Altes Haushaltswissen über Trinkwasser, Vorratshaltung und Zeiten ohne Strom
Als die Friesen durchs Mittelmeer schipperten und die isländischen Wikinger nach Amerika, mussten sie das wichtige, mitgeführte Süßwasser hüten wie ihr eigenes Leben.
Drohende Zeiten des „Black out“ sollten heute wissen, wie unsere Urgroßmütter ohne Elektrizität und während vieler böser Kriege das Trinkwasser für ihre Familie frisch hielten.
1. Silber im Wasserkrug
Hierzu füllten sie Trinkwasser in einen Steinkrug und legten 3 alte Silbermünzen oder einen kleinen Silberlöffel in den Wasserkrug.
6 Wochen später war das Wasser noch klar und trinkbar, während das Wasser in den anderen Gefäßen umschlug und faulig wurde.
Silber-Ionen töten nämlich Bakterien und andere Keime ab.
Reiche tranken früher aus Silberkelchen und kaufen heute im Handel Silberionen-Präparate.
Wer heute Glücksmünzen in einen Brunnen wirft, erinnert sich instinktiv an Urgroßmutters Silber-Heilmittel.
2. Kupfer in Urgroßmutters Küche
Urgroßmutters Küche war voller Kannen, Schalen, Töpfe, Krüge, Kellen und Pfannen aus Kupfer.
Denn Kupfer wirkt wie Silber durch seine winzigen Ionen, die Keime und Bakterien im Wasser töten.
Wasser, das über Nacht in einem Kupfergefäß gestanden hatte, war nachweislich, messbar sauberer als in anderen Gefäßen.
Unsere heutigen Kunststoff-Geräte vergiften uns langsam mit irreparablen Nano-Partikeln.
Eine Pasta aus Salz und Zitrone hält die Gefäße schön blank.
Wer kennt noch die Teekännchen mit Stövchen aus Kupfer?
3. Der westfälische Tonkrug
Ein anderer Effekt hielt Wasser tagelang frisch im echten westfälischen Tonkrug mit Salz-Glasur.
Weil sich keine Poren im Krug bilden konnten, konnten dort weder Wasser noch Bakterien eindringen.
Ein sauberes Leinentuch deckte die Öffnung vom Krug ab.
Nur mit einer eigenen, sauberen Schöpfkelle entnahm man das Wasser.
4. Kühlung durch Verdunstung
Ein unglasierter Tonkrug ist poröser und lässt durch seine Poren winzige Spuren von Wasser durch.
Er setzt an seine Außenwand hauchdünne Feuchtigkeit, die an der Luft verdunstet und den Krug dabei abkühlt wie unsere Haut beim Schwitzen.
Daher umwickelten im heißen Hochsommer unsere Urgroßmütter ihre Krüge mit nassen Leinen-Tüchern und stellten die Krüge in den windigen Schatten.
Sie benetzten trockene Tücher dann öfters.
Die Krüge standen oft an der kälteren Nordwand auf Brettchen, damit kein Schimmel ansetzte.
5. Wasser abkochen und verschließen
Noch im letzten Kriege kochten Hausfrauen Trinkwasser immer vorher ab, um Keime zu töten — Gefahr vor Typhus, Cholera und Ruhr — und füllten es sogleich in Einmach-Gläser.
Beim Abkühlen sorgte der Unterdruck dafür, dass sich der Deckel fest ansaugte.
6. Essigwasser für die Reinigung
Kam aus einem leeren Krug Geruch, deutete das auf Keime, weshalb die Urgroßmutter ihn mit Essigwasser gründlich reinigte und an der Sonne trocknete.
Zum Trinkwasser gab sie nur so wenig Obst-Essig, dass man es eben noch herausschmecken konnte.
Die antibakterielle Kraft ließ das Wasser eher frisch als sauer schmecken.
7. Buchenholzkohle gegen schlechten Geschmack
Schmeckte das Wasser fade, warf die Urgroßmutter ein daumengroßes Stück Buchenholzkohle ins Wasser.
Die Poren der Holzkohle binden Gerüche wie ein Schwamm an sich und nach einigen Stunden war das Wasser wieder klarer und schmackhaft weicher.
Steinkohle oder unreines Holz mit Papier u.a. sind dagegen reines Gift!
Unsere Urgroßmutter tauschte alle 2 Wochen das alte Stück Buchenholzkohle mit einem neuen, das sich in ihrem Ofen befand, wieder aus.
Denn war die Holzkohle vollgesogen, erfüllte sie keine weiteren Zwecke.
Heute funktioniert nach diesem Prinzip das „Aktiv-Kohle-Filter“ aus dem öffentlichen Handel.
8. Glasballons und Holzfässer
Als die bauchigen Glasballons, schützend in Weidenkörbe verhüllt, preiswert im Handel erschienen, benutzte Großmutter sie als Trinkwasser-Behälter, das mit einem Korken versehen am kühlen Ort wochenlang hielt.
Große Höfe kauften Eichenholz-Fässer zum Aufbewahren von Trinkwasser.
Eichenholz tötete Keime mit seiner Gerbsäure (Tannine), was schon die Wikinger früh erkannten.
Der Böttcher kohlte neue Fässer vor dem Verkauf kurz von innen aus, zwecks Reinigung und Abdichtung.
9. Wacholder, Eichenblätter, Rosmarin und Lorbeer
Unsere kluge Urgroßmutter legte ein paar frische Wacholderzweige auf den Boden eines Wasserfasses, bevor sie es füllte.
Wacholder gibt langsam ätherische Öle ab, die nachweisbar keimhemmend wirken und dem Trinkwasser eine harzige, frische Note verleihen.
Die sauberen, frischen Zweige wurden alle paar Wochen erneuert, bevor sie ihre grüne Kraft verloren.
Jeder echte Landesvater legte Wert, das für sein Volk überall am Wegesrand oder auf der weiten Heide Wacholder wachsen konnte.
Wo dieser dennoch nicht zu finden war, half man sich mit einigen Eichenblättern aus oder Rosmarin beziehungsweise Lorbeer.
10. Wissen von Generation zu Generation
Dieses Wissen lernten alle braven Mädchen von ihren Müttern und gaben es von Generation weiter.
Es machte unsere Urgroßmütter völlig unabhängig vom Gelde.
Gastautor: (Euer clever Fox)
Infobox: Altes Wasserwissen – was davon heute noch sinnvoll ist:
Viele der beschriebenen Methoden gehören zur traditionellen Vorratshaltung und zeigen, wie erfinderisch Menschen ohne Kühlschrank, Wasserwerk und moderne Filtertechnik sein mussten.
Einige Prinzipien sind auch heute nachvollziehbar:
Saubere Gefäße helfen gegen Verunreinigung. Kühlung verlangsamt mikrobielles Wachstum. Verdunstung kann einen Tonkrug tatsächlich abkühlen. Aktivkohle kann Geruchs- und Geschmacksstoffe binden. Und ausreichendes Erhitzen kann viele Krankheitserreger abtöten.
Wichtiger Sicherheitshinweis:
Silbermünzen, Silberlöffel, Kupfergefäße, Essig, Holzkohle, Wacholder, Eichenblätter, Rosmarin oder Lorbeer machen unbekanntes oder verkeimtes Wasser nicht zuverlässig zu sicherem Trinkwasser.
Auch klares und gut riechendes Wasser kann krankmachende Bakterien, Viren oder Parasiten enthalten.
Bei einem Blackout oder einer Störung der Trinkwasserversorgung sollte deshalb zuerst auf original verschlossenes Trinkwasser und die Hinweise der Behörden zurückgegriffen werden. Muss Wasser mikrobiologisch aufbereitet werden, ist gründliches Abkochen eine wesentlich verlässlichere Methode als historische Hausmittel.
Bei Wasser, das möglicherweise mit Chemikalien, Kraftstoffen, Schwermetallen oder anderen Schadstoffen belastet ist, hilft auch Abkochen nicht zuverlässig.
Kurz gesagt:
Urgroßmutters Wissen ist kulturgeschichtlich interessant und manche Prinzipien sind weiterhin nützlich — bei der Sicherheit von Trinkwasser sollten wir jedoch die Möglichkeiten der modernen Hygiene nutzen.
Literaturtipps zur weiterführenden Lektüre:
1. Geschichte der häuslichen Wasserversorgung
Zur Frage, wie Familien Trinkwasser vor Wasserleitungen, Kühlschränken und moderner Desinfektion lagerten.
2. Traditionelle Haushalts- und Vorratsbücher
Mit alten Methoden zum Einmachen, Lagern, Reinigen, Kühlen und Haltbarmachen.
3. Geschichte der Töpferei und Salzglasur
Zur Bedeutung von Steinzeugkrügen, Westerwälder und westfälischer Keramik und ihrer Verwendung im Haushalt.
4. Aktivkohle und Wasserfiltration
Zur modernen Erklärung, warum poröse Kohlenstoffe bestimmte Geruchs- und Geschmacksstoffe aufnehmen können.
5. Kupfer und Silber in der Hygiene-Geschichte
Zur historischen Verwendung dieser Metalle in Gefäßen, Medizin und Wasseraufbewahrung.
6. Geschichte der Küfer und Böttcher
Zur Herstellung von Holzfässern, ihrer Abdichtung und ihrer Bedeutung für Schifffahrt und Vorratshaltung.
7. Notfallvorsorge und Trinkwasservorrat
Für die moderne Vorbereitung auf Stromausfälle, Unwetter oder zeitweise Störungen der Wasserversorgung.
8. Volkskunde des bäuerlichen Haushalts
Zur Weitergabe praktischen Wissens von Generation zu Generation — von Küche und Brunnen bis zu Vorratskammer und Hausapotheke.






