Das Auge des Lichtgottes

Licht, Sonne und Sehen – von der Schöpfung bis zur Photographie

Am Anfang der Welt war das Licht und Gott war Licht. Dieses Licht schuf alle Dinge aus sich selbst heraus. Eine solche Naturreligion verfeinerten der ägyptische Pharao Eschnaton (1364–1342 vor Chr.), alias Amenhotep (griech.: Amenophis), indem er die Sonne zum Symbol des Lichts als alleiniger Gott zu seiner neuen monotheistischen Religion verkündete. Den Namen des Sonnengott Amun (kirchlich „Amen“, indisch: „Om“, eddisch: „Omi“ …) inmitten der Planetengötter legte der fromme Pharao ab und nannte sich fortan Eschn-aton nach dem neuen Sonnen-Namen „Aton“ (phönizisch: Adonis, hebräisch: Adonais, ind.: „Atma“, eddisch: Odin, Odem, Atem).

Götter nannten die alten Ägypter „Neter“, d. h. „Natur“, in Bezug auf die Beseeltheit der ganzen Natur, dem göttlichen Atem, dem Licht. Ägypter und Bronzezeit-Germanen war das Sonnenrad und Sonnen-Auge Sinnbild des höchsten Lichtgottes. Die Israeliten nannten ihn El (arabisch: Allah) vom griechischen Sonnengott Helos, worin unser deutsches Wort „hell“ liegt sowie „Heil“ (Ganzheit). Die Griechen (Hellenen) konnten kein „H“ mehr aussprechen und hängten immer ein „-os“ an den Namens-Ende, womit Helios = El war.

Sowohl die indischen Polytheisten als auch die heutigen Monotheisten rufen den Namen des alten Licht- und Sonnengottes noch heute immer in ihren Gebeten mit „Om“ und „Amen“, bis ins alte Zweistromland zum Sturmgott Elil!

Dieses Mysterium führt direkt in das wissenschaftliche Bild vom Licht als solches: Wenn Lichtquanten (Photonen) auf eine Fläche fallen, führt ihre Energie einen Impuls aus, den wir Lichtdruck nennen. Wie Luft übt auch Licht einen messbaren Druck aus. Pflanzen wandeln Licht sogar in Zucker um. Auch erhalten wir Menschen mit ihrer fühlbaren Wärme Vitamine vom Sonnenlicht.

Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen im Wellenbereich von etwa 380–780 nm, die mit dem Auge wahrnehmbar sind, auch die kürzeren Wellen (Infrarot-Licht) und längeren Wellen (Ultraviolett-Licht). Sie haben ihren Ursprung in inner-atomaren oder molekularen Zustandsänderungen.

In der Elektrizität stoßen sich gleiche Kräfte gegenseitig ab (mythologisch: Licht gegen Finsternis). Jede positive Ladung (Proton im Atomkern) wird von negativen Elektronen im Atommantel umtanzt. Die Elektronen befinden sich immer außerhalb des Einflusses eines anderen Elektrons. Im engen Atomkern hingegen können nur mehrere Protonen Platz finden, wenn sich einige von ihnen zu masselosen Neutronen als Abstandhalter „geschlechts-verwandeln“.

Wenn Licht auf einen Gegenstand fällt, wird er für unser Auge sichtbar – durch folgenden Prozess: Auf Gegenstände treffende Lichtteilchen werden vom Gegenstand auf unser Auge zurückgeworfen. Das Auge selbst ist ein kleiner Apfel (Augapfel) mit einer dünnen Haut umgeben, welche den Augapfel vor Staub schützt. Tränenfluss reinigt das Auge unter anderem.

Hinter der vorderen Augenhaut liegt die Pupille, ein schwarzer Punkt, in dem sich ein anderer Mensch wie eine kleine Puppe widerspiegelt. Diese Pupille erweitert und verengt sich je nach Helligkeit des Lichteinfalls. Über ihr befindet sich eine kleine Regenbogenhaut (Iris), die das Licht in Spektralfarben zerlegt.

Hinter diesem schwarzen Punkt (Linse) befindet sich eine geleeartige Blase (Glaskörper). Durch diese fällt das Licht auf die gegenüberliegende Hornhaut, auf einen gelben Fleck mit kleinen Stäbchen und Zapfen. Erstere sorgen dafür, dass selbst noch Restlicht gesehen wird, letztere unterscheiden die Farben aus dem Spektrum. Je genauer das Licht den gelben Fleck trifft, desto schärfer wird das Bild.

Unter dem gelben Fleck befindet sich ein Loch, durch das der Sehnerv führt. Diese Stelle nennt man den „blinden Fleck“. Mit ihm kann man naturgemäß nichts sehen. Das vom Licht transportierte Bild wird von der Form der Linse auf den Kopf gestellt – ähnlich wie das Spiegelbild auf einem blanken Löffel. Erst im hinteren Hirnteil korrigiert das Gehirn diese Perspektive.

80 % unserer Sinneseindrücke entstehen über die Augen, weshalb Regierungen großen Wert auf die Inhalte von Film und Fernsehen legen. Photonen ermöglichen auch die Photographie. Bereits im Mittelalter erkannte man die Camera obscura. Über Daniel Barbaro, Johann Zahn, Angelo Sala, Johann Heinrich Schulze, Thomas Wedgwood, Niépce und Daguerre entwickelte sich schließlich die haltbare Lichtbildkunst.

Quantenphysikalisch kamen hierbei Lichtteilchen aus der Vergangenheit zu uns, um nach einem winzigen Augenblick ihrer kurzen Gegenwart ihren Daumenabdruck zu hinterlassen.

Leserfrage

Ist das Licht für dich eher ein physikalisches Phänomen, ein spirituelles Urprinzip – oder beides zugleich?

Weiterführende Literaturtipps
  • Jan Assmann: Ägypten – Eine Sinngeschichte

  • Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane

  • Fritjof Capra: Das Tao der Physik

  • Rupert Sheldrake: Der siebte Sinn des Menschen

  • Carl Gustav Jung: Symbole der Wandlung

Allgemeine Anmerkung zu unseren Literaturtipps

Unsere Literaturhinweise sollen den Leserinnen und Lesern eine Orientierung bieten und unterschiedliche Blickwinkel auf die behandelten Themen ermöglichen. Dazu zählen sowohl klassische wissenschaftliche Werke als auch kulturhistorische, spirituelle oder interpretative Texte.

Nicht jede empfohlene Quelle entspricht dem aktuellen Stand der Forschung. Einige Titel bieten vielmehr alternative Sichtweisen, mythologische Deutungen oder persönliche Interpretationen der jeweiligen Autoren. Wir laden unsere Leser bewusst dazu ein, sich eigenständig ein Bild zu machen, kritisch zu vergleichen und bei Interesse auch auf wissenschaftlich gesicherte Fachliteratur zurückzugreifen.

Die Auswahl der Literatur soll daher als Anregung verstanden werden, nicht als abschließender Maßstab. Wir empfehlen, verschiedene Quellen heranzuziehen, Fragen zu stellen und das eigene Verständnis kontinuierlich zu erweitern.

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