Feigenblatt-Sirup und Feigenmilch

Bodhi Svaha! Sadhu!

Wenn der Feigenbaum den Garten erobert

Der Echte Feigenbaum (Ficus carica) ist längst nicht mehr nur im Mittelmeerraum zu Hause. Auch in Deutschland gedeiht er an geschützten, sonnigen Standorten erstaunlich gut.

Wer einmal einen kräftigen Feigenbaum im Garten hat, kennt seine Wuchsfreude: In günstiger Lage kann er innerhalb weniger Jahre beträchtlich an Höhe und Breite zulegen. Zum Glück verträgt die Feige einen kräftigen Rückschnitt meistens recht gut und lässt sich dadurch im Zaum halten.

Besonders erfreulich wird es, wenn sich im Sommer und Spätsommer zahlreiche Früchte entwickeln.

Je nach Sorte bleiben reife Feigen außen grün oder färben sich gelblich, violett oder braun. Ein besseres Reifezeichen als die Farbe ist deshalb ihre Konsistenz: Reife Feigen werden weich, hängen häufig etwas nach unten und lassen sich leicht vom Zweig lösen.

Und dann heißt es manchmal:

Schneller essen, als der Baum neue Früchte reifen lässt!

Vorsicht mit der weißen „Feigenmilch“

Beim Pflücken einer Feige oder beim Abschneiden eines Blattes tritt häufig ein weißer, klebriger Pflanzensaft aus.

Dieser sogenannte Latex oder Milchsaft sollte nicht mit der später beschriebenen Feigenblatt-Milch verwechselt werden.

Der Pflanzensaft kann die Haut reizen. Besonders problematisch wird es, wenn Feigensaft oder Saft zerdrückter Blätter auf die Haut gelangt und diese anschließend intensivem Sonnenlicht ausgesetzt wird.

Dann kann eine sogenannte Phytophotodermatitis entstehen.

Typische Folgen können sein:

  • Rötungen,

  • Brennen und Juckreiz,

  • Schwellungen,

  • in stärkeren Fällen Blasen,

  • sowie anschließend dunkle Hautverfärbungen, die längere Zeit sichtbar bleiben können.

Verantwortlich sind unter anderem lichtempfindliche Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Furocumarine.

Deshalb empfiehlt es sich beim stärkeren Beschneiden oder Ernten:

Handschuhe tragen, Pflanzensaft abwaschen und betroffene Haut anschließend vor intensiver Sonne schützen.

Feigenblätter besitzen ein erstaunliches Aroma

Nicht nur die Früchte sind interessant.

Auch die großen, charakteristischen Blätter der Feige besitzen einen ungewöhnlichen Duft.

Wer ein Blatt vorsichtig zwischen den Fingern reibt und daran riecht, entdeckt – je nach Feigensorte und persönlicher Wahrnehmung – überraschende Aromen.

Manche erinnern an:

Kokosnuss, Mandel, Vanille und einen Hauch tropischer Früchte.

Genau dieses Aroma hat Feigenblätter inzwischen auch für die moderne Küche interessant gemacht.

Sie werden beispielsweise zum Aromatisieren von Milch, Sahne, Eiscreme oder Desserts verwendet.

Wichtig

Für Lebensmittelzubereitungen würde ich nicht einfach beliebige frisch gepflückte Blätter in größeren Mengen verwenden.

Feigenblätter können je nach Sorte unterschiedlich hohe Mengen an Furocumarinen enthalten. Wissenschaftlich gibt es bislang keine einheitlich festgelegte Verzehrmenge für selbst geerntete Feigenblätter.

Wer die folgenden Ideen ausprobieren möchte, sollte deshalb vorzugsweise getrocknete Feigenblätter verwenden, die ausdrücklich als Lebensmittel oder Tee angeboten werden.

Der weiße Milchsaft des Feigenbaumes wird für diese Rezepte nicht verwendet.

Feigenblatt-Sirup mit Kokosaroma

Ein aromatisierter Zuckersirup kann Getränken und Desserts eine außergewöhnliche Note verleihen.

Zutaten
  • 500 ml Wasser

  • 300 g Zucker

  • eine kleine Menge getrocknetes, für Lebensmittel geeignetes Feigenblatt

Zubereitung

Wasser und Zucker in einen Topf geben und langsam erhitzen.

Unter Rühren warten, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat.

Anschließend das Feigenblatt hinzugeben und den Sirup nur so lange ziehen beziehungsweise leicht köcheln lassen, bis das gewünschte Aroma erreicht ist.

Danach das Pflanzenmaterial vollständig herausfiltern.

Den fertigen Sirup in eine gründlich gereinigte Flasche füllen und im Kühlschrank aufbewahren.

Das Ergebnis kann – je nach Feigensorte – ein überraschendes Aroma entwickeln, das manche Menschen an Kokosnuss, Vanille und Mandel erinnert.

Besonders interessant ist der Sirup beispielsweise in:

Mineralwasser, alkoholfreien Cocktails, Desserts, Joghurt oder über Vanilleeis.

Milch mit Feigenblatt-Aroma

Der Name „Feigenmilch“ kann leicht missverstanden werden.

Gemeint ist hier ausdrücklich Milch, die mit Feigenblättern aromatisiert wird – nicht der weiße Latex des Feigenbaumes.

Zutaten
  • 500 ml Milch

  • eine kleine Menge getrocknetes Feigenblatt, das ausdrücklich als Lebensmittel geeignet ist

Zubereitung

Das Feigenblatt zunächst kurz und vorsichtig in einer trockenen Pfanne erwärmen.

Es soll sein Aroma entfalten, aber nicht schwarz werden oder verbrennen.

Sobald ein angenehm nussiger beziehungsweise kokosähnlicher Duft entsteht, das Blatt herausnehmen und zur Milch geben.

Die Milch langsam erwärmen und anschließend einige Minuten ziehen lassen.

Danach sämtliche Blattbestandteile sorgfältig herausfiltern.

Die aromatisierte Milch abkühlen lassen und anschließend im Kühlschrank aufbewahren.

So entsteht eine ungewöhnliche Milch mit einem dezenten tropisch-nussigen Aroma.

Sie kann beispielsweise als Grundlage für:

Milchreis, Pudding, Eiscreme, Kaffeegetränke oder Desserts dienen.

Warum reagiert die Haut auf Feigen so empfindlich?

Der Feigenbaum produziert verschiedene Pflanzenstoffe als natürlichen Schutz.

Darunter befinden sich sogenannte Furocumarine, insbesondere Psoralen und verwandte Verbindungen.

Gelangen solche Stoffe auf die Haut und trifft anschließend UVA-Licht darauf, können photochemische Reaktionen ausgelöst werden.

Deshalb treten Beschwerden manchmal erst Stunden nach der Gartenarbeit auf.

Besonders häufig passiert dies im Sommer:

Man schneidet den Feigenbaum zurück, bekommt Pflanzensaft auf Hände und Arme – und arbeitet anschließend weiter in der Sonne.

Die spätere Hautreaktion wird dann nicht unbedingt sofort mit dem Feigenbaum in Verbindung gebracht.


🌿 Infobox: Feigenblatt und Milchsaft – was sollte man wissen?

Pflanze: Echter Feigenbaum (Ficus carica)

Früchte: Reife Feigen sind gewöhnliche Lebensmittel und können frisch oder verarbeitet gegessen werden.

Weißer Pflanzensaft: Der Latex aus Stielen, Blättern und unreifen Früchten kann Haut und Schleimhäute reizen.

Sonnenlicht: Feigenblätter und Feigenlatex enthalten Furocumarine. Nach Hautkontakt kann UVA-Licht eine Phytophotodermatitis verursachen.

Mögliche Symptome: Rötung, Brennen, Schwellung, Blasen und anschließend länger sichtbare dunkle Pigmentflecken.

Feigenblätter als Lebensmittel: Sie werden traditionell und kulinarisch zum Aromatisieren verwendet. Der Gehalt an Furocumarinen kann jedoch zwischen Sorten und Zubereitungen schwanken.

Für Küchenexperimente: Am besten nur Blätter verwenden, die ausdrücklich als Lebensmittel beziehungsweise Tee angeboten werden.

Wichtig: Der weiße Milchsaft des Feigenbaumes gehört nicht in die hier beschriebenen Getränke.


Das überraschende Aroma eines vertrauten Gartenbaumes

Der Feigenbaum besitzt also wesentlich mehr zu entdecken als seine süßen Früchte.

Gerade der Duft seiner Blätter ist ungewöhnlich und kann an Kokosnuss, Mandel und andere warme Aromen erinnern.

Trotzdem gilt:

Naturprodukt bedeutet nicht automatisch unbegrenzt oder bedenkenlos genießbar.

Besonders beim Milchsaft sollte man vorsichtig sein und Hautkontakt möglichst vermeiden.

Wer mit Feigenblättern kulinarisch experimentiert, sollte geeignete Lebensmittelqualität verwenden und zunächst mit kleinen Mengen arbeiten.

Habt Ihr Feigenblatt-Sirup oder aromatisierte Feigenmilch bereits ausprobiert?

Dann meldet Euch gerne und schreibt, wie es Euch geschmeckt hat und welche Variante Ihr vielleicht noch verbessert habt.

Euer Clever Fox

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