlbox. Was bei uns in Deutschland die Heizungen sind, bedeutet bei den Thais die Kühlung – Hut ab!

Entsetzt sah ich im braunen Wasser einen grünen Koloss stromaufwärts auf mich zuschwimmen. Elektrisiert zog ich meine ausgestreckten Beine ein. Da sprach die sich mir leise genäherte „G“ beruhigend:

„Das ist nur ein Baumstumpf, der hochtreibt, weil hier mehrere Flüsse zusammenlaufen und unterschiedliche Strömungen verursachen.“

Ich nickte und fügte hinzu: „Ja, und die Wellen haben meine Hose etwas nass gemacht!“

Sie lächelte und sagte mitfühlend: „Die Sonne trocknet es schon.“

Nun setzte ich mich auf einen trockenen Stuhl vor den Straßenkiosk von Puis Tante. Dort hielten pausenlos Mopeds, um Zigaretten oder Cola zu kaufen. Letzteres wurde in Plastiktütchen mit Crushed Ice gefüllt – genau wie kleine Fische, die man zu Buddha-Tagen wieder als „gute Tat“ aussetzt.

„Gute Taten“ heißen „buun“ und sind Pluspunkte für das Karma, während „baab“ die Minuspunkte darstellen.

Man betritt Thai-Kioske immer barfuß, weshalb es überall Fensterbedienung gab.

Eine junge Mutter kam mit einem kleinen Mädchen auf dem Moped heran und bestellte Limonade. Ich legte meine Handflächen zum Gruß zusammen und verneigte mich leicht. Das Mädchen erwiderte den Gruß mit großen, staunenden Augen – wie eine kleine Prinzessin.

Die Mutter erhielt lachend ihren Plastikbeutel mit Limo. So spart man Pfand und füllt die Müllhalden.

Überall, wo es an Kläranlagen fehlt, kauft man Getränke aus Flaschen und Trinkwasser aus Kanistern. Der Kleinhandel genießt große Freiheiten.

Schon Aristoteles erkannte, dass kleine Staaten oft die lebendigeren Gemeinwesen hervorbringen. So nennt sich das alte Siam heute „Mueang Thai“ – das Land der Freien.

Ich dachte bei mir: Wenn es hier doch unser Gesundheitssystem gäbe, würde ich den Rest meines Lebens hier verbringen.

Der Hochzeitstag von Pui und Björn brach an. Sehr früh, um vier Uhr, kam der Brautschmücker. Es war einer von den schrillen Typen, die nur noch „Chamma Chamma“ singen müssten, um mit Boy George verwechselt zu werden.

Er schminkte nicht nur die Braut, sondern auch den Bräutigam und dessen Mutter – und trug dabei selbst ebenso viel Schminke.

Dann fuhren wir in Tuk-Tuks und Sammelbussen zum Hochzeitshotel. Über dem Eingang prangte ein Spruchband:

„Wedding to Thorleif-Björn and Pakawadee – 20. March 2015!“

Dazu zwei große rote Herzen.

Björn schritt in traditioneller Pumphose neben seiner prinzessinnenhaften Braut. Dahinter folgten die Familien in prachtvollen Trachten.

Ich war überwältigt von der Schönheit und Feierlichkeit.

Im Festsaal warteten Fotografen, und wir mussten uns in zahlreichen Posen gruppieren. Mein „Buddha-Handgriff“ war ein Fehlgriff – aber als Europäer genießt man einen gewissen Bonus.

Dann betraten die Mönche die Bühne und setzten sich im Lotussitz nieder.

Von einer großen goldenen Buddhafigur führte ein Wollfaden wie eine Nabelschnur zum Abt. Dieser verband ihn weiter von Mönch zu Mönch, während sie in unterschiedlichen Tonhöhen Verse aus dem Tripitaka rezitierten.

Der Gesang vibrierte wie eine Glocke durch den Raum.

Da überkam es mich. Tränen der Freude und Befreiung strömten mir über die Wangen. Meine Frau reichte mir still ein Taschentuch nach dem anderen.

Als die Mönche die Bühne verließen, warf mir der Abt einen strengen Blick zu – offenbar hielt er mich für eine „Heulsuse“… oder gar einen „Lady-Boy“.

Leserfrage

Haben Sie schon einmal in einem fremden kulturellen oder religiösen Umfeld einen Moment erlebt, der Sie unerwartet tief berührt hat?

Buddhistische Überlegung

Manchmal geschieht Einsicht nicht durch Denken, sondern durch unmittelbares Erleben.

Der Gesang der Mönche, die symbolische Verbindung durch den Faden, die Gemeinschaft – all das kann den Geist öffnen.

Im Buddhismus spricht man von Momenten des Samvega:
einem tiefen Erschüttertsein, das zugleich Klarheit und Befreiung bringt.

Solche Augenblicke lassen sich nicht planen –
sie entstehen, wenn der Geist still wird und bereit ist zu sehen.

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